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Vom Developer zum Test Automation Engineer - Richard Seidl

Geschrieben von Richard Seidl | 14.04.2026

Der Wechsel von der Softwareentwicklung zur Testautomatisierung bringt Clean Code und Design Patterns mit – aber nicht den Instinkt, wo Fehler lauern. Wer als Tester ohne Programmier-Background in die Automatisierung einsteigen will, sollte nicht mit Tools beginnen, sondern mit Prinzipien: kleine Scripts für wiederkehrende Aufgaben, keine Tool-Gläubigkeit. Und während KI-gestützte Test-Tools Wunder versprechen, zeigt die Praxis: Wenn Maschinen den Code schreiben, wird Software Testing nicht überflüssig – sondern unverzichtbar.

Podcast Episode: Vom Developer zum Test Automation Engineer

In dieser Episode spreche ich mit Benjamin Bischoff über seinen Weg vom Webentwickler zum Test Automation Engineer – und warum dieser Perspektivwechsel alles verändert hat. Benjamin erklärt, welchen entscheidenden Vorteil Entwickler in der Testautomatisierung haben, aber auch wo ihre blinden Flecken liegen. Wir sprechen darüber, warum Selenium trotz Playwright-Hype seine Berechtigung hat, wie man als Tester ohne Programmier-Hintergrund in die Automatisierung einsteigt und weshalb KI die Rolle des Software Testing nicht ersetzt, sondern dramatisch aufwertet. Am Ende steht eine klare These: Wenn künftig KI den Großteil des Codes schreibt, wird Testen zur kritischsten Disziplin überhaupt.

„Testsoftware ist auch Software und muss genau den gleichen Prinzipien folgen wie die Applikation unter Test." - Benjamin Bischoff

Nach 15 Jahren als Softwareentwickler und Trainer wechselte Benjamin Bischoff 2016 in den Bereich der Testautomatisierung. Derzeit arbeitet er als Test Automation Engineer bei trivago N.V. in Düsseldorf und konzentriert sich dort hauptsächlich auf Backend- und Frontend-Testtechnologien und -Pipelines. Benjamin ist Autor des Buches „Writing API Tests With Karate” und betreut einige Open-Source-Projekte im Bereich Softwaretesting und Reporting. Er hält regelmäßig Vorträge auf Konferenzen und schreibt auf seiner Website softwaretester.blog Beiträge über Testen, Automatisierung und Software-Craftsmanship.

Highlights der Episode

  • Testautomatisierungs-Code ist Software – Clean Code und Design Patterns sind Pflicht, nicht optional.
  • Prinzipien lernen, nicht Tools: Wer Playwright kann, versteht nicht automatisch gute Automatisierung.
  • KI wird massenhaft schlechte Software erzeugen – Testen wird dann erst richtig wichtig.
  • Der ideale Test Automation Engineer kombiniert Entwicklungs-Skills mit Testmethodik, nicht nur eins davon.
  • Selenium ist nicht uncool, sondern reif – es definiert W3C-Standards, die andere Tools nutzen.

Vom Entwickler zum Tester: Ein Weg zur besseren Softwarequalität

Viele denken, gute Software entsteht, wenn talentierte Entwickler am Werk sind. Doch Qualität ist mehr als nur gut geschriebener Code. Im Podcast Software Testing spricht Richie mit Benjamin Bischoff darüber, wie sein Interesse für Testen schon in der Schulzeit begann. Nach der Ausbildung zum Fachinformatiker und einigen Stationen als Webentwickler landete Benjamin in der Spielebranche und kam dort zum ersten Mal mit QA und Testprozessen in Kontakt.

Er merkte, dass Software nicht nur gebaut, sondern auch gründlich getestet werden muss, um fehlerfrei und nutzerfreundlich zu sein. Die Begeisterung für Tools wie Selenium hat ihn schließlich zum Wechsel in die Testautomatisierung bewegt. Seit fast zehn Jahren arbeitet Benjamin nun als Test Automation Engineer und hilft dabei, qualitätsvolle Software zu entwickeln.

Was unterscheidet Entwickler und Tester?

Richie fragt: Was bringt ein Entwickler mit, der in die Testautomatisierung wechselt? Benjamin erklärt, dass Entwickler viel über Clean-Code-Prinzipien und Design Patterns wissen. Sie achten darauf, dass der Automatisierungscode genauso hochwertig ist wie die eigentliche Anwendung.

Tester, die aus dem explorativen Testen kommen, bringen ein gutes Gespür fürs Finden von Fehlern mit. Aber manchmal fehlt das tiefe technische Wissen, um robuste und wartbare Automatisierungslösungen zu bauen. Ideal wird es, wenn beide Seiten eng zusammenarbeiten: Tester lernen von Entwicklern, Entwickler von Testern. So profitiert das Team von beiden Kompetenzen und kann Software besser und schneller verbessern.

Tools: Bleibt Selenium relevant?

Aktuell schwärmen viele für Tools wie Cypress oder Playwright. Benjamin bleibt aber bei Selenium, weil er das Werkzeug in- und auswendig kennt und es gerade für Browser- und Mobiltests viele Vorteile bringt. Er weist darauf hin, dass Selenium nicht nur ein Tool, sondern auch ein Standardsetzer für die Automatisierung ist. Es entwickelt sich weiter, auch wenn neue Tools einen Hype erleben.

Es ist wichtig, nicht jedem Trend blind zu folgen. Wer tief im Tool steckt, kennt die Schwächen und Vorteile. Und gerade bei langfristigen Testprojekten ist die Stabilität und Erweiterbarkeit von Selenium ein klarer Vorteil.

Lernen: Der Einstieg in Testautomatisierung

Wie kommt man ins Testen rein, wenn man eher fachlich oder explorativ testet? Benjamin empfiehlt, die technischen Prinzipien zu lernen, nicht zuerst das Tool. Clean Code, Design Patterns und Software Craftsmanship sind wichtige Grundlagen. Kleine Skripte, Automatisierungen im Alltag, helfen beim Start.

Wer einfach das populärste Tool nimmt, lernt zwar dessen Bedienung, aber nicht die dahinterliegenden Konzepte. Die Programmiersprache ist dabei zweitrangig. Entscheidend ist das Verständnis für Softwareentwicklung und sauberen Code. Wer als Tester im Software-Lifecycle arbeitet, hat ohnehin Grundkenntnisse und kann diese vertiefen.

KI: Werden Jobs ersetzt?

Künstliche Intelligenz verändert gerade vieles. Benjamin schildert, wie sein Team verschiedene KI-Tools einsetzt, um sich zu unterstützen: Copilot, Claude oder CodeRabbit. Doch Versprechen, dass KI das Testteam ersetzt, hält er für überzogen. Viele Tools kochen nur mit Wasser. Es wird zwar mehr KI-Unterstützung geben, aber der Testbereich gewinnt gerade dann an Bedeutung, wenn immer mehr Code automatisiert erzeugt wird und die Qualität schwer einzuschätzen ist.

Der Wechsel vom Entwickler zum Test Automation Engineer zeigt, wie wichtig verschiedene Blickwinkel bei der Qualitätssicherung sind. Wenn beide Seiten zusammenarbeiten, entstehen bessere Softwarelösungen. Technik allein genügt nicht – Prinzipien, Zusammenarbeit und kontinuierliches Lernen sind entscheidend. Die Rolle entwickelt sich weiter, aber das Ziel bleibt: Software, die zuverlässig funktioniert und den Nutzern Freude macht.