Zum Inhalt springen

Suchen...

Kinderbuch zum Softwaretest: Ritter gegen Fehler-Drachen

Ein Kinderbuch erklärt Softwaretesten mit Drachen und Rittern und begeistert damit Kinder. Eine Zwölfjährige will genau das später machen.

• • Aktualisiert: • 7 Min. Lesezeit
Cover zum Expertengespräch über 'Kinderbuch zum Softwaretest: Ritter gegen Fehler-Drachen' mit Kari Kakkonen und Richard Seidl.

Das Kinderbuch Dragons Out erklärt Softwaretesten mit einer Fantasiegeschichte: Drachen sind Fehlerzustände, Ritter sind Tester, und daraus entsteht eine durchgehende Analogie zu den Konzepten der Softwarequalität. Jedes Kapitel behandelt ein anderes Qualitätsmerkmal, etwa Funktionalität, Performance, Gebrauchstauglichkeit oder IT-Sicherheit. Textkästen übersetzen das Geschehen der Geschichte in Begriffe aus dem Testen. Das Buch richtet sich an Leserinnen und Leser von neun bis neunundneunzig.

Das Wichtigste in Kürze

  • Drachen als Fehlerzustände und Ritter als Tester sind die zentrale Analogie des Buchs. Jede Figur, vom Dorfbewohner bis zum Adel, steht für eine Rolle in der Softwarequalität.
  • Das Buch geht Kapitel für Kapitel die Qualitätsmerkmale durch und nutzt Cem Kaners Fehlertaxonomie als Checkliste, damit keine Art von Fehlerzustand fehlt.
  • Vier Feedbackrunden mit Kindern, Lehrkräften, Testfachleuten und Erwachsenen ohne IT-Hintergrund haben die Geschichte geformt, in jeder Runde mit neuen Lesern, damit die Reaktionen unvoreingenommen bleiben.
  • Das Buch ging als Spende an rund fünfzig Schulen in Finnland, und ISTQB-Boards in anderen Ländern haben parallel eigene Spendenaktionen für Schulen in ihrer Region gestartet.
  • Ein geplanter zweiter Band soll Testverfahren, Heuristiken, Testautomatisierung und KI behandeln und damit über die Qualitätsmerkmale des ersten Buchs hinausgehen.

Warum Softwaretesten ein eigenes Kinderbuch braucht

Für Testprofis gibt es Bücher über Softwaretests in Hülle und Fülle, für Kinder so gut wie keins. Diese Lücke wollte Kari Kakkonen mit einem Kinderbuch schließen. Es erklärt Softwaretesten in einer Fantasiewelt, in der Drachen für Fehlerzustände stehen und Ritter für Tester und Entwickler.

Der Grund ist schnell erklärt: Programmieren steht auf dem Lehrplan, Testen kaum. In Finnland zum Beispiel schreibt der staatliche Lehrplan vor, dass Programmieren von der Grundschule bis zur Oberstufe unterrichtet wird. Testen gehört nicht dazu.

Kari sah darin eine Chance. Wer akzeptiert, dass Software nicht nur geschrieben, sondern auch getestet werden muss, muss das Testen genauso ernst nehmen wie das Programmieren. Eine Geschichte für Kinder bringt diese Idee in Klassenzimmer, in denen sie sonst nie vorkäme.

Wofür Drachen und Ritter im Kinderbuch stehen

Die zentrale Analogie: Drachen sind Fehlerzustände, und Ritter sind die Menschen, die sie aufspüren oder zähmen. Um diese eine Zuordnung herum hat Kari eine ganze Fantasiewelt gebaut, in der jedes Element etwas aus der Welt des Testens verkörpert.

Die Idee hat er getestet, bevor er sich festlegte. Drachen als die Guten oder die Bösen kamen nicht an, als er es Kindern mündlich erzählte. Drachen als Fehlerzustände dagegen schon. Danach ergab sich der Rest fast von selbst: verschiedene Drachen für verschiedene Arten von Fehlerzuständen, verschiedene Ritter für Tester mit unterschiedlichen Fähigkeiten, dazu Dorfbewohner, Herren und Damen, die alle ihren Teil zur Qualität beitragen.

Das Buch lässt sich direkt auf die ISTQB-Welt abbilden. Alles, was man in der Geschichte sieht, steht für ein echtes Konzept aus dem Testen. Damit ist die Fantasiewelt mehr als Dekoration. Sie ist eine Lehrstruktur.

Was die Handlung leistet

Zwei Kinder, ein Mädchen und ein Junge, tragen die Erzählung. Sie merken, dass seltsame Dinge passieren, begegnen Drachen und treffen einen Ritter. Ihre Begeisterung wächst, und sie beschließen mitzuhelfen: Drachen aufspüren und loswerden oder sich sogar mit ihnen anfreunden, damit sie keinen Schaden anrichten.

Die beiden Kinder sind die ganze Geschichte über dabei. Diese Kontinuität war eine bewusste Korrektur. Im ersten Entwurf standen die Kapitel stärker für sich, und einige mussten umgeschrieben werden, damit dieselben zwei Figuren den Leser vom Anfang bis zum Ende begleiten.

Etwa einmal pro Seite unterbricht ein Textkasten die Geschichte und erklärt, was gerade passiert ist. Ein grüner Drache entpuppt sich als Fehlerzustand in der Gebrauchstauglichkeit, und ein Ritter mit passenden Fähigkeiten kümmert sich darum. Der Mechanismus wird so klar erklärt, dass auch junge Leser die Lektion hinter der Szene verstehen.

Dragons Out ist nach Qualitätsmerkmalen gegliedert

Jedes Kapitel widmet sich einem anderen Qualitätsmerkmal oder einer anderen Art von Fehlerzustand. Es gibt ein Kapitel zur Funktionalität, eines zur Performance, eines zur Gebrauchstauglichkeit, eines zur IT-Sicherheit und so weiter.

Als Checkliste diente Kari die Fehlertaxonomie von Cem Kaner. Er ging die Kategorien nacheinander durch und prüfte, ob jede abgedeckt war, bevor er mit dem nächsten Kapitel weitermachte. Die meisten Fehlerzustände aus dieser Klassifikation haben es ins Buch geschafft.

Manche Themen fehlen mit Absicht. Testautomatisierung und KI werden nur angedeutet, nicht ausführlich erklärt. Dieser Platz ist für eine Fortsetzung reserviert.

Warum ein Kinderbuch auch für Testfachleute interessant ist

Das Buch passt für alle von neun bis neunundneunzig, und Erwachsene gehören ausdrücklich zur Zielgruppe. Eltern lesen es vor, um ihren Kindern das Testen zu erklären. Lehrkräfte nutzen es, um IT, Programmieren und Testen in den Unterricht zu bringen. Testfachleute lesen es für sich selbst.

Für sie steckt der Reiz in dem, was nicht ausgesprochen wird. Kari hat die Analogie bewusst weiter getrieben, als die Textkästen erklären, und kleine Zusammenhänge offen gelassen, die man selbst entdecken kann.

“Da ist ein schwarzer Drache. Ich erkläre nicht, warum der Drache schwarz ist. Du kannst also versuchen, die Analogie zu finden und dir überlegen, warum er schwarz ist.”

(Kari Kakkonen)

Genau diese offene Frage ist die Übung. Wer das Fach schon kennt, liest dieselbe Geschichte wie ein Kind und entschlüsselt die Ebene darunter.

Wie Feedbackrunden das Buch geformt haben

Kari hat das Buch geschrieben, wie ein Tester es aufbauen würde: in Runden und jedes Mal mit frischen Lesern. Vier Feedbackrunden gab es, zum ersten Kapitel, zu einem Drittel des Buchs, zu zwei Dritteln und zum ganzen Manuskript.

Entscheidend war, für jede Runde eine neue Person dazuzuholen.

“Das ist wie Tissue Testing heutzutage. Man braucht immer eine neue Person, um dieselben Ideen auszuprobieren.”

(Kari Kakkonen)

Die Rückmeldungen kamen von einer bunten Mischung: Lehrkräfte, Testfachleute, Menschen ohne IT-Bezug und Kinder unterschiedlichen Alters. Das Feedback bestätigte die Richtung und führte zu konkreten Änderungen. Die größte war der Umbau auf eine einzige durchgehende Handlung.

Kinder geben ehrliches Feedback, manchmal ziemlich direkt. Der eine findet eine Stelle langweilig, die andere ist begeistert. Auf einer Buchmesse sah sich ein etwa zwölfjähriges Mädchen die Rückseite an, blätterte ein bisschen und sagte ihrer Mutter, sie wolle das Buch kaufen: Es sehe so interessant aus, dass sie Testerin werden wolle. Ein starker erster Eindruck nach ein paar Minuten mit dem Umschlag.

Wie das Kinderbuch per Spende in die Schulen kam

Dragons Out gibt es in fünf Sprachen: Finnisch, Englisch, Französisch, Deutsch und Polnisch. Die englische und die finnische Ausgabe erschienen ungefähr gleichzeitig, und genau dieses Timing hat den Weg in die Schulen geebnet.

Parallel zur englischen Veröffentlichung startete Kari eine Spendenaktion. Unternehmen und Verbände, darunter viele ISTQB-Boards, bestellten Bücher vorab, die dann an Schulen vor Ort gingen, sobald die Ausgaben erschienen waren.

In Finnland übernahm er die Verteilung selbst und spendete Bücher an rund fünfzig Schulen. In anderen Ländern machten die ISTQB-Boards dasselbe für Schulen in ihrer Region. Den Höhepunkt erreichte die Aktion, als er der Spitze des finnischen Bildungsministeriums eine Spendenurkunde und ein Exemplar des Buchs überreichte.

Was ein zweiter Band ergänzen würde

Ein Folgeband würde über die Arten von Fehlerzuständen hinausgehen und Testverfahren und Heuristiken behandeln. Das aktuelle Buch erklärt vor allem Testarten: ein Qualitätsmerkmal und die Testart, die dazugehört. Der nächste Schritt ist das Wie.

Ein Kapitel über Verfahren für Sicherheitstests wäre so ein Beispiel. Es würde zeigen, wie man Sicherheitsfehler tatsächlich findet, statt nur die Kategorie zu benennen. Daneben nennt Kari Testautomatisierung und KI als Themen, die er sich für später aufgehoben hat.

Auch der Zeichenstil wurde mit Blick auf diese Zukunft gewählt. Kari beauftragte einen Illustrator und arbeitete sich über mehrere Entwürfe zu einem schlichten, klaren Look für die Drachen vor. Die Figuren sollen später auch als 3D-Modelle in einem Film oder Zeichentrickfilm funktionieren, falls das Buch Erfolg hat. Schlicht mit Absicht, nicht aus Zufall.

Diese Seite teilen

Ähnliche Beiträge