Zum Inhalt springen

Suchen...

Impostor Syndrom

Wer das Impostor-Syndrom kennt, weiß: Rational hilft oft nicht. Welche Strategien wirklich aus dem Hochstapler-Kreislauf herausführen.

8 Min. Lesezeit
Cover für Impostor Syndrom

Das Impostor-Syndrom, auf Deutsch Hochstapler-Syndrom, ist ein psychologisches Phänomen, bei dem Betroffene glauben, sich Erfolge, Talente und Abschlüsse erschlichen zu haben, und eine Enttarnung fürchten, obwohl objektive Belege das Gegenteil zeigen. Perfektionismus, Gruppenangst und fehlende Selbstwahrnehmung verstärken den Teufelskreis.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Impostor-Syndrom ist kein Zeichen fehlender Kompetenz, sondern ein psychologisches Phänomen, das Menschen befällt, die ihre nachgewiesenen Fähigkeiten und Erfolge trotz vorhandener Belege nicht als echt akzeptieren können.
  • Wer zum Hochstapler-Syndrom neigt, gerät in einen Teufelskreis: Die eigenen Symptome werden als Beweis gewertet, man sei tatsächlich unfähig, was eine Diagnose von außen systematisch unmöglich macht.
  • Frauen in der IT entwickeln das Hochstapler-Syndrom häufiger, weil sie in einer von Männern dominierten Gruppe automatisch als Außenseiterinnen wahrgenommen werden und sich gleichzeitig als Repräsentantinnen ihrer gesamten Gruppe fühlen.
  • Das Impostor-Syndrom hat ursprünglich eine sinnvolle Schutzfunktion, es soll vor Blamage bewahren, läuft aber auf zwei Denkfehlern auf: Man kann die angestrebten Aufgaben meist wirklich, und Fehler sind auch bei echter Unfähigkeit kein sozialer Weltuntergang.
  • Den eigenen Perfektionsanspruch realistisch zu kalibrieren hilft konkret: Wer sich fragt, was im schlimmsten Fall wirklich passiert, merkt, dass die Angst die tatsächliche Konsequenz fast immer übersteigt.

Was ist das Imposter-Syndrom?

Das Imposter-Syndrom, auf Deutsch auch Hochstapler-Syndrom, ist ein psychologisches Phänomen, kein Krankheitsbild. Betroffene fühlen sich, als hätten sie sich ihre Erfolge, Talente und Abschlüsse erschlichen oder erlogen. Im Kern steckt die Angst, dass jemand herausfindet, wie schlecht man angeblich in den Dingen ist, die man augenscheinlich gut macht, und dass dann alles wieder weggenommen wird.

Sophie Küster legt Wert auf die Unterscheidung: ein Phänomen, kein Defizit und keine Diagnose. Genau diese Einordnung nimmt dem Thema die Schwere. Wer es benennen kann, hört auf, sich für verrückt zu halten.

Die Gegenbeweise liegen meist offen vor einem. Es gibt das Diplom, den Zettel, auf dem steht, dass jemand die Prüfung bestanden hat. Trotzdem glaubt der Kopf die eigenen Belege nicht. Das Gefühl gewinnt gegen die Fakten.

Warum dich Logik allein nicht aus dem Kopf holt

Rational lässt sich das Imposter-Syndrom nicht wegargumentieren, weil es ein Gefühl ist und kein Denkfehler, den man kurz korrigiert. Du kannst dir selbst dabei zusehen, wie du jedes Kriterium dieses Phänomens erfüllst, und trotzdem denkst du: bei mir ist es wirklich so, ich habe das Diplom wirklich nicht verdient.

Genau darin liegt die Hinterhältigkeit. Der Verstand baut sich eine Sonderregel: Nur die schlauen Leute, die fälschlich an sich zweifeln, hätten ein echtes Imposter-Syndrom, man selbst sei einfach nur tatsächlich nicht gut genug. So entsteht ein Teufelskreis, aus dem man schwer wieder herausfindet.

Wer das einmal erkennt, hat den ersten Hebel in der Hand. Nicht das Gefühl verschwindet, aber seine Autorität sinkt.

Tu zuerst so, als hättest du das Selbstvertrauen

Wenn die Zeit knapp ist und du gleich auf die Bühne, ins Meeting oder ins Gespräch musst, lautet der schnellste Tipp: tu einfach so. Das wirkt zunächst widersprüchlich, weil man ja gerade Angst hat, als Hochstapler entlarvt zu werden, und jetzt auch noch das Selbstvertrauen hochstapeln soll.

Der Punkt dahinter: Viele Menschen machen genau das, sie machen ein bisschen auf dicke Hose. Wer als Einziger nicht mitspielt, weil ihn der innere Zweifel bremst, fällt zurück, obwohl er vielleicht genauso fähig ist wie die Person, die laut sagt, sie sei die Coolste im Raum.

Wenn alle hochstapeln, darf das auch in deinen Spielregeln erlaubt sein. Du bremst dich sonst selbst aus, gegen niemanden außer dich.

Perfektionismus ist der Treibstoff, nicht die Lösung

Hinter dem Imposter-Syndrom steckt oft ausgeprägter Perfektionismus und die Angst vor dem Ausgestoßenwerden. Die Sorge ist nicht nur, einen Fehler zu machen, sondern dass die Gruppe einen bei der kleinsten Imperfektion auslacht und verstößt. Diese Angst macht das Phänomen so quälend, weil so viel Scham daran hängt.

Dabei übersieht man leicht, dass ein Zweier-Diplom ein Diplom ist. Wer den Führerschein erst im zweiten Versuch besteht, darf danach trotzdem Auto fahren. Nicht alles muss perfekt sein, damit es zählt.

Imperfektion verleiht Charakter. Perfekt symmetrische KI-Gesichter wirken ein bisschen gruselig, eine kleine Zahnlücke und ein schiefes Grinsen wirken sympathisch. Genauso ist es mit einem offenen, authentischen Auftreten, bei dem man auch mal auf die Nase fällt. Es ist kein Weltuntergang, Dinge nicht perfekt zu machen.

Was man dabei so gerne ausblendet, ist, dass jede kleine Imperfektion einfach Charakter verleiht und menschlich macht. — Sophie Küster

Warum besonders Frauen in der IT betroffen sind

Nicht so richtig dazuzugehören ist einer der großen Faktoren für das Hochstapler-Syndrom. Wer augenscheinlich nicht zur Gruppe passt, fühlt sich schneller wie ein Eindringling, der jeden Moment auffliegt.

In der IT-Welt trifft das viele Frauen. Wenn die Umgebung männlich geprägt ist, fühlt man sich als Frau leicht verloren und gehört nicht offensichtlich dazu. Dazu kommt der zusätzliche Druck, sich doppelt anstrengen zu müssen, um nicht durch eigene vermeintliche Unfähigkeit gleich die ganze Gruppe bloßzustellen, die man unfreiwillig repräsentiert.

Die Urangst dahinter ist alt. Ausgestoßen werden bedeutete früher Gefahr. Der Kopf behandelt einen harmlosen Fehler so, als stünde die Zugehörigkeit auf dem Spiel.

Mach das Ganze zum Teamsport

Das Imposter-Syndrom lässt sich besser im Verbund angehen als allein. Schließ dich mit anderen Hochstaplern zusammen, schon eine gemeinsame Auskotz-Session entlastet, und du bekommst Tipps von Leuten, die dasselbe kennen.

Besonders nützlich wird das beim Eigenlob. Sich selbst zu loben oder Werbung für sich zu machen fällt vielen extrem schwer. Über andere zu sprechen ist viel leichter. Du sagst über jemand anderen: ich kenne diese brillante Sprecherin. Diese Person sagt dasselbe über dich. So lobt ihr euch gegenseitig, ohne dass jeder den unangenehmen Satz über sich selbst sagen muss.

Wer offen zugibt, dass er ein Problem hat und nicht weiterweiß, schafft Nähe. Aus dem gemeinsamen Reden über solche Themen entstehen Freundschaften, und Hilfe verbindet.

Mach dich über das Phänomen schlau

Wissen über das Hochstapler-Syndrom ist eines der stärksten Mittel dagegen. Allein das Wort zu lernen, kann viel verändern. Wer denkt, er sei verrückt, weil sein Hirn ihn überzeugt, jemand wolle ihm das Abitur wegnehmen, beruhigt sich, sobald er merkt: das Phänomen ist so häufig, dass es einen Namen hat. Also gibt es viele andere, denen es genauso geht.

Konkret heißt das: Bücher lesen, Podcasts hören, mit anderen darüber reden. Wer anfängt, sich einzulesen, erkennt plötzlich, wie viele eigene Gedanken Ausdruck genau dieses Musters sind.

Labels und Schubladen gelten oft als etwas Schlechtes, können aber heilsam sein. Wer sein Leben lang glaubt, ein schlechtes Pferd zu sein, fühlt sich befreit, wenn er merkt, dass er von Anfang an ein ganz normales Zebra war. Man wird nicht glücklich, wenn man weiter versucht, ein Pferd zu sein.

Externalisiere die innere Stimme und widersprich ihr

Eine wirksame Technik ist, das Hochstaplergefühl als eigene Stimme zu behandeln und ihr bewusst zu widersprechen. Mach dir klar, wann gerade diese Imposter-Stimme im Kopf spricht, und sag ihr dann: halt die Klappe, ich kann das, ich mache das jetzt.

Meist reicht der innere Widerspruch. Wer in eine Gedankenspirale rutscht, kann sich auch laut “stopp” sagen, um aus dem Strudel herauszukommen. Es klingt seltsam, hilft aber.

Auch Aufschreiben wirkt. Wenn du morgens deine Gedanken einfach runterschreibst, tauchen genau diese Sorgen auf: hoffentlich kommt keiner drauf. Sie auf Papier zu sehen, nimmt ihnen Gewicht. So schlimm ist es gar nicht.

Frag dich, was wirklich das Schlimmste passieren kann

Ein realistischer Maßstab entlarvt die übertriebene Angst. Spiel das Spiel “Was ist das Schlimmste, was passieren kann?” durch, eine Technik, die auch bei Angststörungen genutzt wird.

Vor einer Prüfung fühlt es sich an, als würdest du tot umfallen, wenn du durchfällst. Setz dich hin und denk es zu Ende: Wenn ich nicht bestehe, habe ich noch einen weiteren Versuch. Das ist machbar, kein Weltuntergang. Fast immer ist die Angst viel größer als das, was realistisch eintreten kann.

Die Angst hat einen sinnvollen Kern. Sie lässt den Wolf größer aussehen, und evolutionär war das nützlich: Unsere Vorfahren sind beim Säbelzahntiger weggelaufen, statt ihn niedlich zu finden. Nur galoppiert dieser Schutzmechanismus heute davon, wo gar keine Gefahr ist.

Das Hochstapler-Syndrom hat einen positiven Kern

Im Grunde will das Hochstapler-Syndrom etwas Gutes: dich davor schützen, dich zu blamieren. Es überzieht nur. In dieser Schutzlogik stecken zwei Denkfehler.

Der erste Denkfehler: Du wirst dich nicht blamieren, weil du die Sache, die du angehst, tatsächlich kannst. Du kannst den Podcast führen, sie kann den Vortrag halten. Die Kompetenz ist da.

Der zweite Denkfehler: Selbst wenn du etwas nicht kannst, ist das nicht bloßstellend und erniedrigend. Es ist menschlich, nicht alles perfekt zu beherrschen. An dieser Wurzel greift man das Phänomen an, indem man nachdenkt: Was ist eigentlich Erfolg, was ist Kompetenz, welche Erfolge hatte ich realistisch, und was bedeutet Scheitern für mich überhaupt?

Begriffe wie Erfolg und Scheitern sind selten klar definiert. Meint Erfolg dein Lebensglück, deinen finanziellen Stand, deine Zufriedenheit? Wer das für sich klärt, nimmt diesen Worten ihre diffuse Drohkraft.

Sei mutig und stürz dich rein

Der knappste Rat zum Schluss eines langen Themas lautet: Du bist nicht allein, du kannst das, du schaffst das, sei mutig und stürz dich rein.

Das Business besteht aus den Menschen, die es betreiben. Wer mit sich selbst beschäftigt ist, oft mehr als nötig, tut gut daran, über solche Themen offen zu sprechen, statt die Maske immer weiter zu polieren.

Häufig gestellte Fragen

Die häufigsten Symptome des Impostor Syndroms sind Selbstzweifel, das Gefühl, nicht kompetent genug zu sein, und Angst vor Entdeckung. Betroffene neigen dazu, eigene Erfolge zu bagatellisieren und glauben, sie hätten nur Glück oder könnten andere täuschen. Man erkennt diese Symptome an ständiger Selbstkritik,perfektionistischem Verhalten und der ständigen Angst, nicht zu genügen. Diese Gedanken können das Selbstwertgefühl stark beeinträchtigen und das persönliche und berufliche Leben negativ beeinflussen.

Um das Impostor Syndrom am Arbeitsplatz erfolgreich zu überwinden, ist es wichtig, sich der eigenen Erfolge bewusst zu werden. Führe ein Erfolgsjournal, in dem Du Deine Errungenschaften festhalten. Sprich offen mit Kolleg*innen über Deine Ängste und suche Feedback. Setze Dir realistische Ziele und feier kleine Erfolge. Vergleiche Dich nicht ständig mit anderen; jeder hat unterschiedliche Wege. Weitere Unterstützung könnte in Mentoring oder professioneller Beratung liegen. Indem Du Dich selbst akzeptierst und Deine Fähigkeiten anerkennst, kannst Du das Impostor Syndrom Schritt für Schritt überwinden.

Perfektionismus verstärkt das Impostor-Syndrom, weil Betroffene oft unrealistisch hohe Standards an sich selbst stellen. Sie glauben, nur durch makellose Leistungen anerkannt zu werden, was zu Angst und Selbstzweifeln führt, wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden. Diese ständige Selbstkritik lässt sie ihre Erfolge schmälern und automatisch an ihren Fähigkeiten zweifeln. So entsteht das Gefühl, nicht wirklich kompetent zu sein, selbst wenn andere sie schätzen. Perfektionismus wird somit zu einem Teufelskreis, der das Impostor-Syndrom weiter nährt.

Das Impostor Syndrom kann die berufliche Entwicklung erheblich negativ beeinflussen. Betroffene fühlen sich oft als Betrüger und zweifeln an ihren Fähigkeiten, was zu Selbstsabotage und Vermeidung von Herausforderungen führen kann. Dies hindert sie daran, Chancen zu ergreifen, Verantwortung zu übernehmen oder ihre Leistungen anzuerkennen. Oft scheuen sie auch wichtige Gespräche oder Gehaltsverhandlungen, was ihr Karrierewachstum bremst. Langfristig können diese negativen Gedanken zu geringerem Selbstwertgefühl und beruflicher Zufriedenheit führen.

Um das Impostor Syndrom zu überwinden, ist es wichtig, seine Erfolge zu erkennen und zu dokumentieren. Dazu zählen Reflexion über eigene Leistungen und positives Feedback von anderen. Setze realistische Ziele und akzeptiere, dass Fehler Teil des Lernprozesses sind. Sprich mit Menschen, denen du vertraust, um deine Erfahrungen zu teilen. Schließlich kann professionelle Unterstützung wie Coaching oder Therapie hilfreich sein, um Selbstzweifel zu reduzieren und das Selbstbewusstsein zu stärken.

Die häufigsten Ursachen für das Impostor Syndrom sind der Druck, hohe Leistung zu erbringen, sowie Vergleiche mit anderen. Oft entstehen diese Gefühle durch überproportionale Erwartungen aus dem Umfeld, wie Familie oder Bildungseinrichtungen. Auch perfomative Kulturen fördern das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Zusätzlich können vergangene negative Erfahrungen, wie Mobbing oder ständige Kritik, das Selbstwertgefühl beeinträchtigen. Diese Faktoren führen dazu, dass Betroffene ihre Erfolge als Zufall oder Glück wahrnehmen, was das Impostor Syndrom verstärkt.

Das Impostor Syndrom und Narzissmus unterscheiden sich deutlich. Beim Impostor Syndrom fühlen Betroffene oft, dass sie ihre Erfolge nicht verdienen und haben Angst, als Betrüger entlarvt zu werden. Im Gegensatz dazu haben Narzissten ein übersteigertes Selbstwertgefühl und glauben, ihnen stünde besondere Anerkennung zu. Während die einen unter Selbstzweifeln leiden, suchen die anderen Bestätigung und Bewunderung. Dies führt dazu, dass sich Impostor-Syndrom-Betroffene oft zurückziehen, während Narzissten im Mittelpunkt stehen wollen.

Das Gegenteil vom Impostor Syndrom ist ein starkes Selbstbewusstsein oder Selbstvertrauen. Menschen, die kein Impostor Syndrom empfinden, sind sich ihrer Fähigkeiten und Erfolge bewusst und fühlen sich in ihrer Rolle sicher. Sie erkennen ihren Wert an und haben keine Angst, ihre Leistungen zu zeigen. Während das Impostor Syndrom dazu führt, dass man eigene Erfolge als Zufall oder Glück abwertet, führt starkes Selbstbewusstsein dazu, Erfolge zu akzeptieren und stolz darauf zu sein.

Um mit dem Impostor Syndrom umzugehen, ist es wichtig, das eigene Denken zu hinterfragen. Akzeptiere Erfolge als Ergebnis deiner Fähigkeiten und nicht durch Glück. Teile deine Gefühle mit anderen, um Unterstützung zu erhalten. Setze realistische Ziele und feiere kleine Erfolge, um das Selbstvertrauen zu stärken. Führe ein Erfolgstagebuch, um deine Leistungen festzuhalten. Denke daran, dass viele Menschen ähnliche Gefühle erleben. Such dir gegebenenfalls professionelle Hilfe, um Strategien zu entwickeln.

Das Impostor Syndrom beschreibt das Gefühl, die eigenen Erfolge nicht verdient zu haben und als Betrüger entlarvt zu werden. Betroffene zweifeln oft an ihren Fähigkeiten, obwohl sie objektiv kompetent sind. Dieses Syndrom äußert sich in Selbstzweifeln, Angst vor Versagen und dem ständigen Vergleich mit anderen. Menschen mit Impostor Syndrom neigen dazu, ihre Leistungen zu minimieren und glauben, dass ihr Erfolg auf Glück oder äußeren Umständen beruht.

Diese Seite teilen

Ähnliche Beiträge