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Ein Testing-Pionier im Gespräch

Entdecke den Wert eines strukturierten Testansatzes mit einem Pionier des Testens: Andreas Spillner.

4 Min. Lesezeit
Cover für Ein Testing-Pionier im Gespräch

Wer glaubt, Software “austesten” zu können, unterschätzt die Mathematik brutal: Drei Eingabeparameter mit 16 Bit erfordern bei 100.000 Tests pro Sekunde über 89 Jahre Testzeit. Systematisches Software Testing ist deshalb keine Methodenfrage, sondern die einzige realistische Antwort auf exponentielle Komplexität. Die größte Hürde bleibt dabei nicht die Technik, sondern die Fehlerkultur: Solange Tester als Spielverderber gelten statt als Risiko-Detektive, bleibt Qualität Glückssache.

Podcast Episode: Ein Testing-Pionier im Gespräch

Wer kennt ihn nicht? Sein Buch ist ja quasi Pflichtlektüre im Software Testing. Aber es gab auch andere Zeiten. Als Andreas studierte, war Testen von Software nicht nur unüblich, sondern fast schon verpönt. Andreas erkannte aber die Notwendigkeit und vor allem die Wichtigkeit, eine überlegte, strukturierte Herangehensweise an das Testen von Software zu etablieren. “Basiswissen Softwaretest” erschien bereits 2002 und hat bis zur heutigen Auflage nicht an Wichtigkeit eingebüßt. Ich spreche mit Andreas über die vergangenen 30 Jahre des Softwaretestens, mit einigen Anekdoten und viel Erfahrungsreichtum.

„Testen macht nichts kaputt, sondern zeigt auf, wo die Software kaputt ist.” – Andreas Spillner

Andreas Spillner war bis 2017 Professor für Informatik an der Hochschule Bremen. Ab 1991 war er für über 10 Jahre Sprecher der Fachgruppe TAV »Test, Analyse und Verifikation von Software« der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI), die er mit gegründet hat. Im »German Testing Board« e.V. war er von Beginn an bis zum Jahr 2009 engagiert und wurde danach zum Ehrenmitglied berufen. 2007 ist er zum Fellow der GI ernannt worden. Zusammen mit Tilo Linz hat er 2022 den »Deutschen Preis für Software-Qualität« verliehen bekommen. Er ist Mitglied im ASQF-Präsidium. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich Softwaretechnik, Qualitätssicherung und Testen. Er ist Autor bzw. Mitautor von Büchern (z.B. »Basiswissen Softwaretest«, »Lean Testing für C++- Programmierer – Angemessen statt aufwendig testen«) und Themenheften von Zeitschriften. Darüber hinaus hat er eine Vielzahl von Veröffentlichungen in Zeitschriften und Vorträge auf internationalen und nationalen Tagungen, sowie Seminare gehalten.

Highlights der Episode

  • Testen ist nicht destruktiv – es macht Software nicht kaputt, sondern zeigt nur auf, wo sie bereits kaputt ist.
  • Austesten ist unmöglich: Drei 16-Bit-Parameter bei 100.000 Tests/Sekunde brauchen 89,2 Jahre zum Durchlaufen.
  • Die Agilität hat die Mauer zwischen Entwicklung und Test endlich ein Stück weit eingerissen.
  • Entwicklern fehlt oft das Endekriterium: Sie wissen nicht, wann sie ausreichend getestet haben.
  • Der ISTQB-Lehrplan als Buchvorlage war ein Glücksfall – 50 Prozent der Arbeit war bereits erledigt.

Basiswissen Software Test: Wie Andreas Spillner das Testen prägte

Heute spreche ich mit Andreas Spillner, einem Pionier des Softwaretestings in Deutschland, über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Testens. Er teilt seine Erfahrungen und Einblicke in die Entwicklung des Testens und seine Vision für die Zukunft.

Von der Dissertation zur Testing-Community

Andreas promovierte an der Universität Bremen über ein Thema im Bereich des Testens. Sein Engagement für die Qualitätssicherung führte ihn zur Gründung der GI-TAV, mit dem Ziel, einen Austausch innerhalb der deutschen Testing-Community zu etablieren. Diese Initiative war ein wichtiger Schritt, um das Thema Softwaretesting in Deutschland bekannter zu machen.

Das Buch, das alles veränderte

Das Buch ‘Basiswissen Software Test’ entstand zunächst aus dem Wunsch heraus, eine systematische Einführung ins Testen zu bieten und gleichzeitig eine Lücke in der deutschsprachigen Literatur zu schließen. Über zwei Jahrzehnte hinweg hat es sich nicht nur als Standardwerk etabliert, sondern auch Generationen von Testern geprägt. Andreas’ Reise zum Buchautor war geprägt von Zufällen und glücklichen Umständen, doch sein tiefes Verständnis für die Materie spiegelt sich auf jeder Seite wider.

Die Zukunft des Testens

Andreas blickt voraus auf die nächsten 20 Jahre im Bereich des Softwaretestings. Er sieht eine Welt vor sich, in der KI eine größere Rolle spielen wird, aber auch Herausforderungen wie die Notwendigkeit einer besseren Fehlerkultur und einer engeren Zusammenarbeit zwischen Entwicklern und Testern bestehen bleiben. Seine Vision beinhaltet eine stärkere Modularisierung von Softwaresystemen und eine Verschiebung hin zu generativer Programmierung.

Testing ist kein destruktiver Prozess

Eine Sache liegt Andreas besonders am Herzen: Die Auffassung zu ändern, dass Testing ein destruktiver Prozess sei. Stattdessen betont er den konstruktiven Aspekt des Testens – es geht darum, Schwachstellen aufzudecken und dadurch letztendlich zur Verbesserung der Software beizutragen.

Abschiedsgedanken und Ausblick

Am Ende unseres Gesprächs reflektiert Andreas über seine bisherigen Errungenschaften und was noch vor ihm liegt. Er teilt seine Hoffnungen für den Bereich des Softwaretestings und ruft alle Entwickler dazu auf, sich dem systematischen Testen mit Offenheit zu widmen. Ein besonderer Dank gilt Andreas für sein Engagement, seine Leidenschaft und seinen Beitrag zur Testing-Community in Deutschland.

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