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Es ist jetzt die Zeit für "richtiges" Agile

Agile erzeugt heute mehr Augenrollen als Motivation. Warum genau jetzt die Zeit für richtiges Agile ist: individuell, menschlich, lernend.

3 Min. Lesezeit

“Agilität ist etwas sehr sehr Individuelles.” - Richard Seidl

Frustration macht sich breit. Agile erzeugt heute mehr Augenrollen und Naserümpfen als Freude und Motivation. Wir bekommens zwar nicht so mit, weil wir nur mehr an unseren Prompts und Agents rumschrauben - aber dahinter brodelt es. Und das schon länger.

Warum ist das so? Wir Menschen möchten einfache Lösungen für Herausforderungen. Und eine der größten Herausforderungen in der Softwareentwicklung war schon immer: Wie arbeiten wir mit Freude, motiviert und produktiv zusammen? Wie bekommen wir grundlegende Bedürfnisse wie Selbstwirksamkeit, Individualismus und Zugehörigkeit in Balance, um Emergenz zu schaffen?

Und einfache Lösungen bietet uns da die Berater- und Werkzeugbranche: Kaufe dieses Tool, es löst deine Probleme! Nutze dieses Framework! Implementiere dieses Modell! Und so haben wir mit Energie Dinge wie Testautomatisierung, Scrum, Kanban, SAFe, DevOps, NewWork, etc. auf unsere Herausforderungen geworfen, in der Hoffnung sie verschwinden. Tun sie aber nicht. Ach, und jetzt haben wir noch KI: Schmeißen wir auch noch drauf, um mit etwas Einfachem, Technischem unsere menschlichen “Probleme” zu lösen.

Nicht falsch verstehen, da sind ganz tolle Sachen drinnen, die auch alle ihren Wert haben, aber wenn ich auf das Agile Manifest schaue, glaube ich nicht, dass das damit gemeint war.

Für mich geht es da um Kommunikation und Zwischenmenschlichkeit. Wie schaffen wir ein Verständnis? Wie arbeiten wir wertschätzend zusammen? Und vor allem: Wie werden wir ein selbstlernendes System, das seine eigenen, ganz individuellen Prozesse, Rituale und Strategien entwickelt? Ich glaube, Agilität ist für Teams etwas hoch Individuelles. Es ist ein Ziel. Es ist ein Prozess, der sich ständig wandelt und an die Bedürfnisse anpasst. Da passen so starre Konzepte nicht rein, wie: Du musst jetzt ein 15-Minuten-Daily machen, diese und jene Sprints haben und mit Story Points um dich werfen. Diese Dinge können Inspiration sein, ein Buffet an Best Practices, die anderswo gut funktioniert haben. Das heißt aber nicht, dass es bei uns funktioniert.

Warum ist das jetzt besonders wichtig?

Seit ein paar Jahren ist nun KI mit von der Partie. Wir fokussieren da gerade auf etwas sehr sehr Technisches und lassen etwas anderes außen vor: uns Menschen. Und das ist fatal, denn im Endeffekt ist das viel wichtiger als der technische Part.

Bei aller Liebe zum Prompting und Claude Coding - wir müssen auf uns und unser Umfeld achten.

Und genau da kommt Agile ins Spiel. Ich glaube nicht, dass Agile tot ist. Ganz im Gegenteil, es ist an der Zeit, dass wir es “richtig” machen. Und richtig ist für jedes Team was anderes. Vielleicht dürfen wir es nicht mehr so nennen, dann finden wir einen anderen Namen dafür. Aber ums Umsetzen der Ideen und der Haltung werden wir nicht herumkommen, wenn wir künftig noch gut zusammenarbeiten wollen.

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