Typisch Tester? VIelfältiger als man denkt
Erfahre, wie Diversität IT-Teams im Softwaretesten bereichert und Stereotypen herausfordert, um innovative Lösungen zu fördern. Testdaten sind entscheidend.

Nur 6 % aller Tester entsprechen dem Klischee vom introvertierten IT-Nerd – der Rest hat Hintergründe in Kunst, Geisteswissenschaften oder komplett fachfremden Bereichen. Eine aktuelle Studie zeigt: Diese Vielfalt ist kein Zufall, sondern systemrelevant für erfolgreiche Testarbeit. Doch Recruiting-Datenbanken und Personalabteilungen halten noch immer an Stereotypen fest, die genau die falschen Kandidaten ansprechen und die richtigen abschrecken.
Podcast Episode: Typisch Tester? VIelfältiger als man denkt
In dieser Episode spreche ich mit Isabel Evans über ihre Forschung im Bereich Software Test Stereotypen. Isabel, die 2017 mit ihrer Forschung begonnen hat, spricht über ihre Arbeit zur Bekämpfung von Stereotypen beim Softwaretesten. Ihre Umfrage in der Branche zeigt, dass Tester aus verschiedensten Bereichen kommen, wie z. B. Theaterwissenschaften und Kunst, was gängigen IT-Stereotypen widerspricht. Und gerade im Testen ist diese Vielfalt sehr wichtig um verschiedene Sichten auf Software einzunehmen. Isabels Forschungen zeigen, dass nur 6 % der Tester dem traditionellen IT-Stereotyp entsprechen.
“When I did it with my sample of testers, it was only 6% of them that met that stereotype, and in fact, when you looked at things like the number of people who had arts-related hobbies, it was enormous.” - Isabel Evans
Nach über 30 Jahren in der Industrie ist die Softwarequalitäts- und Testpraktikerin Isabel Evans jetzt Doktorandin an der Universität von Malta. In ihrer Forschung verfolgt sie einen auf den Menschen ausgerichteten Ansatz bei der Entwicklung von Testwerkzeugen. Dies ergab sich aus realen Erfahrungen in der Industrie und führte zu den akademischen Arbeiten: „Stuck in Limbo with Magical Solutions“, ‚Scared, Frustrated and Quietly Proud‘, und “Test tools: An illusion of usability“. Die Forschung wird mit der Modellierung und Erprobung eines Rahmens von Heuristiken fortgesetzt, um Teams bei der Entwicklung und Bewertung von Testtools zu unterstützen. Isabel ist Autorin des Buches „Achieving Software Quality Through Teamwork“ und hatte den Vorsitz bei EuroSTAR (2019) und HUSTEF (2018) inne. Ihr Tutorials und Storytelling Keynotes sind auf Konferenzen weltweit sehr beliebt. Sie ist Fellow der British Computer Society und wurde 2017 mit dem EuroSTAR Testing Excellence Award ausgezeichnet.
Highlights der Episode
- Nur 6 % der Tester entsprechen dem IT-Klischee – die meisten sind vielfältig und kreativ.
- Tester kommen aus Bootsbau, Theater, Stadtplanung – nicht nur aus der Informatik.
- Geisteswissenschaftler schreiben lesbare Essays, IT-Absolventen technische, unstrukturierte Listen – beide werden gebraucht.
- Recruiting-Datenbanken filtern nach Klischees und schließen 94 % potenzieller Talente aus.
- Tools mit hübscher Oberfläche täuschen Usability vor – echte Bedienbarkeit zeigt sich im Workflow.
Stereotypen im Softwaretest brechen
In diesem Blogbeitrag werden die wichtigsten Erkenntnisse aus Isabel Evans Forschung zusammengefasst.
Die Vielfalt des Softwaretestens verstehen
Die Forschungsreise
Isabels Forschungsreise begann mit einem Fokus auf die Erfahrungen der Tester mit verschiedenen Tools. Als sie jedoch Daten sammelte, wurde ihr klar, dass sie ihre Hypothese verfeinern musste. Dieser iterative Prozess führte sie dazu, eine umfassendere Frage zu untersuchen: Wer ist eigentlich am Testen beteiligt?
Die wichtigsten Ergebnisse:
- Vielfältige Hintergründe: Die Testerinnen und Tester kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen, wie Bootsbau, Theaterwissenschaften, internationale Beziehungen, Stadtplanung und Kunst.
- Stereotypen herausfordern: Das gängige Klischee, dass Tester/innen eine homogene Gruppe mit eng gefassten Interessen sind, trifft bei weitem nicht zu.
Die Branchenumfrage
Isabel führte eine Branchenumfrage durch, die über Online-Netzwerke und Konferenzen verbreitet wurde. Ziel dieser Umfrage war es, nicht nur Daten über Testpraktiken und -werkzeuge zu sammeln, sondern auch über die persönlichen Hintergründe und Hobbys der Tester/innen.
Umfrage-Einblicke:
- Persönliche Hintergründe: Die Tester/innen haben unterschiedliche persönliche Hintergründe, die zu einer reichhaltigeren und innovativeren Testumgebung beitragen.
- Hobbys und Interessen: Viele Tester/innen gehen kreativen Beschäftigungen nach, wie z.B. Musik machen, singen und komponieren.
Die Bedeutung von Vielfalt und Inklusion
Stereotypen abbauen
Isabel bezieht sich auf einen Artikel von McChesney, der die Diskrepanz zwischen dem Stereotyp eines IT-Fachmanns und der tatsächlichen Demografie der Beschäftigten in der Branche untersucht hat. Das Klischee stellt IT-Fachleute oft als sozial zurückgezogen und uninteressiert an der Kunst dar. McChesneys Untersuchung ergab jedoch, dass nur ein kleiner Prozentsatz der IT-Fachkräfte diesem Klischee entspricht.
Anwendung im Software-Test:
- Nur 6% entsprechen dem Stereotyp: Als Isabel McChesney’s Modell auf ihre Daten anwandte, stellte sie fest, dass nur 6% der Tester/innen dem traditionellen Stereotyp eines IT-Profis entsprachen.
- Aktives Engagement in der Kunst: Eine beträchtliche Anzahl von Testerinnen und Testern gab an, kunstbezogene Hobbys zu haben, und widerlegte damit die Annahme, dass IT-Fachleute keine vielfältigen Interessen haben.
Die Auswirkungen auf die Einstellungspraktiken
Das Gespräch verdeutlicht, wie Einstellungspraktiken unbeabsichtigt den Pool von Bewerbern einschränken können, indem sie Stereotypen verstärken. Indem die Tech-Branche diese Stereotypen erkennt und anspricht, kann sie einen inklusiveren Ansatz bei der Rekrutierung und Karriereentwicklung fördern.
Umsetzbare Ratschläge:
- Erweitere die Einstellungskriterien: Sieh über die traditionellen Qualifikationen hinaus und berücksichtige Kandidaten mit unterschiedlichen Hintergründen und Interessen.
- Förderung der Inklusion: Schaffe ein integratives Arbeitsumfeld, das unterschiedliche Perspektiven schätzt und unterstützt.
Vielfalt für Innovation nutzen
Die Vorteile eines heterogenen Prüfteams
Vielfalt in Softwaretestteams führt zu innovativeren und effektiveren Lösungen. Tester/innen mit unterschiedlichem Hintergrund bringen einzigartige Perspektiven und Problemlösungsansätze ein und verbessern so die Gesamtqualität des Softwaretestens.
Wichtige Vorteile:
- Gesteigerte Kreativität: In heterogenen Teams ist es wahrscheinlicher, dass sie kreative Lösungen für komplexe Probleme finden.
- Bessere Problemlösung: Unterschiedliche Perspektiven führen zu umfassenderen Problemlösungsstrategien.
Praktische Schritte zur Förderung der Vielfalt
Um die Vielfalt beim Softwaretesten zu fördern, können Unternehmen mehrere praktische Schritte unternehmen:
Empfehlungen:
- Inklusive Einstellungspraktiken: Implementiere eine Einstellungspraxis, die Vielfalt und Inklusion in den Vordergrund stellt.
- Unterstützung für unterschiedliche Interessen: Ermutige und unterstütze die unterschiedlichen Interessen und Hobbys der Beschäftigten und erkenne ihren Wert für die Förderung von Kreativität und Innovation an.
- Fortlaufende Bildung und Schulung: Biete kontinuierliche Schulungen und Trainings zur Bedeutung von Vielfalt und Inklusion am Arbeitsplatz an.
Fazit
Durch das Hinterfragen von Stereotypen und die Berücksichtigung der unterschiedlichen Hintergründe und Interessen von Testerinnen und Testern können Unternehmen ein innovativeres und effektiveres Umfeld für Softwaretests schaffen. Isabels Forschung unterstreicht die Notwendigkeit eines inklusiveren Ansatzes bei der Rekrutierung und Karriereentwicklung, der letztlich das Feld des Softwaretestens und darüber hinaus bereichert.
Durch die Umsetzung der in diesem Blogbeitrag besprochenen Ratschläge und Empfehlungen können Unternehmen sinnvolle Schritte zur Förderung eines vielfältigeren und inklusiveren Arbeitsplatzes unternehmen, was zu besseren Ergebnissen und einer lebendigeren Tech-Community führt.
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