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Warum „Mach doch einfach“ oft so schwer ist

Warum ist es so schwer, Verantwortung zu übernehmen? Verändere unbewusste Muster für bewusste Entscheidungen. Entdecke die Zusammenhänge!

Aktualisiert: 5 Min. Lesezeit
Linienzeichnung eines Pfeils, der sich aus einem lockeren Knoten schlaufender Linien löst und geradeaus weiterzeigt.

Erinnern Sie sich noch an meine Gedanken zum “Wollen wollen”? Es ging darum, eine Haltung und einen Kontext für Neues zu etablieren – zum Beispiel Agilität. Und dass es für die Entwicklung dieser Kultur Zeit und Geduld braucht. Im Nachgang dazu kam immer wieder die Frage, warum manchen Veränderung so gut gelingt – und sich andere so schwer damit tun.

Um es konkret zu machen, stellen wir uns drei Unternehmen vor. Der Chef kommt euphorisch von der Konferenz und sagt: “DevOps löst alle unsere Probleme. Setzt das um.” Die Teams der drei Unternehmen finden das auch gut und starten. Team A läuft los, probiert und bringt nach einer Woche erste Ergebnisse. Team B setzt sich ran, arbeitet sich durch, hat immer wieder Rückschläge. Aber nach einem halben Jahr ist auch hier DevOps etabliert. Team C bricht nach einem Jahr Meetings, Verantwortungsgerangel und Frust das Vorhaben ab. Sapperlot, wie konnte das passieren? Natürlich gibt es da nicht DIE eine Ursache – und glauben Sie bitte keinem, der etwas anderes behauptet. Auch mir nicht!

Heute möchte ich gerne eine weitere Perspektive dazu aufmachen – eine biologisch-philosophische. Die auch ein bisschen richtig ist, so wie die anderen.

Das Hirn

Machen wir mal ein Modell unserer Datenverarbeitung auf: Ein Datenstrom mit einer unfassbaren Menge an Sinneseindrücken strömt ständig auf uns ein – Bilder, Geräusche, Gerüche usw. Unser bewusstes Denken hat aber bei Weitem nicht die Kapazität, all das zu verarbeiten (versuchen Sie mal einen 4k-Film auf einem 386er zu decodieren – das wird nix).
Gut, dass wir davor noch einen Filter haben, der unbewusst arbeitet. Der schaut bei jedem Bit und Byte unheimlich schnell nach:

  • Ist das was Neues oder was Bekanntes?
  • Ist das wichtig oder unwichtig?
    Vieles wird dann verworfen oder automatisch verarbeitet. Kommt das Unbewusste aber zur Einschätzung: Es ist neu, es ist wichtig, aber ich kann nix damit anfangen und wir müssen uns damit beschäftigen, dann wird der Task an den bewussten Geist übergeben. kümmer’ du dich darum. Die Sondierung dauert ca. 300ms, geht also recht flott.
    Das Unbewusste ist subjektiv und sehr schlau – es lernt ständig mit. Immer. Ohne Unterbrechung. Im Sandkasten, auf der Schulbank, beim ersten Kuss, der ersten Trennung, im Job, zu Hause und im Urlaub – jede Erfahrung fließt in das System ein und bestimmt die nächsten Filter-Runden mit.

Der fast freie Wille

Zwar können wir im Bewussten ganz frei und groß entscheiden, was wir tun und wie wir uns verhalten. Aber eben auch nur in dem Rahmen, den das Unbewusste durch Filterei und Wahrnehmung zulässt. Es bastelt das ganze Leben lang an unserer ganz eigenen individuellen Realität – und in dieser können wir uns frei bewegen und unser Handeln bewusst steuern.
Arthur Schopenhauer hat dazu den treffenden Satz geprägt:

“Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.” - Arthur Schopenhauer

Und wenn wir also an unserem Wollen wollen arbeiten “wollen”, dann geht das über das Unbewusste – und das heißt: Erfahrungen machen, Erfahrungen machen, Erfahrungen machen.
Wenn ich nun mein Leben lang unbewusst gelernt habe, dass Veränderung supertoll ist, fällt mir die Umsetzung ins Tun leicht. Wenn ich Stabilität als Erfolg sehe, dafür umso schwerer.

Gruppenbildung

Und unsere drei Teams? Nun, gleich und gleich gesellt sich gerne – auch unbewusst. Wir rotten uns mit denen zusammen, die so ticken wie wir (auch das hat sich zur Säbelzahnzeit schon bewährt). Vielleicht verbindet uns die Vision – oder der sichere Arbeitsplatz. Die Neugier zur Technik oder auf Menschen. Das System findet sich.
In einem traditionellen Unternehmen, wo jahrzehntelang das Gleiche gemacht wurde, wird ein “Ab jetzt DevOps” nicht frenetische Chöre hervorbringen. Auch wenn man es gemeinsam tun will. Unternehmen, die seit jeher Selbstorganisation groß schreiben, ziehen auch selbstorganisierte Menschen an. Der Rahmen fürs Entscheiden zum Tun ist ähnlich und DevOps oder Agilität schneller umgesetzt.
Mit purem Tun wollen ist Veränderung also nicht getan. Wir stehen heute da, wo wir stehen, als Summe unserer Erfahrungen in der Vergangenheit. Jeder für sich und im Zusammenschluss als Team oder Unternehmen.

Häufig gestellte Fragen

Warum gelingt einem Team die Umstellung auf DevOps in Wochen und einem anderen überhaupt nicht?

Es gibt nicht die eine Ursache. Der Artikel stellt drei Teams mit identischem Auftrag gegenüber: eines zeigte nach einer Woche erste Ergebnisse, eines brauchte trotz Rückschlägen ein halbes Jahr, das dritte brach nach einem Jahr voller Meetings, Verantwortungsgerangel und Frust ab. Der Unterschied liegt in den Erfahrungen, die Menschen und Organisation vorher gesammelt haben.

Warum scheitert eine Veränderung, obwohl alle Beteiligten sie eigentlich gut finden?

Bewusste Zustimmung reicht nicht. Das bewusste Entscheiden bewegt sich nur in dem Rahmen, den das Unbewusste durch seine Filter zulässt. Wer jahrzehntelang gelernt hat, dass Stabilität Erfolg bedeutet, tut sich mit der Umsetzung schwer, auch bei ehrlichem Willen. Mit purem Tun-Wollen ist Veränderung nicht getan.

Wie entscheidet das Gehirn, welche Eindrücke überhaupt ins bewusste Denken kommen?

Ein unbewusster Filter prüft jeden Eindruck auf zwei Fragen: neu oder bekannt, wichtig oder unwichtig. Vieles wird verworfen oder automatisch verarbeitet. Nur was neu und wichtig ist und sich nicht automatisch einordnen lässt, wird an den bewussten Geist übergeben. Diese Sondierung dauert etwa 300 Millisekunden.

Was bedeutet Schopenhauers Satz über das Wollen für Veränderungsvorhaben?

“Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.” Das Wollen selbst ist also nicht frei wählbar, es entsteht im Unbewussten. Für Veränderungsvorhaben folgt daraus: Verhalten lässt sich anordnen, das dahinterliegende Wollen nur über Erfahrungen beeinflussen. Und das braucht Zeit und Geduld.

Lässt sich eine neue Haltung im Unternehmen per Ansage von oben herstellen?

Nein. Das Unbewusste lernt aus Erfahrung, nicht aus Anweisungen, und zwar durchgehend: im Sandkasten, auf der Schulbank, im Job, zu Hause. Ein “DevOps löst alle unsere Probleme, setzt das um”, euphorisch von einer Konferenz mitgebracht, verändert die Filter nicht, durch die die Beteiligten die neue Arbeitsweise wahrnehmen.

Warum ticken die Menschen in einem Unternehmen oft auffallend ähnlich?

Gleich und gleich gesellt sich gerne, auch unbewusst. Menschen schließen sich denen an, die ähnlich funktionieren, verbunden etwa durch eine Vision, den sicheren Arbeitsplatz oder die Neugier auf Technik. Unternehmen, die Selbstorganisation seit jeher großschreiben, ziehen selbstorganisierte Menschen an. Der Entscheidungsrahmen ist dort ähnlich, und Neues wird schneller umgesetzt.

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