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So entsteht das perfekte Konferenz-Programm

So entsteht das perfekte Konferenz-Programm

Große Testkonferenzen wie die Eurostar leben von der Qualität und Vielfalt ihrer Vorträge. Hier entsteht das Programm nicht zufällig, sondern in einem intensiven Auswahlprozess: Über 500 Einreichungen konkurrieren um etwa 50 Plätze. Damit rückt die Frage in den Fokus, was einen Vortrag wertvoll macht und wie persönliche Erfahrung, aussagekräftige Abstracts und ehrliches Feedback zu einem starken Line-up führen. KI-generierte Einreichungen fallen meist durch inhaltliche Schwäche auf, während Praxisberichte und klare Themen überzeugen. Die Erfahrung zeigt: Wer sich traut, eigene Einblicke zu teilen, prägt aktiv die High-End-Diskussion der Softwaretest-Community.

Podcast Episode: So entsteht das perfekte Konferenz-Programm

In dieser Episode spreche ich mit Elmar Jürgens über Konferenzen und wie ein starkes Programm entsteht. Er ist Program Chair der EuroSTAR in Oslo. Wir schauen unter die Haube: 527 Einreichungen, 50 Slots, Akzeptanzrate unter zehn Prozent. Community Reviewer, drei Bewertungen je Beitrag und ein Pflichtvideo sichern Qualität. Wir reden über KI in Abstracts und warum echte Erfahrung zählt. Das Motto: Testing at its best. Mit Keynotes von Wolfgang Platz und Michael Kutz.

"Bitte nicht ein völlig AI-generiertes Abstract einreichen. Weil ein exzellenter Vortrag zeichnet sich dadurch aus, dass man über Dinge spricht, die man selber mal gemacht hat, über eigene Arbeitserfahrung, über eigene Misserfolge, über eigene Erfolge, weil man da der weltbeste Experte für ist und nicht nur eine Menge Material hat, was man gut aufbereiten kann, sondern auch für Fragen authentisch antworten kann." - Elmar Jürgens

Dr. Elmar Jürgens hat über statische Codeanalyse promoviert und für seine Doktorarbeit den Software-Engineering-Preis der Ernst Denert-Stiftung erhalten. Er ist Mitgründer der CQSE GmbH und begleitet seit zehn Jahren Teams bei der Verbesserung ihrer Qualitätssicherungs- und Testprozesse. Elmar spricht regelmäßig auf Forschungs- und Industriekonferenzen und wurde für seine Vorträge mehrfach ausgezeichnet. 2015 wurde er zum Junior Fellow der Gesellschaft für Informatik ernannt.

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Highlights der Episode

  • 527 Einreichungen, 50 Slots, unter 10 Prozent Annahmequote
  • Community Reviews, drei Bewertungen und Pflichtvideo sichern die Qualität
  • KI in Abstracts fällt auf, echte Erfahrung zählt
  • Exploratives Testen liefert starke Ergebnisse auch bei MMOs
  • Praxisbeispiele wie Vestas und BBC zeigen angewandtes Testen

Von der Bewerbung zur Bühne: Einblick in die Programmgestaltung der Eurostar-Konferenz

Jedes Jahr treffen sich Softwaretester und Qualitäts-Fans aus ganz Europa auf der Eurostar-Konferenz. Doch wie kommt eigentlich das Konferenzprogramm zustande? Was passiert mit den hunderten Einreichungen, die jedes Jahr eingehen? Im Gespräch zwischen Richie und Elmar Jürgens gibt es viele Antworten, die zeigen, wie viel Arbeit, Überlegungen und Herzblut in jeder Veranstaltung stecken.

Wer entscheidet, was ins Programm kommt?

Die Antwort klingt einfach: Das Programmkomitee entscheidet. Aber was bedeutet das? Elmar Jürgens durfte dieses Jahr die Rolle des Program Chairs übernehmen. Das heißt, er trägt die Verantwortung für das ganze Konferenzprogramm. Gemeinsam mit vier Kollegen aus dem Komitee wählt er aus allen vorgeschlagenen Vorträgen die besten aus.

Los geht alles mit dem Call for Papers. Dann trudeln die Bewerbungen ein – und dieses Mal waren es 527 vollständige Einreichungen! Jede bekommt mindestens drei Bewertungen, und nur etwa 10 Prozent davon schaffen es auf die Bühne. Hinter jeder Auswahl stehen viele intensive Diskussionen, oft nur kleine Nuancen entscheiden.

Wie sieht ein gutes Programm aus?

Ein abwechslungsreiches Programm, das verschiedene Themen und Blickwinkel abdeckt – das ist das Ziel. Doch wie bekommt man das hin? Nicht nur technische Tiefe zählt, sondern auch die Mischung aus Methodik, Erfahrungen, Branchen und neuen Ideen. Deshalb achtet das Komitee darauf, dass nicht nur Speaker mit jahrelanger Konferenzroutine vertreten sind, sondern auch Praktiker, die mitten aus dem Arbeitsalltag berichten.

Persönliche Geschichten und echte Erfahrungen sind für viele die spannendsten Beiträge. Gerade diese Berichte von Menschen, die durch eigene Fehler und Erfolge gelernt haben, machen die Konferenz lebendig.

Die Rolle von KI in Einreichungen

Künstliche Intelligenz ist aktuell in aller Munde – und ja, auch in Speaker-Bewerbungen. Es gibt immer mehr Abstracts, die komplett von einer KI generiert wurden. Das klingt erst einmal gut, doch oft fehlt die persönliche Note. Die Komiteemitglieder merken schnell, wenn ein Text zwar wie aus dem Lehrbuch klingt, aber nicht greifbar wird. Für Elmar Jürgens ist klar: Eine KI kann helfen, Formulierungen zu glätten, vor allem in einer Fremdsprache. Aber den eigenen Standpunkt, die Geschichte aus dem echten Leben, das muss vom Menschen kommen.

Damit Fachkenntnis und Persönlichkeit sichtbar werden, braucht es bei der Eurostar-Konferenz neben dem Abstract auch ein Kurzvideo. Das Video hilft dem Komitee zu sehen, wie die Person präsentiert, und setzt eine kleine Hürde für generische Einreichungen.

Keynotes: Erfahrung schlägt Show

Für die großen Eröffnungsvorträge holt das Komitee Menschen auf die Bühne, die richtig was zu erzählen haben. Elmar Jürgens wählt gezielt Leute, deren Karriere und Erfahrungen seltene Einblicke bieten. Ob Start-up-Gründer oder jemand, der jahrzehntelang Beobachter und Gestalter bei ein und demselben Konzern war: Die Geschichten sind vielfältig, echt und bringen die Community weiter.

Wichtig ist dabei immer die Balance. Nicht die besten Verkäufer, sondern die besten Erzähler sollen in den Keynotes stehen. Und deshalb können Mitglieder des Programmkomitees selbst nicht als Speaker auftreten – ein Schritt, der für Fairness sorgt.

Mut zur Bewerbung: Tipps für zukünftige Speaker

Viele zögern, das erste Mal einen Vorschlag einzureichen. Die Angst vorm Scheitern oder Ablehnung ist normal. Elmar Jürgens und Richie raten: Nicht auf den letzten Drücker arbeiten, Feedback von Kollegen einholen und Mut zeigen, auch mal den Veranstalter vorab anzuschreiben. Wichtig ist nicht Perfektion, sondern die eigene Geschichte, aus eigener Erfahrung, verständlich zu erzählen.

Wer am Ende auf der Bühne steht, hat nicht nur Fachwissen geteilt, sondern auch die eigene Komfortzone verlassen – und die ist auf einer Konferenz erstaunlich oft der beste Ort, Neues zu lernen.

Wenn du schon lange mit dem Gedanken spielst, dich mal auf einer Bühne zu zeigen, ist jetzt der beste Moment, den ersten Schritt zu wagen. Die Erfahrung und die Energie, die du zurückbekommst, lohnen sich!