Qualität als Haltung bedeutet, Softwarequalität nicht in einer isolierten Testabteilung zu verorten, sondern als Mindset durch den gesamten Entwicklungsprozess zu leben. Das gelingt nur über interdisziplinäre Zusammenarbeit, Kommunikation mit unterschiedlichen Stakeholdern und den bewussten Einsatz neuer Technologien wie KI dort, wo sie konkrete Probleme lösen.
Das Wichtigste in Kürze
- Nach einem Jahr sendet der Podcast auf über 20 Plattformen, hat mehr als 22.000 Downloads erreicht und zählt über 1.200 Abonnenten.
- 15 Partner, darunter die drei nationalen Testing Boards, mehrere Fachverlage und Konferenzen, tragen aktiv zur Reichweite und Vernetzung des Podcasts bei.
- Qualität als Haltung zieht sich durch den gesamten Softwareentwicklungsprozess und ist nicht mehr auf eine isolierte Testabteilung beschränkt.
- KI im Testing verlangt zweierlei: das aktive Ausprobieren verfügbarer Tools und gleichzeitig die ehrliche Frage, welches konkrete Problem damit gelöst werden soll.
Wie aus einem Blog-Plan ein Podcast wurde
Manche Formate beginnen mit einer ganz anderen Idee. Der Podcast Software Testing war ursprünglich als Blog gedacht, mit Interviews in Textform zum Thema Future Testing: Wie testen wir in der Zukunft?
Den Wendepunkt brachte ein Gast. Thilo Linz, Gründer von Imbus, hatte keine Zeit, schriftliche Fragen zu beantworten, und schlug stattdessen einen Video-Call vor. Aus dem geplanten Transkriptions-Aufwand wurde ein echtes Gespräch. Genau dieses Interview gab den Anstoß, das Format komplett umzustellen.
Die Lehre daraus ist praktisch: Ein Format muss zu den Gästen passen, nicht umgekehrt. Wer spannende Gesprächspartner gewinnen will, sollte den Aufwand auf seiner Seite halten und das Medium wählen, in dem die Leute ohnehin gern sprechen.
Ein Jahr Podcast in Zahlen
Nach einem Jahr stehen messbare Marken. Die erste Folge ging am 18. April 2023 online. Zum ersten Geburtstag sind es 67 bis 68 Folgen, je nach Zählart, über 22.000 Downloads und mehr als 1.200 Abonnenten.
Verteilt wird der Podcast auf über 20 Plattformen, darunter Apple, Spotify und Amazon. Seit dem Jahreswechsel kommt ein YouTube-Kanal dazu, der jede Folge auch als Video zeigt.
Hörerinnen und Hörer ziehen sich die Folgen beim Kochen, auf dem Weg zur Arbeit oder beim Joggen rein. Wissen in kleinen Häppchen, eingebaut in den Alltag, ist das, wofür das Format gemacht ist.
Warum Partner ein Podcast-Projekt tragen
Reichweite und Kontakte entscheiden mit darüber, ob ein Fach-Podcast Fahrt aufnimmt. Der Podcast Software Testing startete deshalb von Anfang an mit Partnern aus der Community, nicht als Solo-Versuch nach dem Prinzip “ich probier es mal”.
Beteiligt sind die drei nationalen Testing Boards: das Austrian Testing Board, das German Testing Board und das Swiss Testing Board, alle als Vertreter des ISTQB im deutschsprachigen Raum. Dazu kommen Verlage wie dpunkt und Hanser, in denen Bücher zum Thema erschienen sind, sowie der dpunkt-Bereich rund um das German Testing Magazine.
Partner bringen zwei Dinge ein, die ein neues Format selbst kaum aufbaut: Zugang zu guten Gesprächspartnern und Verteilung in bestehende Netzwerke. Eine sichtbare Folge davon sind die Buch-Verlosungen, die mit den Verlagen entstehen.
Auch Konferenzen und Community-Organisationen gehören dazu, unter anderem der QS-Tag, die Software Quality Days, der German Testing Day und die OOP, dazu Gruppen wie die ASQF und die Fachgruppe TAV der Gesellschaft für Informatik. Zwei neue Partner kamen zuletzt hinzu: das internationale Podcast-Netzwerk des ASTQB und heise developer.
Vor-Ort-Aufnahmen schlagen das Studio
Live-Folgen auf Konferenzen haben einen eigenen Charakter, den keine Studioaufnahme liefert. Im Ausstellerbereich entstehen Interviews mit Speakern direkt vor Ort, mit dem ganzen Drumherum: ein Teller fällt, jemand läuft vorbei, es klappert.
Genau diese Reibung macht die Energie aus. Das Setting ähnelt einem Sportmoderator, der mitten im Geschehen spricht, während ringsum vieles passiert.
Seit der Pandemie ist der Wert solcher Live-Events wieder klarer. Wer in Test und Qualität arbeitet, nimmt von Konferenzen Networking und Inspiration mit, die sich digital nur schwer ersetzen lassen.
Was KI fürs Testen bedeutet, und was nicht
KI berührt das Testen aus zwei Richtungen, die man auseinanderhalten sollte. Die erste Frage: Wie testen wir KI selbst? Hier verschiebt sich der Begriff von Qualität, weil KI-Systeme nicht deterministisch funktionieren und einen anderen Blickwinkel verlangen. Grundlagen dazu liefert das Buch “Basiswissen KI-Testen” von Runze und Röttger.
Die zweite Frage: Wie nutzen wir KI im Testen? Viele Tools tragen das Label KI inzwischen prominent, hatten ähnliche Funktionen aber oft schon vorher, nur ohne diesen Namen. Möglich ist heute viel, von großen Sprachmodellen wie Mistral, ChatGPT und Gemini bis zu Erkennungsalgorithmen und Mustererkennung.
Beim Umgang damit hilft eine doppelte Haltung. Auf der einen Seite lohnt es sich, die Werkzeuge auszuprobieren und zu experimentieren. Auf der anderen Seite solltest du einen Schritt zurücktreten und fragen: Welches Problem will ich eigentlich lösen?
Konkrete Schwachstellen im Testen geben dafür die Richtung vor. Der Medienbruch beim Übergang von der Fachlichkeit in die Technik ist so ein Punkt. Testdaten in heterogenen Systemlandschaften sind ein weiterer. Dort kann KI echten Nutzen stiften, statt nette Spielerei zu bleiben.
Qualität beginnt vorne und läuft komplett durch
Qualität ist heute keine Aufgabe einer abgeschotteten Testabteilung mehr. Früher wurde Code über den Zaun geworfen, dort getestet und über ein Ticketsystem zurückgeschickt. Diese Zeiten sind vorbei.
Projekte arbeiten interdisziplinär, jeder bringt seine Stärken ein. Das erzeugt Reibung, die irgendwo aufgefangen werden muss. Gleichzeitig hat Qualität dadurch einen anderen Stellenwert bekommen: Sie beginnt ganz vorne und zieht sich durch den gesamten Softwareprozess.
Daraus folgt ein Anspruch an die Haltung. Qualität als Mindset entsteht nicht, wenn eine Abteilung stumpf Testfälle herunterklopft, sondern über Austausch, Diskussion und Integration über den ganzen Prozess hinweg.
Qualität ist da einfach jetzt auch einen anderen Stellenwert bekommen, weil die beginnt ganz vorne und läuft komplett durch über den ganzen Entwicklungsprozess. Richard Seidl
Warum Social Skills im Testen wichtiger werden
Test und Qualität leben in einem Spannungsfeld unterschiedlicher Stakeholder. Die einen wollen Qualität, die anderen schnelle Fertigstellung, wieder andere wollen Nachweise sehen. Wer hier wirken will, muss kommunizieren und interagieren.
Nach rund 20 Jahren agiler Projekte ist klar, dass dieses Thema noch wächst. Soft Skills und Social Skills sind kein Beiwerk, sondern die Voraussetzung dafür, dass interdisziplinäre Teams überhaupt zu gemeinsamer Qualität kommen.
Die Zielgruppe ist dadurch breiter, als der Begriff Testing vermuten lässt. Business-Analysten, Requirements Engineers, Projektleiter, Entwickler, Testautomatisierer, Testanalysten und Testmanager interessieren sich gleichermaßen für Qualität über den gesamten Softwareprozess.
Wie eine Hörer-Community zum Format gehört
Ein Fach-Podcast wächst stärker, wenn aus Hörern eine Community wird. Dafür gibt es ein Programm über die Plattform Steady, vergleichbar mit Patreon aus dem amerikanischen Raum, mit drei Stufen: Bug Hunter Brigade, Testcase Titans und Quality Wizards.
Hinter dem Beitrag steht ein offener Punkt: So ein Podcast kostet viel Zeit und Geld, und ein nachhaltiges Format braucht eine Balance zwischen dem, was eine Person leisten kann, und der Unterstützung von außen.
Die Community bietet im Gegenzug Einblicke und Austausch. Mitglieder sehen den Redaktionsplan für die kommenden Wochen, geben Feedback, bekommen Backstage-Informationen von Konferenzen und treffen sich bei Hörertreffen, vor Ort und online.
Themenvorschläge sind ausdrücklich erwünscht. Wer einen Speaker kennt oder ein Thema vermisst, kann sich direkt an podcast@software-testing.fm wenden. Geplant sind unter anderem Folgen zu KI, Barrierefreiheit, Security, Dokumentation, Testautomatisierung und Testdaten.


