Barrierefreiheit
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Automatisierte Tests decken bei digitaler Barrierefreiheit maximal 57 Prozent der Anforderungen ab – der Rest braucht menschliche Intelligenz und Erfahrung. Ab 2025 wird Barrierefreiheit für viele Unternehmen zur gesetzlichen Pflicht, doch wer sie nur als Compliance-Thema versteht, übersieht massive Vorteile: bessere Usability für alle, höhere Conversion-Raten und verbesserte Suchmaschinenrankings. Software Testing muss Barrierefreiheit von Anfang an mitdenken – nicht als nachträglichen Audit mit hundertseitigem Report, sondern als integralen Bestandteil von Styleguides, Pattern Libraries und Testautomatisierung.
Podcast Episode: Barrierefreiheit
Barrierefreiheit ermöglicht Teilhabe. Jeder kennt die Rampe für den Rollstuhl oder die Bodenleitsysteme für blinde Menschen an Fußgängerüberwegen und am Bahnhof. Unsere digitale Welt wird nicht nur immer größer, sondern die Teilhabe an dieser Welt wird immer unumgänglicher. Damit auch Menschen mit Beeinträchtigungen teilhaben können, gibt es die digitale Barrierefreiheit. Wie genau das aussieht, was Barrierefreiheit für die Entwicklung und das Testen von Software bedeutet und warum es vorteilhaft ist, barrierefreie Software zu entwickeln (bzw. bereits bestehende Software barrierefrei zu machen), erzählen uns die Expertinnen Lisa und Myria.
„Wir würden uns wünschen, dass es einfach ein Standard wird und nicht nur macht, weil es Gesetzeshalter vorschreibt.” - Myria Pflaum, Lisa Amrhein
Myria Pflaum ist seit 2017 bei der imbus AG und als Senior Software Quality Engineer tätig. In dieser Zeit war sie in unterschiedlichen Branchen in den Bereichen Testautomatisierung, Barrierefreiheit, Mobile App Test, Explorativer Test und als Projektleitung tätig. Inzwischen beschäftigt sie sich hauptsächlich mit der entwicklungsbegleitenden Beratung zu digitaler Barrierefreiheit, dem Test auf digitale Barrierefreiheit und hält Workshops zum Thema digitale Barrierefreiheit.
Lisa Amrhein studierte Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Ansbach bis 2020. Seitdem arbeitet sie als Software Quality Engineer bei imbus. Von Beginn an hat Sie sich dem Thema “digitale Barrierefreiheit” gewidmet und Testduchführungen in diesem Bereich in mehreren Projekten durchgeführt. Heute ist Lisa Amrhein in Kundenprojekten nicht nur als Softwaretesterin tätig, sondern auch beratend und hält Workshops rund um das Thema digitale Barrierefreiheit.
Highlights der Episode
- Barrierefreiheit ist ab 2025 gesetzliche Pflicht für Privatunternehmen – nicht nur öffentliche Stellen.
- Automatisierte Tests decken nur 57% der Barrierefreiheit ab – manuelles Testen bleibt unverzichtbar.
- Barrierefreiheit von Anfang an einbauen: Styleguides und Pattern Libraries barrierefrei gestalten verhindert nachträgliche Rework-Orgien.
- Barrierefreiheit ist kein Nischen-Feature: Kontraste, Tastaturnavigation und klare Struktur helfen allen Nutzern.
- Stichprobentest mit Experten als Einstieg: Zwei bis drei Seiten testen lassen schafft Bewusstsein.
Barrierefreiheit: Ein Muss für jedes digitale Produkt
In dieser Podcast-Episode tauchen wir in das Thema Barrierefreiheit ein und diskutieren, wie Softwareentwicklungsteams und Unternehmen Barrierefreiheit umsetzen können. Mit den Expertinnen Myria Pflaum und Lisa Anrhein beleuchten wir, was Barrierefreiheit bedeutet, warum sie heute so wichtig ist und geben praktische Tipps, wie man in die Umsetzung starten kann.
Ein dringend benötigtes Gespräch
Das heutige Thema dreht sich um etwas, das in euren Feedback-Mails immer wieder zur Sprache kam: Barrierefreiheit. Und wer könnte besser geeignet sein, dieses komplexe Thema zu entwirren als unsere Gäste Myria Pflaum und Lisa Amrhein, beide Expertinnen auf diesem Gebiet? Wir werden zusammen erforschen, was Barrierefreiheit eigentlich bedeutet, warum es gerade jetzt an Brisanz gewinnt und wie wir als Softwareentwickler und Unternehmen dafür sorgen können, dass unsere Produkte für jeden zugänglich sind.
Was bedeutet Barrierefreiheit wirklich?
Digitale Barrierefreiheit mag für viele noch ein neues Konzept sein. Doch im Grunde genommen geht es darum, digitale Produkte so zu gestalten, dass sie von jedem genutzt werden können – unabhängig von körperlichen Einschränkungen. Wie Lisa erläutert, bezieht sich dies nicht nur auf offensichtliche physische Barrieren, sondern auch auf die Zugänglichkeit von Webseiten, Anwendungen und Software für Menschen mit unterschiedlichen Arten von Beeinträchtigungen.
Fünf Nutzergruppen im Fokus
Die digitale Welt zu einem barrierefreien Ort zu machen bedeutet, die Bedürfnisse aller Nutzer zu berücksichtigen. Lisa teilt diese Nutzer in fünf Hauptgruppen auf: blinde Nutzer, sehbeeinträchtigte Nutzer, motorisch beeinträchtigte Nutzer, kognitiv beeinträchtigte Nutzer und auditiv beeinträchtigte Nutzer. Jede Gruppe hat ihre eigenen Herausforderungen bei der Nutzung digitaler Medien, was darauf hinweist, dass eine ‘One-Size-Fits-All’-Lösung hier nicht funktionieren wird.
Gesetzliche Vorgaben als Treiber für Veränderung
Wie Lisa weiter erklärt, sind öffentliche Stellen in Deutschland bereits seit 2021 dazu verpflichtet, ihre digitalen Produkte barrierefrei zu gestalten. Dies wird ab 2025 durch den European Accessibility Act auch auf private Unternehmen ausgeweitet. Dieser rechtliche Rahmen soll nicht nur dazu dienen, Unternehmen zur Umsetzung von Barrierefreiheit zu bewegen. Vielmehr soll er ein Bewusstsein dafür schaffen, dass digitale Barrierefreiheit ein grundlegendes Recht aller Nutzer ist.
Praktische Schritte zur Implementierung
Für Entwickler könnte die Umsetzung von Barrierefreiheitsrichtlinien eine Herausforderung darstellen. Doch wie Lisa betont, ist es entscheidend, barrierefreie Praktiken frühzeitig im Entwicklungsprozess zu integrieren. Dazu gehören die Berücksichtigung von Kontrastverhältnissen in Design-Guidelines sowie die Sicherstellung der Tastaturbedienbarkeit für Screenreader-Nutzer. Ebenfalls wichtig ist die Schulung des Entwicklungsteams hinsichtlich der Anforderungen an Barrierefreiheit.
Barrierefreiheit testen – aber richtig
Ein zentraler Aspekt ist das Testen auf Barrierefreiheit. Automatisierte Tests können viele Barrieren aufdecken, doch wie Lisa hervorhebt, erfordern bestimmte Aspekte menschliches Urteilsvermögen. Die Zusammenarbeit mit echten Nutzern aus den verschiedenen Zielgruppen ist entscheidend für ein umfassendes Verständnis der Usability aus deren Perspektive.
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