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Software Quality Days

15 Jahre, ein Scientific Track mit Springer-Publikation und Speed Dating: Was die Software Quality Days von anderen Testing-Konferenzen unterscheidet.

6 Min. Lesezeit
Cover für Software Quality Days

Die Software Quality Days sind eine jährliche Fachkonferenz für Softwarequalität und Testing im deutschsprachigen Raum, die seit 2009 in Wien stattfindet. Sie verbindet Praxisvorträge mit einem wissenschaftlichen Track, dessen Papers im Springer Verlag publiziert werden. Heuer findet die Konferenz zum 15. Mal statt, mit rund 400 erwarteten Teilnehmern und erstmals einem zusätzlichen Online-Tag.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Software Quality Days finden seit 2009 statt und wachsen jährlich moderat auf aktuell rund 350 bis knapp 400 Teilnehmer, unterbrochen nur durch die Corona-Pandemie.
  • Ein wissenschaftlicher Track mit Einreichungen aus aller Welt, der im Springer Verlag publiziert wird, unterscheidet die Konferenz von allen anderen Testing-Konferenzen im deutschsprachigen Raum.
  • Längere Pausen und ein Business Speed Dating als eigener Konferenz-Slot sind bewusste Formate, um persönliches Networking über den fachlichen Austausch zu stellen.
  • Das hohe Einreichungsvolumen zu KI-Themen führte dazu, dass ein kompletter Online-Track zu Artificial Intelligence im Qualitätssicherungs- und Testumfeld erstmalig einen Tag vor der Präsenzkonferenz stattfindet.
  • Das Wechselmodell Wien und München entstand, weil die Mehrheit der Nicht-Österreicher aus Deutschland kam und ein erster München-Test sowohl bei Teilnehmerzahlen als auch bei Ausstellern auf Anhieb erfolgreich war.

Warum eine Fachkonferenz auf Präsenz setzt, nicht auf Online

Eine Fachkonferenz lebt vom persönlichen Austausch, nicht von der reinen Wissensvermittlung. Fachliche Inhalte zu einem bestimmten Thema findest du heute auch auf YouTube oder anderen Plattformen. Was du dort nicht bekommst, ist der direkte Kontakt zu Menschen aus derselben Disziplin.

Die Software Quality Days sind diesem Prinzip über ihre gesamte Laufzeit treu geblieben. Auch während der Corona-Zeit, als die Frage nach einem Online-Format im Raum stand, blieb die Veranstaltung eine Präsenzkonferenz. Begründung: Networking hat in der direkten Begegnung einen anderen Stellenwert und einen anderen Charakter.

Dieser Fokus zeigt sich bis ins Detail der Ablaufplanung. Die Pausen sind bewusst länger angesetzt als bei vielen anderen Konferenzen. So entsteht Zeit für Gespräche, statt von einem Track in den nächsten zu sprinten.

Wie aus vielen kleinen Networking-Events eine zentrale Konferenz wurde

Die Software Quality Days entstanden aus einer Lücke im österreichischen Markt. Um 2008 und 2009 gab es viele kleine Networking-Veranstaltungen von Vereinen und Firmen, jede mit Spezialthemen und 20 bis 50 Teilnehmern. Eine größere, zentrale Veranstaltung mit Fachkonferenzcharakter, die mehrere dieser Themen bündelt, fehlte.

Johannes Bergsmann, selbst in vielen dieser Vereinigungen aktiv, startete die Konferenz gemeinsam mit ein paar Partnern. Der erste Durchlauf brachte gleich über 200 Teilnehmer. Seit 2009 findet die Konferenz statt, 2024 zum 15. Mal.

Das Wachstum verlief seitdem moderat und organisch, einzig durch Corona kurz eingebremst. Heute liegt die Teilnehmerzahl bei rund 350, für die nächste Ausgabe rechnen die Veranstalter mit knapp 400.

Der Scientific Track als Alleinstellungsmerkmal

Der wissenschaftliche Track ist das Merkmal, das die Software Quality Days von anderen Konferenzen im deutschsprachigen Raum abhebt. Von Anfang an arbeiteten die Veranstalter mit Universitäten zusammen und betreiben mindestens einen Track mit wissenschaftlichen Vorträgen, die tief in die Materie gehen.

Die akademischen Partner sind die Uni Wien und die Uni Linz, dazu die Hochschule in München, seit die Konferenz auch dort stattfand. Diese Partner bringen weltweite Netzwerke im wissenschaftlichen Umfeld mit, der Call for Papers für den Scientific Track wird international ausgeschrieben. Entsprechend reisen Studierende aus aller Welt an.

Ein weiteres Qualitätssignal: Die Konferenzproceedings werden im Springer Verlag publiziert. Dort wird nicht alles angenommen, sondern nur hochqualitative Papers. Das hebt die Latte für Einreichungen im wissenschaftlichen Bereich.

Wie der Call for Papers bei den Software Quality Days abläuft

Der Call for Papers startet etwa ein halbes Jahr vor der Frühjahrskonferenz, also im Herbst um September und Oktober. Danach bleiben rund eineinhalb bis zwei Monate, in denen Papers eingereicht werden können.

Es gibt zwei parallele Stränge. Der Practical Track läuft über das reguläre Einreichverfahren. Der Scientific Track wird über ein eigenes Einreichsystem der Universitäten abgewickelt, das wissenschaftlichen Standards genügen muss und mehr an Inhalten verlangt. Ein Komitee bewertet die wissenschaftlichen Beiträge.

Eine breite Ausschreibung ist Teil der Philosophie. Statt nur bekannte Sprecher anzufragen, soll ein breites Spektrum hereinkommen und damit eine echte Auswahl an Vorträgen. Davon lebt eine Konferenz.

Was die Keynotes anders machen

Die Software Quality Days setzen am Ende bewusst auf eine Keynote ohne fachlichen Fokus. Die Idee dahinter: Die Teilnehmer sollen etwas mitnehmen, das über reinen Fachinput hinausgeht und für sie persönlich Wert hat.

Der Aufbau über die zwei Konferenztage folgt einem Muster. Am ersten Tag steht typischerweise ein bekannter Speaker aus der praktischen Community, am zweiten Tag eine wissenschaftliche Keynote, gehalten von einer Professorin oder einem Professor. Den Abschluss bildet dann der persönliche Impuls.

Als Schluss-Speaker waren bereits Kabarettisten, Persönlichkeitstrainer und Motivationstrainer dabei. Dieses Format kommt regelmäßig gut an, weil es den Teilnehmern am Ende etwas für sich selbst mitgibt.

Networking gezielt fördern: Speed Dating und längere Pausen

Networking ist bei den Software Quality Days kein Nebenprodukt, sondern eingeplant. Am Abend gibt es ein Networking-Event mit Buffet und Verpflegung, bei dem der Tag locker ausklingt.

Als Format kommt ein Business Speed Dating dazu, kein eigener Track, sondern ein Slot von gut einer Stunde. In einem Takt von fünf bis zehn Minuten wechseln die Teilnehmer von Tisch zu Tisch und kommen so mit dem jeweils Nächsten ins Gespräch. In dieser Runde lassen sich acht bis zehn Kontakte sammeln, teils mehr.

Der Wunsch nach persönlichen Kontakten hat seit Corona an Gewicht gewonnen. Wer sich vernetzen will, findet hier einen klaren Rahmen dafür, statt nur zwischen Vorträgen zu hetzen.

Das Experiment München: ein Standortwechsel im Wechseltakt

Der Standortwechsel nach München war ein bewusstes Experiment, das aufging. Über mehr als ein Jahrzehnt fand die Konferenz in Wien statt, zog aber zunehmend Besucher aus Deutschland an. Aussteller und Teilnehmer aus Deutschland fragten wiederholt nach einer Ausgabe vor Ort.

Gemeinsam mit einem Partner in München wagten die Veranstalter den Versuch. Das Ergebnis: so viele Aussteller wie nie zuvor und Teilnehmerzahlen auf dem gewohnten Wiener Niveau. Auch die Organisation im Hotel klappte auf Anhieb.

Aus dem geglückten Versuch ist ein Plan geworden. Die Konferenz soll künftig im Wechsel stattfinden, einmal München, einmal Wien.

Online-Tag und ein kompletter KI-Track als Reaktion auf die Einreichungen

Erstmals gibt es einen Online-Tag, einen Tag vor der Präsenzkonferenz. Der Grund ist praktischer Natur: Es gingen so viele Einreichungen ein, dass sie sich in den zwei Präsenztagen nicht mehr unterbringen ließen. Die Location war nur für zwei Tage reserviert, eine Verlängerung auf drei Präsenztage war nicht möglich.

Der Online-Tag umfasst zwei Tracks. Einer davon dreht sich vollständig um Artificial Intelligence im Umfeld von Qualitätssicherung, Testen und Entwicklungsprozess. Die Zahl der Einreichungen zu diesem Thema war auffällig hoch, was die Entscheidung für einen eigenen KI-Track ausgelöst hat.

Das deckt sich mit einer breiteren Beobachtung aus der Praxis: Egal über welches Thema ein Vortrag gehalten wird, die Fragen drehen sich am Ende oft Richtung KI. Das Thema brennt vielen unter den Nägeln.

Fachliche Inhalte kann man sich wahrscheinlich irgendwo auch auf YouTube oder anderen Plattformen anschauen, wenn man zu einem bestimmten Thema speziell etwas sucht. Dieser Charakter des persönlichen Treffens und Austausches, das bekomme ich nur auf einer persönlichen Konferenz. — Johannes Bergsmann

Wohin die Konferenz steuert

Ein offenes Ziel ist die Marke von über 500 Teilnehmern. Bei anhaltend moderatem Wachstum rückt dieser Meilenstein in Reichweite.

Bei den Vorträgen ist die Basis solide. Qualität und Anzahl der Einreichungen stimmen, ebenso die Bandbreite der Speaker. Genau diese Mischung aus breiter Ausschreibung und sorgfältiger Auswahl trägt eine Fachkonferenz über die Jahre.

Die nächste Ausgabe findet am 24. und 25. April in Wien statt, mit vorgeschaltetem Online-Tag.

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