Bessere Zusammenarbeit mit modell-basierten Testen
Wie hilft modellbasiertes Testen, komplexe Anforderungen sichtbar zu machen? Profitiere von echten Praxistipps.

Wer will schon testen, wenn man eigentlich nur will, dass die Software funktioniert? Modellbasiertes Testen macht genau das möglich: Statt sich in Details zu verzetteln, schaffen visuelle Modelle eine gemeinsame Sprache zwischen Fachbereich und Software Testing – und decken dabei Lücken in den Anforderungen auf, bevor auch nur eine Zeile Code geschrieben wird. Bei der Lufthansa CityLine entstanden so aus strukturierten Workshops über 700 Testfälle, die nicht nur automatisch generiert wurden, sondern auch bei jeder Änderung schnell aktualisiert werden können.
Podcast Episode: Bessere Zusammenarbeit mit modell-basierten Testen
In dieser Episode spreche ich mit Oliver Schuhmacher und Marvin Jakob über modellbasiertes Testen und wie es Teams zusammenbringt. Am Beispiel Lufthansa CityLine: neues Crew-Management, hoher Zeitdruck, klare Abnahme nötig. Modelle dienen als gemeinsame Sprache. Sie starten auf hoher Flughöhe, interviewen Fachbereich, Tester und Entwickler, verfeinern Schritt für Schritt und reviewen regelmäßig. Aus den Modellen generieren sie per Tool Testfälle, machen Abdeckung und Impact in Jira sichtbar und halten Tests bei Änderungen schneller aktuell. Wichtig: Gute Anforderungen und der Fokus auf Business Value.
“Man kann nur gute Tests schreiben, wenn die Anforderungen auch gut sind. Und Anforderungen und Tests, das bildet eben die eine Einheit.” - Oliver Schuhmacher, Marvin Jakob
Oliver Schuhmacher ist Consultant in der cimt AG. Er beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit dem Thema Softwarequalität und hat in dieser Zeit unterschiedliche Projekte im Bereich Finance und Logistik betreut. Seit mehr als 10 Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema modellbasiertes Testen und der Ableitung von Testfällen aus Testmodellen.
Marvin Jakob ist Consultant bei der cimt AG. In den Bereichen Architektur, IT-Betrieb und Projektmanagement begleitet er Software über ihren gesamten Lebenszyklus. Somit schaut er aus vielen Perspektiven auf das Thema Softwarequalität und beschäftigt sich mit innovativen Testmethoden, welche die einzigartigen Anforderungen seiner Projekte erfüllen.
Highlights der Episode
- Modelle zeigen sofort, welche Anforderungen unvollständig sind – noch vor dem ersten Test.
- Fachbereich, Tester und Entwickler sprechen mit Modellen endlich dieselbe Sprache ohne Missverständnisse.
- Auf hoher Flughöhe starten, nicht im Detail verzetteln – dann ins Modell eintauchen.
- 700 Testfälle aus 60 Modellen in sechs Monaten – Impact-Analysen in Minuten statt Tagen.
- Modelle leben weiter: Dokumentation und Testbasis für die Linie nach Projektende.
Wie modellbasiertes Testen die Zusammenarbeit im Softwareteam verbessert
Im aktuellen Podcast “Software Testing” sprechen Richie, Oliver und Marvin über ihre Erfahrungen mit modellbasiertem Testen. Sie berichten, wie diese Methode bei der Lufthansa CityLine eingeführt wurde und welche Vorteile sich für die Zusammenarbeit im Team ergeben haben. Das Gespräch zeigt, dass es nicht nur um Technik geht, sondern auch um Menschen, Kommunikation und Vertrauen.
Was ist modellbasiertes Testen?
Modellbasiertes Testen bedeutet, dass Testfälle nicht mehr auf Basis langer Textdokumente erstellt werden. Stattdessen nutzt das Team grafische Modelle, um Abläufe, Entscheidungen und Prozesse im System zu beschreiben. Diese Modelle helfen, Anforderungen klarer zu verstehen und die richtigen Tests abzuleiten. Alle Beteiligten – Fachbereich, Entwickler und Tester – bekommen durch das gleiche Modell eine gemeinsame Sprache.
Die Praxis bei Lufthansa CityLine
Bei der Lufthansa CityLine gab es eine große Herausforderung: Eine neue Airline musste aufgebaut werden, mit sämtlicher Infrastruktur und IT-Anbindung. Besonders das Crew-Management-System war komplex. Die Teams mussten sicherstellen, dass die IT-Lösungen genau so funktionieren, wie sie bestellt waren. Dafür brauchte es nicht nur gutes Test-Know-how, sondern auch ein starkes gemeinsames Verständnis der Abläufe – hier kamen Modelle ins Spiel.
Oliver beschreibt, wie das Wissen meist auf mehrere Gruppen verteilt ist. Der Fachbereich kennt die Prozesse, die Tester wissen, wie man prüft, und die Entwickler setzen es technisch um. Das Modell half, diese Gruppen in Workshops zusammenzubringen. Sie fingen oben auf einer hohen Abstraktionsebene an, gliederten schrittweise weitere Details ein und visualisierten gemeinsam Abläufe. Fragen wie “Was passiert jetzt?” oder “Was kommt danach?” führten die Teilnehmer strukturiert durch die Anforderungen.
Kommunikation auf Augenhöhe
Marvin betont, dass Modelle wie eine einfache Sprache wirken. Statt dass endlose Textwüsten für Verwirrung sorgen, entstehen Diagramme, die jeder versteht. Das macht Abstimmungen viel effizienter. Im Workshop kann jeder mitreden, auf etwas im Modell zeigen, eine Lücke erkennen oder schnell nachvollziehen, wo ein Fehler steckt.
Die Diskussionen bewegen sich dabei nicht mehr in Kleinigkeiten oder Technikdetails. Sie konzentrieren sich auf das große Ganze und die wichtigen Fragen, die den höchsten Nutzen für das Unternehmen haben. Das steigert die Qualität der Ergebnisse und spart Zeit.
Vorteile für den Testprozess
Einer der größten Vorteile ist die einfache Ableitung von Testfällen. Sobald das Modell steht, kann das Team per Knopfdruck Tests generieren. Das beschleunigt die Erstellung massiv und reduziert Fehler. Die Testfälle sind nachvollziehbar, weil sie direkt aus dem abgestimmten Modell stammen.
Die Modelle helfen auch, wenn sich Anforderungen im Nachhinein ändern. Marvin schildert, wie durch die Visualisierung klar wird, welche Bereiche betroffen sind. Das erlaubt schnellen Abgleich zwischen neuen Anforderungen und bestehenden Tests. Die Pflege großer Testmengen, die sonst viel Zeit kostet, wird überschaubarer und gezielter.
Kultureller Wandel
Oliver hebt noch einen weiteren Effekt hervor: Transparenz und Vertrauen wachsen. Das Modell ist für alle verständlich, Stakeholder fühlen sich eingebunden. Testaufgaben werden nicht mehr hinter verschlossenen Türen erledigt, sondern offen kommuniziert und geprüft. Auch neue Teammitglieder können sich schnell einarbeiten.
Fallstricke und Tipps aus der Erfahrung Nicht alles läuft von Anfang an reibungslos. Gute Tests brauchen gute Anforderungen. Hier hilft das Modell, Lücken frühzeitig zu entdecken. Teams sollten die Modelle möglichst einfach halten und regelmäßig mit neuen Personen testen, ob sie verständlich sind.
Marvin und Oliver raten, einfach anzufangen und auszuprobieren. Anfangs sind Fehler normal, aber der Lerneffekt ist groß. Wichtig ist es, im Team zu bleiben, regelmäßig zu prüfen, offen zu kommunizieren und sich Hilfe in der Community zu holen, wenn nötig.
Modellbasiertes Testen ist mehr als nur eine neue Methode im Werkzeugkasten. Es ist ein Ansatz, der Teams zusammenbringt, für Klarheit sorgt und die Qualität von Tests messbar verbessert. Die Erfahrung bei Lufthansa CityLine zeigt: Mit Modellen spricht das ganze Team die gleiche Sprache – und das setzt Energie frei, die wirklich zählt.
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