Digitalisierung braucht Persönlichkeit 

 28. August 2020

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“Technologie muss man nicht bekämpfen, sondern beherrschen.” hat der deutsche Journalist und Hacker Wau Holland einmal gesagt.
Nach meiner Rückkehr von den Unternehmen im Silicon Valley, in Shanghai und Shenzhen ist mir wieder deutlich geworden, wie skeptisch wir hier in Deutschland und Europa Technologie gegenüberstehen. Das ist auch nachvollziehbar. Wir leben in Sicherheit und Wohlstand und dieser beruht zum großen Teil auf Branchen, an die wir uns ganz natürlich jetzt klammern und diese am Leben erhalten. Das ist ok, wie auch die Angst vor Arbeitsplatzverlust durch Digitalisierung. Aber es ist keine Lösung. Denn die Digitalisierung wird nicht kommen…die ist schon längst da. Deal with it. Die Frage darf nicht sein: Wird Technologie mein Business beeinflussen? Sondern: Wie kann ich diese Veränderung aktiv mitgestalten?

Wir sind träge, satt, zufrieden und fühlen uns sicher. Und wenn es uns schlecht geht werden die anderen das schon richten – spätestens der Staat. Aber das ist eine Scheinsicherheit. Wie schnell es um Konzerne und Branchen geschehen sein kann beweisen Apple, Google, Amazon und Co jeden Tag. Und die Impacts kommen näher. Tesla hat heute eine größere Marktkapitalisierung als VW, Daimler, BMW, GM und Ford zusammen und setzt seine Gigafactory vor die Tore Berlins. Wer weiterreist und mit dem ICE Richtung Westen 1h unterwegs ist könnte meinen, man fährt an einem Freilichtmuseum vorbei.
Ob Tesla oder E-Autos was taugen, darüber kann man lange streiten. Aber es werden Impulse geliefert. Und diese sollten, müssen wir aktiv aufnehmen, statt unsere Energie vollends in den Erhalt des Bestehenden zu stecken.

STRG+C, STRG+V?

Silicon Valley hat ein gut funktionierendes Ökosystem geschaffen, in denen Tech-Startups und -Konzerne skalieren und sich entwickeln können. Und man kann staunend durch Shenzhen laufen, dem “Silicon Valley der Hardware”, wo der Straßenverkehr fast ausschließlich aus E-Autos besteht und die Stadtplanung in Echtzeit mit den Daten der Stadt versorgt wird. Aber wie gelingt uns der Transfer nach Deutschland und Europa? Und zwar der Dinge, die gut funktionieren, ohne den Schattenseiten wie z.B. die Selbstausbeutung der Mitarbeiter oder die Komplettüberwachung samt Social Scoring.

Einzelne Aspekte isoliert zu übernehmen funktioniert nicht oder nur zufällig: Ein bisschen Scrum hier, ein Kicker da und am Ende der Woche noch Casual Friday. Da wird häufig vergessen, dass bei uns einiges anders ist: Unsere Rahmenbedingungen, Regeln, Werte, Sozialsystem und unsere Geschichte – so lässt es sich nicht 1:1 übernehmen.
Ein bisschen Schönwetteragilität führt dann geradewegs zu Frust bei den Mitarbeitern (“ja was haben die sich da oben schon wieder ausgedacht”) und bei der Führungsebene (“können die da nicht einfach mal effizient agil arbeiten”).

Digitalisierung braucht Persönlichkeitsentwicklung

Um “unseren” Weg ins digitale Zeitalter weiterzugehen und nicht auf Dystropien zuzusteuern müssen wir einen zuweilen aus der Mode gekommenen Wert zurück in den Mittelpunkt stellen: die Menschlichkeit – es ist am Ende doch immer der Mensch, der Mitarbeiter oder Führungskraft, Software-Architekt, Azubi oder Senior, Lieferant, Anbieter oder Kunde ist. Er ist es, dem die ganze Technologie dienen soll und er ist der wichtigste Ressource in dieser Transformation.
So braucht erfolgreiche Digitalisierung nicht nur technische, sondern insbesondere auch die persönliche Entwicklung der Beteiligten und Teams. Schluss mit der Schockstarre. Kleider ordnen, Atmen und die Zukunft aktiv gestalten. Dann haben auch agile Werte und ein agiles Mindset Chancen, nicht nur Floskeln an der Foyerwand zu sein, sondern gelebte Praxis.

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