Die HUSTEF ist eine Software-Testing-Konferenz, die jedes Jahr in Budapest stattfindet und Tester, Entwickler und Qualitätsexperten aus aller Welt zusammenbringt. 2011 als kleine lokale Veranstaltung gestartet, zählt sie inzwischen über 700 Teilnehmer, 40 bis 50 Prozent davon aus dem Ausland. Zum Programm gehören vertiefende Masterclasses, Karriere-Coaching und eine feste Initiative für Erstredner mit Coaching und Folien-Reviews.
Das Wichtigste in Kürze
- Die HUSTEF wuchs von rund 150 Teilnehmern bei der Gründung 2011 auf 705 verkaufte Tickets im Jahr 2025, getragen von der Begeisterung der Community und nicht von einem kommerziellen Geldgeber.
- 40 bis 50 Prozent des HUSTEF-Publikums kommen heute aus dem Ausland. Das ist eine bewusste Entscheidung nach der Pandemie, um die Konferenz über ihre ungarischen Wurzeln hinaus zu öffnen.
- Rund 10 Prozent der Speaker auf der HUSTEF stehen zum ersten Mal auf einer Konferenzbühne. Online-Coaching und Folien-Reviews helfen ihnen, den Kreislauf zu durchbrechen, in dem fehlende Erfahrung zur Absage führt und Absagen verhindern, dass Erfahrung entsteht.
- Die Career Clinic verbindet fachliches Coaching mit HR-Know-how und hilft Testern bei der Karriereplanung, bis hin zu Lebensläufen, die KI-gestützte Screening-Tools passieren, bevor ein Mensch die Bewerbung überhaupt sieht.
Wie die HUSTEF vom lokalen Treffen zur internationalen Konferenz wurde
Die HUSTEF startete 2011 als kleine lokale Veranstaltung, ganz ohne große Pläne. Die Idee dahinter war schlicht: Ungarische Testingenieure sollten einen Ort haben, an dem sie sich treffen und Erfahrungen austauschen.
Das Interesse wuchs langsam. Als immer mehr Leute kamen, merkten die Organisatoren, dass sie die Konferenz wie ein richtiges Unternehmen führen mussten. Also kümmerten sie sich gezielt um Projektmanagement, Vertrieb, Marketing und Finanzen.
Den Rest erzählen die Zahlen. Zu den ersten Ausgaben kamen rund 150 Leute. 2025 verkaufte die Konferenz 705 Tickets, etwa das Fünffache.
Attila Fekete, Programmleiter der HUSTEF 2025, sieht das Ganze persönlich, nicht kommerziell:
“Für uns ist das kein Geschäft. Es ist ein Herzensprojekt.”
(Attila Fekete)
Warum die HUSTEF nach der Pandemie international wurde
Die Öffnung für ein internationales Publikum war eine bewusste Entscheidung nach der Pandemie. Bei den Speakern war die Konferenz schon vorher stark international: Rund 95 Prozent kamen aus dem Ausland, nur etwa 5 Prozent aus Ungarn.
Beim Publikum hat sich noch mehr getan. Heute reisen 40 bis 50 Prozent der Teilnehmer aus dem Ausland an, nicht nur die Speaker. Diese Mischung macht einen guten Teil des heutigen Charakters der Konferenz aus.
Die Reichweite bringt allerdings ein praktisches Problem mit sich, das man einplanen sollte. Die meisten ungarischen Tester fahren selten auf Konferenzen, deshalb sind internationale Namen auf dem lokalen Markt oft unbekannt. Ein Tutorial mit einem starken Speaker verkauft sich schwer, wenn das Publikum mit dem Namen nichts anfangen kann.
Was eine Konferenz zum Nachhausekommen macht
Loyalität entsteht, wenn sich Menschen umsorgt fühlen und nicht abgefertigt. Genau dieses Gefühl macht die HUSTEF zu ihrem Markenzeichen: Speaker und Teilnehmer sollen ankommen, als kämen sie nach Hause, und im nächsten Jahr wie alte Freunde wiederkommen.
Das zeigt sich bis in die Logistik. Das Team bucht das komplette Speaker-Hotel und ist ab dem frühen Morgen vor Ort. Der Gedanke dahinter ist einfach: Vor Publikum zu sprechen ist anstrengend, und jeder will sein Bestes geben. Also soll die Umgebung das leichter machen.
Die Auswahl der Vorträge hat mit dieser Wärme nichts zu tun. Ein Review Board bewertet die Einreichungen und entscheidet objektiv, wer ins Programm kommt, ohne Gefälligkeiten. Die Konferenz ist unabhängig, das Programm bleibt frei von Firmeninteressen.
Wie die HUSTEF Erstrednern den Einstieg erleichtert
Die HUSTEF hält im Programm Plätze für Leute frei, die noch nie auf einer Konferenz gesprochen haben. Rund 10 Prozent des Programms gehen jedes Jahr an Erstredner.
Damit greift die Konferenz eine echte Falle auf. Konferenzen lehnen Neulinge ab, weil ihnen die Erfahrung fehlt. Erfahrung sammeln können Neulinge aber nur, wenn sie angenommen werden. Das wird zur Endlosschleife aus Absagen, die gute Leute entmutigt, bevor sie überhaupt anfangen.
Mit einem Slot im Programm ist es nicht getan. Seit 2019 gehört ein Coaching für diese Speaker dazu: Online-Sessions und Folien-Reviews vor der Konferenz. Sie sollen auf der Bühne erfolgreich sein und nicht vor Publikum scheitern.
Dieselbe Idee steckt hinter der Rising Star Keynote. Die erste Keynote zu bekommen, fühlt sich oft genauso unmöglich an wie der erste Vortrag, weil Konferenzen gern auf bekannte Namen setzen. Das Rising-Star-Format öffnet diese Tür für Speaker, die zum ersten Mal eine Keynote halten.
Warum Tester an eine Decke stoßen und was die Career Clinic bietet
Tester stoßen in ihrer Laufbahn oft an eine gläserne Decke: einen Punkt, an dem nicht mehr klar ist, wie es weitergeht. Dieses Gefühl, festzustecken, und der Frust, der damit kommt, sind so verbreitet, dass die HUSTEF ein eigenes Angebot dafür geschaffen hat.
So entstand die Career Clinic. Sie verbindet erfahrene Coaches mit HR-Fachwissen, damit die Beratung beide Seiten abdeckt: fachlich besser werden und die eigene Laufbahn steuern, im aktuellen Unternehmen oder darüber hinaus.
2024 lief die Career Clinic als kurzer Slot in der Mittagspause, 2025 kam ein ausführliches Tutorial am ersten Konferenztag dazu. Es gab praktische Tipps zum Lebenslauf, zum Auftritt in sozialen Medien, zur eigenen Online-Präsenz und dazu, was dich im Vorstellungsgespräch erwartet.
Wenn du gerade auf Jobsuche bist, lohnt sich ein Detail besonders. Viele Unternehmen sichten Lebensläufe inzwischen mit KI-gestützten Tools. Ähnlich wie bei der Suchmaschinenoptimierung muss dein Lebenslauf so geschrieben sein, dass er diese Filter passiert. Sortiert das Tool ihn aus, bevor ein Mensch ihn sieht, spielen deine Qualifikationen keine Rolle mehr.
Wie die HUSTEF ihr Programmformat nach Feedback umgebaut hat
Die HUSTEF passt ihr Format an das an, was sich Teilnehmer und Speaker wünschen. Erfahrene Teilnehmer fanden, dass die kurzen Vorträge ihnen zu wenig Tiefe boten, also wuchs das Programm mit.
Aus diesem Feedback wurden konkrete Änderungen. Reguläre Vorträge bekamen fünf Minuten mehr, statt 20 plus fünf jetzt 25 plus fünf, und je nach Rückmeldung können sie künftig noch länger werden. Für erfahrene Praktiker und Entscheider kam ein 100-minütiger Deep Dive dazu, die Masterclass.
Die Masterclasses decken nicht-funktionales Testen, KI und Führung ab. Andrew Browns Session zur Modellierung gehört zum Führungsstrang und zeigt, wie Modellierung Prozesse verbessern und Ergebnisse vorhersagen kann.
Die Speaker’s Corner beantwortet eine andere Kritik. In den Sessions bleibt meist nur Zeit für drei oder vier Fragen, und das Gespräch endet zu früh. In der Speaker’s Corner können Teilnehmer nach dem Vortrag weiterfragen.
So hängen Feedback und Formatänderungen zusammen:
| Feedback der Teilnehmer | Änderung |
|---|---|
| Vorträge waren zu kurz | Reguläre Vorträge auf 25 plus fünf Minuten verlängert |
| Erfahrene Teilnehmer wollten mehr Tiefe | 100-minütige Masterclasses als Deep Dive |
| Zu wenig Zeit für Fragen pro Session | Speaker’s Corner für längere Diskussionen |
| Tester stecken in ihrer Karriere fest | Career Clinic mit Coaching und HR-Unterstützung |
Internationale Speaker in Ungarn bekannt machen
Für die Zukunft gibt es einen Plan: vielversprechende internationale Speaker auf dem ungarischen Markt bekannt machen, bevor sie auf der Hauptbühne stehen. Die Lücke ist real. Starke Namen, die lokal niemand kennt, verkaufen sich schwer, einfach weil das Publikum noch nie von ihnen gehört hat.
Die Idee ist eine Reihe kurzer Online-Mini-Events mit Vorträgen von etwa 20 Minuten, in denen sich potenzielle Speaker vorab vorstellen. So baut die Konferenz einen Pool an Leuten auf, mit denen sie arbeiten will, und macht sie im Vorfeld bekannter.
Wachstum hat auch Grenzen. In Budapest gibt es nur wenige Veranstaltungsorte, die eine Konferenz in der heutigen Größe der HUSTEF fassen. Deshalb sprechen die Organisatoren schon jetzt über Räume und planen die nächste Ausgabe ohne Pause dazwischen.


