Der German Testing Day ist eine unabhängige Fachkonferenz für Softwaretesting, die 2011 gegründet wurde und jährlich in Frankfurt stattfindet. Das Conference Board besteht ausschließlich aus Endanwendern ohne Anbieter- oder Beratungsinteressen. Schwerpunkte sind Praxiserfahrungen, Testautomatisierung und KI-gestütztes Testen, ergänzt durch gesellschaftlich relevante Keynotes und offene Formate wie Open Space und Lean Coffee.
Das Wichtigste in Kürze
- Der German Testing Day wurde 2011 nach dem Vorbild des Swiss Testing Day und Dutch Testing Day gegründet und bewusst als unabhängige, nicht-kommerzielle Community-Konferenz aufgestellt, ohne Anbieter von Software, Werkzeugen oder Beratung im Konferenzboard.
- Das Conference Board setzt sich ausschließlich aus Endanwendern zusammen, von Großunternehmen wie Siemens bis zum Mittelstand, und bewertet eingereichte Vorträge zweistufig: erst den Abstract, dann die fertige Präsentation.
- Die Teilnehmerzahl wuchs von rund 200 bis 250 beim ersten Event in Frankfurt bis auf eine Spitze von 450 Teilnehmern vor der Corona-Pandemie.
- Was als eintägige Veranstaltung startete, umfasst heute anderthalb Tage, weil das Vorabendprogramm wegen hoher Nachfrage schrittweise ausgebaut wurde.
- Unterrepräsentierte Themen wie Usability, User Experience mit modernen Messmethoden und Security Testing nennt das Board als explizit erwünschte Einreichungsfelder für künftige Calls for Papers.
Was ist der German Testing Day?
Der German Testing Day ist eine unabhängige Konferenz für Software-Tester im deutschsprachigen Raum. Gegründet wurde er 2011 von der Schweizer Firma SwissQ, nach dem Vorbild des bereits laufenden Swiss Testing Day und des Dutch Testing Day.
Die Grundidee war von Anfang an, sich von klassischen Firmenkonferenzen abzugrenzen. Statt eines wirtschaftlichen Interesses sollte ein Community-Gedanke im Zentrum stehen. Das spiegelte sich schon in der Struktur: Die Sponsoren benannten unabhängige Leute für das Conference Board, statt selbst die Inhalte zu bestimmen.
Klaus Moritzen ist seit dieser ersten Stunde im Board dabei. Thomas Rinke nahm 2011 zunächst als Teilnehmer teil und zog 2016 ins Conference Board nach. Die Konferenz geht inzwischen in ihr 13. Jahr, mit Pausen.
Warum eine unabhängige Konferenz anders aufgestellt ist
Die Unabhängigkeit prägt die Zusammensetzung des Conference Boards bis heute. Im Board sitzen Endanwender, keine Anbieter von Testwerkzeugen, Dienstleistungen oder Beratung.
Das Spektrum reicht von großen Firmen wie Siemens bis in den Mittelstand. Dazu kamen über die Jahre wissenschaftliche Vertreter, in den letzten Jahren etwas weniger, aktuell vertritt Karin Forsterberg die Wissenschaft im Board.
Diese Mischung sorgt für Praxisnähe. Wer das Programm gestaltet, testet selbst, statt ein Produkt zu verkaufen. Das ist ein konkreter Unterschied, kein Marketing-Versprechen.
Aus einem Tag wurden anderthalb
Der German Testing Day startete als einzelner Tag. Heute umfasst er anderthalb Tage, und die meisten Teilnehmer planen zwei volle Tage ein.
Der Ausbau entstand aus einer praktischen Beobachtung. Viele Leute reisen ohnehin am Vorabend an. Daraus wurde zunächst die German Testing Night mit einem Vortrag und einer Fishbowl-Diskussion als Einstieg.
Weil die eingereichten Beiträge gut waren und nachgefragt wurden, weitete sich das Vorabendprogramm Schritt für Schritt aus. Das führt gelegentlich zu Verwirrung über den Namen: German Testing Day oder German Testing Days. Bei zwei tatsächlich genutzten Tagen lässt sich beides vertreten.
Wie sich Teilnehmerzahlen und Standort entwickelt haben
Die erste Ausgabe in Frankfurt an der Jahrhunderthalle zog rund 200 bis 250 Teilnehmer an. Vor Corona lag die Spitze bei etwa 450.
Dazwischen lag eine Phase als Wanderzirkus. Die Konferenz gastierte in der BMW Welt in München, im Hotel Estrel in Berlin und im Cap Europa in Frankfurt. Der Gedanke dahinter: auch Leute erreichen, die nicht so weit reisen wollen.
Die Suche nach passenden Locations erwies sich als schwierig. Sie brauchen genug Kapazität, müssen technisch und räumlich attraktiv und zugleich bezahlbar sein. Mit dem Cap Europa fand der German Testing Day eine gute Basis. Hinzu kam, dass das Teilnehmeraufkommen in Frankfurt höher ausfällt, vermutlich wegen der besseren Erreichbarkeit und der vielen ansässigen Firmen.
Ein einschneidendes Ereignis fiel früh: SwissQ wollte die Veranstaltung nicht mehr weitertreiben, es gab ein Jahr Ausfall. 2013 übernahm das Conference Board die Konferenz selbst. Melanie Wohner wurde Chair und organisierte die Austragung eigenständig.
Wie Beiträge ausgewählt werden
Der German Testing Day nutzt ein zweistufiges Auswahlverfahren mit fünf Bewertungskriterien. Die Vorträge laufen über ein Tool ein, in dem auch die Bewertung samt aller Statusübergänge stattfindet.
Drei Kriterien sind inhaltlich:
- Erfahrungscharakter: etwas, das jemand tatsächlich gemacht hat, nicht rein Akademisches.
- Innovationsgrad: wie neu der Ansatz ist.
- Nutzen für den Anwender: was die Teilnehmer mitnehmen.
Diese drei werden zuerst auf den Abstract angewendet. Liegt später der Entwurf der Vortragsfolien vor, kommen zwei weitere Kriterien hinzu: Verständlichkeit und Storyline. Erst dann steht die endgültige Auswahl.
Der German Testing Day gibt kein Leitthema vor
Anders als manche Konferenzen schreibt der German Testing Day kein übergreifendes Leitthema fest. Über den Call for Papers werden lediglich Schwerpunkte angeteasert.
KI war in den letzten Jahren ein starker Trend, besonders das Testen von und mit KI. Daneben halten sich Klassiker wie Testdatenmanagement und Testautomatisierung im Programm. Auch Rand-Themen finden Platz: Organisation von Test-Sessions, Ensemble-Testing oder Beiträge zur persönlichen Weiterentwicklung als Tester.
Die Perspektiven im Board auf einzelne Beiträge gehen weit auseinander. Genau diese unterschiedlichen Meinungen helfen, die Balance zu halten, damit das Programm nicht nur aus KI- oder nur aus Testmanagement-Vorträgen besteht. Vielfalt ist ein bewusstes Gestaltungsziel, kein Zufallsprodukt.
Praxisnähe und Mut zum Risiko machen den Unterschied
Die Stärke des German Testing Day liegt in der Kombination aus Unabhängigkeit, Praxisnähe und Offenheit für neue Formate. Das Board akquiriert gezielt Endanwender-Beiträge, geht aber auch mal ins Risiko.
Ein Beispiel: ein finnischer Kinderbuchautor, der Kindern Softwaretesten mit einer Metapher beibrachte, nach der Softwarefehler wie Drachen im Mittelalter sind.
Da kann man sagen, das ist nicht professionell. Aber so etwas muss man auch mal machen. — Klaus Moritzen
Förderung von Diversität gehört dazu, etwa wenn über die Einreichung Young Talents zum Zug kommen. Auch die Keynotes folgen einem festen Muster: typischerweise eine fachliche Keynote zum Softwaretesten und eine mit gesellschaftlicher Relevanz. Themen wie Deep Democracy oder Achtsamkeit liefern den Blick über den Tellerrand, einmal sprach jemand darüber, wie er versehentlich ein Unternehmen gründete und es vollständig demokratisch führte.
Wie der German Testing Day Community schafft
Über die reine Vortragsbeschallung hinaus setzt der German Testing Day auf interaktive Formate. Workshops mit Moderation, Lean Coffees und ein Open Space, bei dem jeder Teilnehmer eigene Themen einbringen kann, gehören dazu.
Auch die innovativen Formate aus der Weiterentwicklung der Konferenz zahlen darauf ein: Lightning Talks, Pecha Kucha und World Café.
Der Kontakt soll übers Jahr ausstrahlen, etwa über die German Testing Night und einzelne Veranstaltungen zwischen den Konferenzen. An diesem Punkt sehen die Verantwortlichen selbst noch Luft nach oben. Mehr unterjährige Formate, niedrigschwellige Gelegenheiten zum lockeren Vorbeischauen, das steht auf der Agenda, kommt aber bislang nur zögerlich voran.
Was die nächste Ausgabe prägt
Im Programm-Mix dominiert KI, also Testen mit und von KI. Dazu kommen bewährte Techniken wie Testautomatisierung, Continuous Integration und DevOps.
Die Keynotes bleiben für viele das Highlight. Angekündigt ist unter anderem eine Unternehmensgründerin aus Estland, die ein komplett virtuelles Unternehmen führt und mehrfach für Entrepreneurship ausgezeichnet wurde. Die Vorabend-Keynote wird szenisch besonders ausfallen, weniger typisch für eine traditionellere Testkonferenz.
Der German Testing Day findet am 7. und 8. Mai in Frankfurt statt.
Wo der German Testing Day hin will
Die Hauptkonferenz mit anderthalb Tagen gilt als gelungenes Format und soll nicht auf zwei oder drei Tage ausgeweitet werden. Eine Ausweitung würde die Struktur verändern, etwa mit halbtägigen Workshops oder Tutorials, wie sie der Eurostar über eine ganze Woche streckt.
Stattdessen liegt der Fokus auf mehr unterjährigen German Testing Nights und möglicherweise einem eigenen regelmäßigen Format. Als Vorbild dient das Test Time Out vom Eurostar: alle zwei Wochen, freitags um 11 Uhr, ein viertelstündiger Beitrag eines einzelnen Sprechers. Über solche Formate lassen sich auch künftige Keynote-Speaker kennenlernen.
Ein klares Ziel ist, aus Teilnehmern Speaker zu machen. Wer einmal dabei war, soll sich trauen, selbst etwas zu teilen, statt nur zu konsumieren. Persönliche Ansprache hat das bei einigen schon erreicht.
Die größere Herausforderung bleibt die Bindung. Bei vielen Konferenzen gibt es einen harten Kern, der jedes Jahr kommt, während rund die Hälfte der Teilnehmer neu ist. Diese Neuen zum Wiederkommen zu bewegen, ist die Aufgabe, die unterjährige Formate lösen sollen.
Welche Themen noch fehlen
Einige Themen sind aus Sicht des Boards unterrepräsentiert, obwohl sie es wert wären. Usability und User Experience könnten tiefer behandelt werden, etwa mit modernen Methoden wie Eye Tracking oder konkreten Messungen.
Auch Non-Functional Testing und Security Testing kommen zu kurz, obwohl viele Unternehmen dafür interne Vorschriften und Prozesse haben. Dazu wünscht sich das Board originelle, einzigartige Beiträge, wie eben den Kinderbuchautor, die sich vorab gar nicht planen lassen.
Über das Thema hinaus zählt vor allem die Art der Präsentation. Beiträge, die persönliche Weiterentwicklung zeigen, haben in den letzten Jahren besonders getragen: wie man testen lernt, wie man seine Rolle neu ausprägt, wie man andere ansteckt, sich ebenfalls weiterzuentwickeln. Wer stolz auf etwas ist und es teilen will, ist beim Call for Papers genau richtig.


