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Rückblick 2024 und Trends 2025

KI wird zum Standard-Werkzeug im Testen, Barrierefreiheit wird Pflicht und Testautomatisierung gewinnt weiter an Fahrt. Was 2025 wirklich zählt.

6 Min. Lesezeit
Cover für Rückblick 2024 und Trends 2025

Software-Testen 2024 steht unter drei dominanten Vorzeichen: der Integration von KI-Werkzeugen in den Testprozess, dem EU-Accessibility-Act als Treiber für Barrierefreiheitstests und dem Cyber Resilience Act als Pflichtrahmen für Sicherheitsprüfungen. KI wird dabei kein Ersatz für menschliche Testerfahrung, sondern ein Hilfsmittel, das gute Tester stärkt und schlechte Ergebnisse schneller produziert.

Das Wichtigste in Kürze

  • KI-gestützte Testwerkzeuge sind heute Standard: Kein nennenswertes Testwerkzeug kommt mehr ohne eingebaute KI-Funktionen für Testfallerstellung, GUI-Automatisierung oder Log-Auswertung aus.
  • Ein guter Tester liefert mit KI bessere Ergebnisse schneller, ein schlechter Tester liefert mit KI schlechtere Ergebnisse noch schneller.
  • Gesetzgebung wie der EU-Accessibility-Act, der Cyber-Resilience-Act und der EU-AI-Act sind die stärksten Treiber dafür, dass Qualitätsprüfung früher in den Entwicklungsprozess eingebaut wird.
  • Low-Code- und No-Code-Testautomatisierung ermöglicht Fachexperten ohne Programmierkenntnisse, Tests selbst zu spezifizieren und durchzuführen, und gewinnt 2025 weiter an Bedeutung.

KI ist im Test angekommen, die Experimentierphase ist vorbei

Künstliche Intelligenz hat sich vom Hype-Thema zum festen Bestandteil der Testarbeit entwickelt. Wer früh im Jahr ein Sprachmodell aufrief, einen Satz eingab und auf vollständige Testfälle und Testdaten hoffte, arbeitet inzwischen nüchterner. Die anfängliche Begeisterung ist einer kritischen Betrachtung gewichen, sowohl beim Testen von KI als auch beim Testen mit KI.

Florian Fieber ordnet die Lage so ein: KI war auf nahezu jeder Konferenz das Metathema, von eigenen Formaten wie den SIQ Info Days bis zur Testing United, die das Thema ausschließlich behandelte. Die zentrale Erkenntnis aus diesem Jahr lautet, dass beim Testen mit KI nicht alles Gold ist, was glänzt.

Der Mensch bleibt im Prozess. KI verstärkt vorhandene Fähigkeiten, sie ersetzt sie nicht. Ein guter Tester liefert mithilfe von KI bessere Ergebnisse und arbeitet schneller. Ein schlechter Tester produziert mit KI schlechtere Ergebnisse, nur eben schneller.

Wir können hier bei weitem nicht den Menschen rausnehmen, nicht unsere Fähigkeiten als Tester und unsere Erfahrungen. Das ist essentiell und das bleibt bestehen. Florian Fieber

Wie wird KI zum Werkzeug im täglichen Testen?

KI wird zur Commodity, also zum selbstverständlichen Hilfsmittel im Testprozess. Aktuell nutzt zwar jeder einzelne Tester ein Sprachmodell für eigene Aufgaben, doch fest in den Test- und Entwicklungsprozess eingeflochten ist das selten.

Beim Testen mit KI verschiebt sich die Verbreitung in die Werkzeuglandschaft. Es gibt kaum noch Testwerkzeuge ohne eingebaute KI, sei es für die Testfallerstellung, die Skripterstellung, das Entwickeln von Testideen, die Oberflächenerkennung in der GUI-Automatisierung oder die Mustererkennung in Log-Dateien und Fehlerprotokollen.

KI-Assistenten werden besonders leichtgewichtig nutzbar. Über APIs und Plattformen wie die von OpenAI lässt sich für einen spezifischen Anwendungsfall ein eigener Assistent bauen. Ein solcher Assistent hilft etwa dabei, aus eingegebenen Anforderungen Ideen und Akzeptanzkriterien zu entwickeln.

Sinnvoll ist es, sich eine Sammlung solcher Assistenten anzulegen, die einzelne Testaktivitäten unterstützen. Diese Hilfsmittel werden nach und nach an vielen Stellen eingebaut.

Die KI-Verbreitung verläuft heterogen, nicht gleichmäßig

KI breitet sich im Testen nicht homogen aus. Die Entwicklung ist kein Entweder-oder, und sie verläuft weder über die einzelnen Testaktivitäten noch über Domänen oder Organisationen mit gleicher Geschwindigkeit.

Manche Teams gehen all-in, andere Bereiche sind weit davon entfernt. Dieses Muster kennt man von früheren Methoden und Werkzeugen, die im Lauf der Jahre eingeführt wurden.

Auch innerhalb der Testaktivitäten gibt es ein Gefälle. In der Testdurchführung, beim Erstellen von Testfällen und bei der Auswertung wird KI sehr stark werden. In der Testplanung, der Überwachung und der Steuerung bleibt der Autonomiegrad dagegen lange niedriger.

Warum Gesetze derzeit die stärksten Treiber im Test sind

Gesetzgebung ist im weitesten Sinne ein Treiber für Testthemen. Festgeschriebene, geprüfte Anforderungen an Produkte sind aus Testperspektive ideal, weil sie Aufmerksamkeit erzeugen und die Themen voranbringen.

Drei Regulierungen wirken aktuell als solche Treiber:

RegulierungThema im Test
EU Accessibility ActAccessibility Testing, Zugänglichkeit von Produkten
Cyber Resilience ActCyber Security, organisatorische und prozessuale Nachweise
EU AI ActKI-Governance, Prüfung und Bewertung von KI-Systemen

Accessibility Testing war neben KI das zweite große Konferenzthema des Jahres, getrieben vom bevorstehenden Inkrafttreten des Accessibility Act. Cyber Security und der Cyber Resilience Act erzeugten ebenfalls erheblichen Aufklärungsbedarf, der noch nicht gedeckt ist.

Diese Anforderungen sind größer als reines Testen. Cyber Security umfasst auch organisatorische und prozessuale Aspekte sowie Nachweisthemen, die über das klassische Prüfen hinausgehen.

Nichtfunktionale Qualität gehört in den Entwurf, nicht ans Ende

Sicherheit, Accessibility und ähnliche Eigenschaften müssen von Anfang an mitgedacht und eingebaut werden. Sie lassen sich nicht erfolgreich nachträglich in ein fertiges Produkt hineintesten.

Der verbreitete Reflex sieht anders aus. Erst wird die Software fertiggestellt, dann folgt der Performance-Test, der Security-Test oder die Accessibility-Prüfung, ohne dass man sich in den Monaten zuvor damit beschäftigt hätte.

Die Herausforderung liegt darin, die entsprechenden Tests in die Pipelines und in die Continuous Integration einzubauen. Wer Accessibility erst am Ende prüft, stellt offene Punkte fest und zieht die Prüfung dann schrittweise nach vorne. Sinnvoller ist es, von Beginn an aufs Requirements Engineering auszustrahlen, sodass die Eigenschaften eingebaut sind und im Test nur noch belegt werden müssen.

Agilität bleibt unerledigt, und Qualität ist ihr Hebel

Viele Organisationen sind von einer durchgängigen agilen Arbeitsweise weiter entfernt, als sie selbst annehmen. Die agile Transformation, die Skalierung und die Adoption haben noch einen weiten Weg vor sich, und Testen spielt darin eine tragende Rolle.

Agilität erzwingt Qualität. Wer in kurzen Iterationen arbeitet und nicht auf Tests und Qualität setzt, dem fliegt die Software nach wenigen Sprints um die Ohren. Diese Einsicht war vor Jahren noch unbequem, sie ist heute ein starker Treiber für Testen an den richtigen Stellen.

In diesem Umfeld gewinnen DevOps und Quality Engineering an Gewicht. Entwickeln und Testen verzahnen sich enger, und das Testen rückt früher in den Entwicklungsprozess.

Wie Low-Code und No-Code das Testen öffnen

Testautomatisierung gewinnt weiter an Bedeutung, und der Bereich Low-Code und No-Code ist stark in Bewegung. Das Ziel ist eine Entkopplung von Technik und Fachlichkeit.

Das Prinzip ist nicht neu. Keyword-Driven Testing zielt seit Längerem darauf, vom Testobjekt und der darunterliegenden Technik zu abstrahieren, sodass niemand mehr eigene Testskripte schreiben muss.

Für dich heißt das: Fachanwender und Domänen-Experten können Tests spezifizieren und durchführen, ohne tief in der Technik zu stecken. Diese Befähigung von Nicht-Technikern bindet mehr Fachwissen in die Testautomatisierung ein.

Internationale Standardisierung lebt von wechselnden Perspektiven

Standardisierung im Testen ist sinnvoll, weil sie einen gemeinsamen Nenner, ein Grundgerüst und einheitliche Begriffe schafft. Der Markt und die Teilnehmer spiegeln diesen Bedarf immer wieder zurück.

Der Blick über die Landesgrenzen verändert die eigene Sicht. Die Wahrnehmung von Zertifizierungsschemata und von der gesamten Testdisziplin unterscheidet sich zwischen Deutschland, Österreich, der Schweiz und anderen Ländern teils erheblich. Diese Perspektiven zu kennen, ist wichtig, kostet aber Zeit und verlangt Kompromisse.

Die Arbeit pendelt zwischen zwei Polen. Auf der einen Seite droht Überregulierung und Überstandardisierung, auf der anderen Seite die Gefahr, zu schnell etwas zu entwickeln.

Beim ISTQB strukturiert eine eigene Working Group das Testen in spezifischen Domänen. Im Portfolio des Certified Tester finden sich dazu bereits Module für Automotive Testing sowie für Gaming und Gambling, und es gibt Raum für weitere Themen. Lehrpläne zu DevOps, zum Testen mit KI und zu Accessibility Testing dürften früher oder später folgen.

Häufig gestellte Fragen

Datenschutz und Sicherheit spielen eine zentrale Rolle in den aktuellen Software Qualität Trends. Angesichts wachsender Cyber-Bedrohungen und strengerer Vorschriften müssen Softwarelösungen Datenschutz und Sicherheitsaspekte von Beginn an integrieren. Nutzer erwarten, dass ihre Daten geschützt sind, was zu einem Vertrauensvorschuss für Produkte führt. Ein Mangel an Sicherheit kann nicht nur rechtliche Konsequenzen haben, sondern auch den Ruf eines Unternehmens gefährden. Daher sind Sicherheitsprüfungen und Datenschutzmaßnahmen entscheidend, um die Softwarequalität zu gewährleisten und den Erwartungen der Nutzer gerecht zu werden.

Die wachsende Komplexität von Softwaresystemen stellt eine große Herausforderung für die Qualitätssicherung dar. Sie erhöht das Risiko von Fehlern, da mehr Komponenten und Interaktionen zu testen sind. Außerdem erfordert die Integration neuer Technologien wie KI und Cloud-Dienste erweiterte Testmethoden. Darüber hinaus ist die Nachverfolgbarkeit von Anforderungen schwieriger, was die Gewährleistung der Softwarequalität beeinträchtigen kann. Im Kontext aktueller Software Qualität Trends müssen agile Praktiken und automatisierte Tests verstärkt eingesetzt werden, um diesen Herausforderungen effektiv zu begegnen.

Der Fachkräftemangel hat direkte negative Auswirkungen auf die Software Qualität und das Software Testing. Weniger qualifizierte Tester können zu geringerer Testabdeckung und höherer Fehleranfälligkeit führen. Unternehmen sind oft gezwungen, automatisierte Tests einzuführen, um den Mangel auszugleichen, was zwar effizient ist, jedoch auch neue Herausforderungen birgt. Diese Entwicklung beeinflusst die aktuellen Software Qualität Trends, da der Fokus zunehmend auf Effizienz und Geschwindigkeit anstelle von gründlicher Qualitätssicherung liegt. Dadurch können langfristig Kundenunzufriedenheit und höhere Kosten entstehen.

Das Testen von mobilen Anwendungen ist entscheidend für die Gewährleistung der Benutzerzufriedenheit und der Softwarequalität. Durch die steigende Nutzung von Smartphones und Tablets sind mobile Apps oft der erste Kontaktpunkt mit Unternehmen. In den aktuellen Software Qualität Trends konzentrieren sich Tester auf Performance, Benutzerfreundlichkeit und Sicherheit, um den hohen Erwartungen der Anwender gerecht zu werden. Eine sorgfältige Prüfung kann außerdem negative Bewertungen und potenzielle finanzielle Einbußen verhindern, was die Relevanz des Testens weiter erhöht.

Die Integration von Qualitätssicherung in den gesamten Entwicklungszyklus wird immer wichtiger, da sie frühzeitig Probleme identifiziert und die Effizienz steigert. In einer Zeit, in der Software Qualität Trends dynamischen Veränderungen unterliegen, ist es entscheidend, Qualität von Anfang an einzubeziehen, um Zeit und Kosten zu sparen. Dies fördert schnellere Markteinführungen und verbessert die Nutzerzufriedenheit. Ein ganzheitlicher Ansatz ermöglicht kontinuierliches Feedback, wodurch Anpassungen schnell umgesetzt werden können. Damit bleibt das Produkt wettbewerbsfähig und erfüllt die steigenden Anforderungen der Nutzer.

Die Testumgebungssimulation verbessert die Softwarequalität, indem sie realistische Bedingungen schafft, unter denen Anwendungen geprüft werden. Aktuelle Software Qualität Trends im Green Computing fokussieren Effizienz und Ressourcenschonung. Durch Simulationen können Entwickler den Energieverbrauch während der Tests minimieren und gleichzeitig potenzielle Fehler frühzeitig identifizieren. Dies führt zu energieeffizienteren Softwarelösungen und reduziert den ökologischen Fußabdruck, was sowohl der Qualität der Software als auch den Nachhaltigkeitszielen zugutekommt.

Künstliche Intelligenz und Machine Learning revolutionieren die Software Qualität, indem sie automatisierte Tests, Fehlererkennung und Leistungsanalysen effizienter gestalten. Durch prädiktive Analysen können potenzielle Probleme frühzeitig identifiziert werden, wodurch die Softwareentwicklung schneller und zuverlässiger wird. Zudem ermöglichen intelligente Algorithmen personalisierte Nutzererfahrungen und adaptive Systeme, die sich an veränderte Anforderungen leicht anpassen können. Dadurch steigert sich die Gesamtqualität der Software signifikant.

Barrierefreiheit im Web ist entscheidend, um allen Nutzer:innen den Zugang zu Informationen und Services zu ermöglichen. Sie fördert Inklusion und verbessert die Usability, was sich positiv auf die Softwarequalität auswirkt. In aktuellen Softwarequalitätstrends steht die Barrierefreiheit als wichtiger Aspekt, da sie gesetzliche Anforderungen und soziale Verantwortung vereint. Unternehmen, die barrierefreie Lösungen bieten, erhöhen ihre Reichweite und verbessern das Nutzererlebnis, was langfristig zu höherer Kundenzufriedenheit führt.

Low-Code- und No-Code-Plattformen beeinflussen die Software Qualität Trends erheblich, indem sie die Entwicklungszeit verkürzen und die Beteiligung von Nicht-Programmierern fördern. Dies kann zu einer schnelleren Bereitstellung von Anwendungen führen, birgt jedoch auch Risiken in der Qualitätssicherung, da nicht alle Nutzer über technische Kenntnisse verfügen. Effektive Teststrategien und automatisierte Tools werden unerlässlich, um die Softwarequalität zu gewährleisten. Darüber hinaus fördert der Trend zur Kollaboration zwischen Fachabteilungen und IT eine schnelle Iteration, die Innovation antreibt, aber auch kontrollierte Standards benötigt, um eine konsistente Softwarequalität sicherzustellen.

Für 2025 sind die wichtigsten Software Qualität Trends im Software Testing die verstärkte Nutzung von KI und Automatisierung, um Effizienz und Genauigkeit zu steigern. Cloud-gestützte Testlösungen ermöglichen flexibles Testmanagement und kontinuierliche Integration. Zudem gewinnt testgetriebene Entwicklung (TDD) an Bedeutung, um frühzeitig Fehler zu identifizieren. Agile Methoden fördern schnelle Anpassungsfähigkeit, während Funktionen für Sicherheitstests zunehmend integriert werden, um Bedrohungen proaktiv zu erkennen. Diese Trends helfen Unternehmen, die Softwarequalität nachhaltig zu verbessern und den wachsenden Anforderungen des Marktes gerecht zu werden.

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