Was Eltern im Alltag trainieren, hilft direkt im QA-Management. Žaklina Polak Matanović hat drei Töchter großgezogen, bevor sie ins Testen und ins Testmanagement zurückkehrte, und sieht drei Kompetenzen, die sich überschneiden: klare Zuständigkeit (benennen, wer eine Aufgabe übernimmt, so wie Eltern ein bestimmtes Kind ansprechen), Priorisierung unter Druck (zuerst das größte Risiko angehen) und inklusive Kommunikation (den leisen Stimmen neben den lauten Raum geben). Geduld und vorausschauendes Denken kommen dazu.
Das Wichtigste in Kürze
- Wer Aufgaben namentlich zuweist, bekommt sie erledigt. Bei unklarer Zuständigkeit bleiben Tickets auf unbestimmte Zeit im Backlog liegen, zu Hause genauso wie im Projektteam.
- Zwei Kleinkinder auf dem Spielplatz sind Priorisierung in Echtzeit: erst das Kind in größerer Gefahr schützen, dann das nächste Risiko. Genau so funktioniert Triage unter Release-Druck.
- Wer bei voller Liste Kolleginnen oder Kollegen um Hilfe bittet, zeigt keine Schwäche. Verteilte Verantwortung macht die Arbeit für alle überschaubar, so wie der Nachbar, der auf dem Spielplatz kurz mit aufpasst.
- Stille Teammitglieder kommen nie zu Wort, wenn immer nur die Aktiven reden. Eine Testleitung sorgt dafür, dass jede Stimme Platz bekommt, nicht nur die lauteste.
Familienzeit als Trainingsfeld für QA-Management
Wer Kinder großzieht, übt genau die Fähigkeiten, die im QA-Management zählen. Žaklina Polak Matanović war jahrelang mit drei Töchtern zu Hause, bevor sie ins Testen und ins Testmanagement einstieg. Die Parallelen zwischen beiden Welten waren viel enger, als sie gedacht hatte.
Wenn du zu Hause überlegst, was es heute zu essen gibt und welcher Spielplatz dran ist, kann es sich anfühlen, als würde die Arbeitswelt an dir vorbeiziehen. Genau diesen Zweifel beschreibt Žaklina: Die anderen machen Karriere, und sie selbst geht unter. Als sie zurückkam, sah die Sache anders aus.
Die Zeit zu Hause war nicht verloren. Was sie dort gelernt hatte, war ihr in Fleisch und Blut übergegangen, und sie fand es beim Testen, in der Teamarbeit und in der Führung wieder. Elternschaft ist dabei kein Wohlfühlthema. Der Familienalltag trainiert schlicht dieselben Kompetenzen, von denen gute Qualitätsarbeit lebt.
Warum vage Bitten zu Hause und im Bugtracker scheitern
Eine unklare Ansage bewirkt nichts. Bei drei Kindern im Haus bringt “Heb das bitte auf” gar nichts. Das Kind, das die Sache fallen gelassen hat, ist im anderen Zimmer oder hat ein Headset auf, und ein allgemeiner Appell erreicht niemanden.
Wer etwas erreichen will, muss konkret werden und die Zuständigkeit festlegen. Žaklina findet heraus, wer das Chaos hinterlassen hat, und bittet genau dieses Kind, aufzuräumen. Die vage Bitte verhallt, die namentliche wird erledigt.
Bei einem Bug-Ticket ist es nicht anders. Was für dich offensichtlich ist, ist es für die Person am anderen Ende nicht. Wenn du annimmst, dass die Entwicklerin schon weiß, in welcher Umgebung der Fehler aufgetreten ist oder welche Version lief, irrst du dich.
Ein Ticket ohne Verantwortlichen kann ewig im Backlog liegen. Unklarheit lähmt. Ein paar engagierte Kollegen greifen trotzdem zu, aber auf diese Hoffnung kannst du keinen Prozess bauen. Wenn etwas erledigt werden soll, nenn den Verantwortlichen und schreib die Details dazu.
Dahinter steht eine größere Verschiebung. Wenn alle für Qualität verantwortlich sind, weiß irgendwann niemand mehr genau, wer was tut. Klar zu sagen, dass diese Person diese Aufgabe übernimmt, ist eine echte Fähigkeit und keine Formalie.
Priorisieren heißt entscheiden, was du zuerst rettest
Unter Druck kümmerst du dich zuerst um die größte Gefahr und akzeptierst, dass du nicht alles schaffst. Žaklina erklärt das mit einer Szene, die alle Zwillingseltern kennen: Zwei Kleinkinder laufen in entgegengesetzte Richtungen, eines auf eine befahrene Straße zu, das andere zur Schaukel. Du rennst zu dem Kind in größerer Gefahr. Das andere braucht in diesem Moment einfach Glück.
In einer Release-Woche läuft es genauso. Zu viele offene Tickets, unfertige Regressionstests, mehr Arbeit als Zeit. Du behältst das Gesamtbild im Kopf, entscheidest, was am wichtigsten ist, und arbeitest die Aufgaben der Reihe nach ab.
Priorisierung funktioniert nur, wenn sie abgestimmt ist. Gleich deine Liste mit der Person ab, die das Release verantwortet, damit ihr nicht auf unterschiedliche Ziele hinarbeitet. “Diese drei schaffe ich, bei den letzten zwei weiß ich es nicht, mal sehen” ist eine ehrliche Einschätzung und kein Versagen.
Jeder hat Grenzen, und wer sie ausspricht, senkt den Stress, statt ihn zu erhöhen. Sobald das Team weiß, was realistisch ist, kannst du in Ruhe arbeiten und schauen, was der Tag hergibt.
Hilfe holen, bevor die Warteschlange überläuft
Verteilte Verantwortung macht die Arbeit überschaubar. Auf dem Spielplatz hat Žaklina eine Nachbarin oder einen Freund gebeten, kurz auf ein Kind zu achten, während sie sich um das andere kümmerte. Im Job hilft derselbe Reflex: Such dir jemanden, der gerade nicht unter Arbeit begraben ist, und bitte ihn, einen Teil zu übernehmen.
Eltern lernen, einen Schritt voraus zu sein. Sie ahnen, was passieren könnte, und überlegen sich ihre Reaktion, bevor es so weit ist. Diese vorausschauende Haltung, also über die unmittelbare Reaktion hinaus an das Nächste zu denken, passt eins zu eins in ein Lieferprojekt unter Druck.
Diese Fähigkeiten bemerkst du erst im Rückblick
Während du diese Kompetenzen einsetzt, fallen sie dir kaum auf. Žaklina war vor ihrer Pause Softwareentwicklerin und wechselte erst danach ins Testen und ins Testmanagement, auch weil sie das Gefühl hatte, dass sich die Programmiersprachen in der Zwischenzeit weiterentwickelt hatten.
Dass die Familienzeit ihr etwas Brauchbares beigebracht hatte, erkannte sie erst später, mit Abstand. Damals war ihr nichts davon bewusst. Gerade deshalb lohnt es sich, das Thema laut auszusprechen: Wer nach einer Familienzeit in den Beruf zurückkehrt, unterschätzt oft, was er mitbringt.
Die Botschaft an alle in dieser Lage: weniger Angst. Die Erfahrung hat echten Wert, auch wenn sie sich nicht von selbst meldet.
Die Wirkung geht in beide Richtungen
Umgekehrt prägen Testgewohnheiten auch die Erziehung. Žaklina arbeitet sehr genau und stellt eine Frage nach der anderen, eine Eigenschaft, die sie auf ihr Mathematikstudium zurückführt. In ihren Projekten schätzen die Kollegen diese Gründlichkeit und freuen sich über die vielen Fragen, statt davon genervt zu sein.
Diese Liebe zum Detail nimmt sie mit nach Hause. Sie bittet ihre Kinder, auf die Details zu achten, und überträgt so eine berufliche Gewohnheit ins Private. Eine Stärke aus dem einen Lebensbereich stärkt den anderen.
Der Gedanke dahinter ist einfach. Du bist eine Person, nicht ein privates und ein berufliches Ich, die nichts miteinander zu tun haben. Jeder Teil deines Lebens spiegelt sich im anderen. Deine stärksten Fähigkeiten lohnt es sich gezielt auszubauen, die schwächeren bringst du auf ein vernünftiges Niveau.
Geduld und Inklusion machen aus lauten Teams gute Teams
Geduld ist eine übertragbare Kompetenz und keine Charaktermacke. Zuhörerinnen und Zuhörer aus Žaklinas Vortrag brachten eigene Parallelen ein, und einer nannte ausdrücklich die Geduld: Zu Hause sagst du manches einmal, zweimal oder noch öfter. Im Job erwarten viele, dass Kolleginnen und Kollegen beim ersten Mal richtig reagieren, gerade Leute ohne Kinder. Geduld als Kompetenz zu sehen heißt, Unterschiede zu respektieren und allen Raum zu geben. Dann klappt die Zusammenarbeit besser.
Bei Inklusion geht es darum, dass die leise Stimme gehört wird. Ein anderer Elternteil beschrieb drei sehr unterschiedliche Kinder, eines sehr aktiv, eines sehr still. Wer nur zuhört, lässt immer das aktive Kind reden, und das stille kommt nie auf die Bühne.
“Wenn du eine Rolle als Testleiterin oder Testteamleiter hast, dann achte darauf, dass jeder seinen eigenen Platz bekommt.”
(Žaklina Polak Matanović)
Eine Testleitung hat dieselbe Aufgabe. Wer am lautesten mitredet, darf die anderen nicht verdrängen. Schaff Platz für jede und jeden im Team und respektiere alle als ganze Menschen, nicht als Rolle.


