Das Backoffice der drei deutschsprachigen ISTQB-Boards, dem German Testing Board, Austrian Testing Board und Swiss Testing Board, bündelt alle organisatorischen Aufgaben an einer einzigen Stelle. Dazu gehören Akkreditierungen, Mitgliederkommunikation, Wirtschaftsplanung und die Meldung von Prüfungszahlen ans ISTQB. Die Boards selbst bestehen ausschließlich aus Ehrenamtlichen, die neben ihrem Hauptberuf Lehrpläne reviewen und Prüfungsfragen erstellen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die drei deutschsprachigen ISTQB-Boards (GTB, ATB, STB) werden ausschließlich von Ehrenamtlichen getragen, die neben einem Vollzeitjob Lehrpläne reviewen, Prüfungsfragen erstellen und den Standard voranbringen.
- Ein gemeinsames Backoffice für alle drei DACH-Boards bringt konkrete Synergieeffekte: Akkreditierungen liegen in einer Hand, und aufwändige Abstimmungen zwischen den Boards entfallen.
- Neue Mitglieder starten nie bei 100 Prozent Leistung, trotzdem brauchen die Boards dringend jüngere Kräfte, weil einige Positionen seit langer Zeit mit denselben Personen besetzt sind.
- Schweiz, Österreich und Deutschland unterscheiden sich im Board-Alltag spürbar: Die Schweiz entscheidet langsam, aber dann verlässlich; Österreich bringt Wiener Kaffeehauscharme mit; Deutschland arbeitet sachlich und detailversessen.
Wer die Testing Boards am Laufen hält
Die drei deutschsprachigen Testing Boards, das German Testing Board, das Austrian Testing Board und das Swiss Testing Board, arbeiten mit einem gemeinsamen Backoffice. Diese Stelle bündelt alle Fäden, die bei drei ehrenamtlich geführten Vereinen sonst ins Leere liefen.
Die Boards sind die deutschsprachigen Vertretungen des ISTQB. Ihre Mitglieder sind ehrenamtlich tätige Privatpersonen, die sich zusammengeschlossen haben und tagsüber in ihren eigentlichen Jobs stecken. Genau darin liegt das Problem, das ein Backoffice löst: Da kann tagsüber niemand ans Telefon.
Andrea Kränzlein betreut dieses Backoffice seit 20 Jahren für das German Testing Board, seit 13 Jahren für das Swiss Testing Board und seit 12 Jahren für das Austrian Testing Board. Bei ihr laufen die Anfragen von Trainingsprovidern, Akkreditierungen und Endanwendern auf.
Warum ein gemeinsames Backoffice die Boards effizienter macht
Der Zusammenschluss auf ein gemeinsames Backoffice hat den drei Boards messbare Synergieeffekte gebracht. Statt fünffachem Hin und Her zwischen den Ländern liegen bestimmte Aufgabenbereiche jetzt in einer Hand.
Ein Beispiel sind Akkreditierungen. Fragt ein Board, ob und wie lange ein Trainingsprovider bei einem Nachbarland akkreditiert ist, muss darüber nichts mehr abgestimmt werden. Ein Blick in die zentrale Datei reicht.
Die Idee dahinter: Jedes Board behält seine Hoheit, nutzt aber dieselbe Verwaltungsstruktur. Das spart Ressourcen, personell wie finanziell, ohne dass ein Board seine Eigenständigkeit aufgibt.
Was das Backoffice konkret übernimmt
Das Backoffice ist die zentrale Kontaktstelle für alle drei Boards. Es leitet Anfragen weiter, wahrt dabei aber strikte Objektivität.
Ein Tester, der eine Prüfung ablegen will, informiert sich über die Backoffice-Kontaktadresse und wird von dort an die Zertifizierungsstelle weitergeleitet. Eine Empfehlung für einen bestimmten Trainingsprovider gibt es nicht. Diese Neutralität ist Prinzip, kein Zufall.
Zu den Aufgaben gehören außerdem:
- Kontakt zu Trainingsprovidern bei Problemen und Akkreditierungen
- Buchhaltung und Aufstellung der Wirtschaftspläne
- Organisation der Meetings, inklusive großer Veranstaltungen wie eines ISTQB-Meetings
- Meldung der Prüfungszahlen der drei Boards an das ISTQB
Die Meldung der Prüfungszahlen ist mehr als Formalität. Von diesen Zahlen finanziert sich das ISTQB.
Ehrenamt heißt: Vollzeitjob plus Boardarbeit
Die Boardarbeit ist Ehrenamt, geleistet von Menschen, die im Beruf stehen. Sie machen die Arbeit in ihrer Freizeit, oft zusätzlich zu einem Vollzeitjob.
Das wird von außen leicht unterschätzt. Rund um die Zertifizierung verdienen Trainingsanbieter mit Kursen und Zertifizierungsstellen mit Prüfungen Geld. Der Kern der Boardarbeit selbst aber ist unbezahltes Engagement, vergleichbar mit anderen Vereinsstrukturen, nur mit deutlich mehr fachlicher Substanz.
Was diese Ehrenamtlichen leisten, ist inhaltliche Facharbeit: Lehrpläne reviewen, Prüfungsfragen erstellen, das ISTQB-Thema nach außen tragen. Das nebenher zu stemmen, verlangt viel Lebenszeit und ein hohes Maß an Verantwortung.
Die DACH-Boards arbeiten enger zusammen als der Rest der Welt
Die drei deutschsprachigen Boards kochen nicht jeder ihr eigenes Süppchen. Sie tauschen sich regelmäßig aus und treffen sich einmal im Jahr in der Dreierkonstellation, um an gemeinsamen Themen zu arbeiten.
Der Grund ist ein gemeinsamer Markt mit eigenen Anforderungen. Themen, die in Mitteleuropa relevant sind, funktionieren hier anders als in Indien, den USA oder in Boards auf anderen Kontinenten. An diesen Themen lässt sich im DACH-Verbund gezielter arbeiten.
Ein aktuelles Beispiel für einen echten Umbruch ist das Thema KI. Es verändert die Diskussion in den Boards spürbar, von der Frage, wohin sich Lehrpläne entwickeln, bis zu dem, was künftig geprüft wird.
Wie ein Running Gag Meetings pünktlich hält
In Meetings mit vielen Beteiligten gibt es ein wiederkehrendes Problem: Wer einmal das Rederecht hat, hört manchmal nicht mehr auf. Genau hier setzt ein Timeboxing an, das die Boards spielerisch gelöst haben.
Eine sogenannte Muhdose, ein Kinderspielzeug, das beim Umdrehen ein Geräusch macht, dient als Zeitmaschine. Wer fünf Minuten Redezeit hat und sie überzieht, bekommt die Muhdose. Ein Ehrenmitglied verantwortet sie in jedem Meeting.
Der Effekt ist zweifach. Die Zeitdisziplin steigt, und aus der Zeitmaschine ist ein fester Ritual-Gag geworden, nach dem vor jedem Meeting gefragt wird. Der Punkt dahinter: Boardarbeit muss nicht bierernst sein, um wirksam zu sein.
Warum die Boards jüngere Mitwirkende brauchen
Die Boards profitieren davon, wenn erfahrene Mitglieder Verantwortung abgeben und jüngere Leute nachrücken. Diese Öffnung ist ein Wunsch für die Zukunft, kein Selbstläufer.
Das Argument gegen die Sorge, Neue könnten Aufgaben nicht sofort perfekt erfüllen, ist einfach: Niemand hat mit hundert Prozent angefangen. Jeder hat irgendwann angefangen und sich eingearbeitet.
Dazu gehört auch, gewachsene Altersstrukturen zu hinterfragen. Sitzt jemand sehr lange auf einer Rolle, kann es sinnvoll sein, sie weiterzugeben und Ressourcen freizumachen, personell wie finanziell.
Für die Community heißt das konkret: Wer in einem der drei Boards mitwirken will, kann sich per E-Mail beim Backoffice melden und wird von dort an das passende Board weitergeleitet. Helfende Hände und Köpfe sind willkommen.


