Moderne Softwarearbeit braucht Tester, die mit Neugierde und Geschick vorangehen. Die Rolle bewegt sich vom Gatekeeper zum Partner bei der Umsetzung. Gute Tester stellen scharfe Fragen, teilen ihr Wissen und helfen den Teams, Silos zu durchbrechen. Sie streben nach Ergebnissen, nicht nach eitlen KPIs. Sie greifen frühzeitig ein, wenn die Ergebnisse nicht stimmen, und helfen dabei, Gewohnheiten und Strukturen zu ändern. Tools, einschließlich KI, beschleunigen die Analyse und Überdeckung, aber das Urteilsvermögen bleibt bei den Menschen. Zur Qualität gehören Zugänglichkeit und emotionale Passung, nicht nur grüne Checks. Die Botschaft ist einfach. Baue Teams auf, die miteinander reden, lernen und auf der Grundlage von Fakten handeln. Stelle die Technologie in den Dienst der menschlichen Bedürfnisse. Mit dieser Einstellung bleiben die Produkte ehrlich und die Teams widerstandsfähig.
In dieser Folge spreche ich mit Laveena Ramchandani über Thought Leadership im Testen und die sich verändernde Rolle der Tester. Laveena sieht Tester als Ingenieure, die mit gutem Beispiel vorangehen, kluge Fragen stellen und Silos aufbrechen. Sie ermutigt Teams, ihr Wissen zu teilen, ihre Meinung zu sagen und Teamziele anzustreben, nicht eitle KPIs. Wir treffen auch harte Entscheidungen, wie z. B. das Einspringen oder die Umgestaltung eines Teams, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. In Bezug auf KI einigen wir uns darauf, die Tools zu nutzen und fügen dann menschliches Gespür und das Gefühl für Qualität hinzu, wie Zugänglichkeit und Emotionen. Das Testen bleibt sehr menschlich.
"Wenn du harte Entscheidungen für die richtigen Entscheidungen treffen musst, tu es. Fühle dich nicht schlecht, du tust das Richtige." - Laveena Ramchandani
Laveena Ramchandani ist eine erfahrene Testmanagerin bei easyJet mit mehr als einem Jahrzehnt praktischer Erfahrung in den Bereichen Qualitätssicherung, Data Science Testing und digitale Transformation. Sie hat einen Abschluss in Wirtschaftsinformatik von der Queen Mary University of London und hat ihre Karriere an der Schnittstelle zwischen der technischen und der wirtschaftlichen Welt aufgebaut. Als leidenschaftliche Verfechterin inklusiver und zugänglicher digitaler Produkte hat Laveena international über Themen wie Zugänglichkeit, KI und Data Science beim Testen und Skalierbarkeit gesprochen. Außerdem ist sie Bloggerin, Trainerin und Community-Leiterin, die gerne die komplexe Wissenschaft des Testens entmystifiziert und neuen Testern hilft, ihre Stimme zu finden. Wenn sie nicht gerade Code testet oder Workshops abhält, beschäftigt sie sich mit den neuesten Datenmodellen und Werkzeugen oder erforscht, wie Teams qualitativ hochwertige Produkte entwickeln können, die die Bedürfnisse der Nutzer wirklich erfüllen.
Testen ist weit mehr als eine Berufsbezeichnung oder eine Liste von Aufgaben. Wie Laveena Ramchandani erklärt, sind Tester Ingenieure - sie schreiben Code, lösen Probleme und beeinflussen vor allem die Prozesse und Denkweisen des Teams. Oft sind Tester die "einzige Quelle der Wahrheit", die Menschen und Informationen über Silos hinweg miteinander verbindet.
Es geht nicht darum, ein Zuschauer zu sein, der nur Kästchen abhakt. Laveena Ramchandani beschrieb, wie wichtig es ist, selbst Hand anzulegen, Kollegen zu unterstützen und mit gutem Beispiel voranzugehen. Wenn Tester sich aktiv einbringen, alte Prozesse in Frage stellen und nach dem "Warum?" fragen, geben sie den Stakeholdern die Daten und Erkenntnisse an die Hand, die zu besseren Entscheidungen führen - und beeinflussen so die Richtung von Projekten und die Unternehmenskultur.
Echte Vordenkerrolle bedeutet nicht nur, einen Titel zu haben. Sowohl Richie als auch Laveena betonen, wie wichtig es ist, gemeinsam zu führen. Das bedeutet, Seite an Seite zu arbeiten, Teammitglieder zu coachen und Eigenverantwortung zu fördern, anstatt Aufgaben einfach von oben zu verwalten.
Tester sollten mit gutem Beispiel vorangehen und andere inspirieren: Herausforderungen offen angehen, Ausdauer bei der Lösung von Problemen zeigen und den Kommunikationsstil so anpassen, dass er sowohl introvertierte als auch extrovertierte Menschen anspricht. Manchmal ist es am besten, das Team zu unterstützen, indem man es anleitet, seine eigenen Fragen zu stellen und Lösungen zu finden, anstatt ihm alle Antworten vorzugeben.
Ein wiederkehrendes Thema in der Diskussion war das Problem der Silos - wenn Menschen oder Teams Informationen horten oder ihr Fachwissen abschirmen. Laveena rief zu Offenheit auf: "Qualität sollte für uns alle wichtig sein... warum sollte man Daten für sich behalten?" Wenn Informationen und Prozesse gemeinsam genutzt werden, liefern Teams schneller und lernen gemeinsam.
Natürlich ist es nicht immer einfach, sich zu öffnen. Manche Interessengruppen verschließen die Türen oder weisen die Fragen der Tester ab. Hier sind Hartnäckigkeit und Kreativität gefragt: Biete die Vorteile für das ganze Team an und nutze "intelligente" Kommunikation, um die Zustimmung zu gewinnen. Auch wenn nicht jede Antwort erreichbar ist, werden Fortschritte durch eine gemeinsame Vision und gemeinsames Handeln erzielt.
Nicht jedem fällt es leicht, schwierige Fragen zu stellen oder die Initiative zu ergreifen, vor allem nicht denjenigen, die neu in diesem Bereich sind oder eher introvertiert. Wie also helfen Führungskräfte den Testern, sich weiterzuentwickeln?
Richie fragte, was passiert, wenn Tester sagen: "Das kann ich nicht." Laveena erzählte, dass in solchen Fällen Selbstreflexion und harte Entscheidungen erforderlich sind: Liegt der Grund für die Blockade in der mangelnden Qualifikation oder in einem tieferen Grund? Manchmal krempelt sie als Führungskraft die Ärmel hoch und testet sich selbst, um ein Beispiel zu geben. In anderen Fällen kann es notwendig sein, das Team umzugestalten oder neue Talente zu suchen. Entscheidend ist, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Tester unterstützt fühlen, um zu wachsen, zu experimentieren und ihren eigenen Führungsstil zu finden.
Zum Schluss noch das heiße Thema: KI. Angesichts der zunehmenden Automatisierung und KI-gestützter Tools waren sich beide Redner einig, dass sich der Job des Testers weiterentwickelt, aber noch lange nicht überholt ist. Der Einsatz interner KI-Tools zur Generierung von Testfällen und zur Rationalisierung der Arbeit ist klug, aber das Urteilsvermögen der Tester bleibt entscheidend. Keine Maschine kann die Feinheiten des menschlichen "Gefühls" nachahmen, wenn es um Zugänglichkeit, Benutzererlebnisse oder das Verständnis emotionaler Reaktionen auf Anwendungen geht.
KI mag die Art und Weise, wie die Arbeit erledigt wird, verändern, aber strategisches, unkonventionelles Denken wird immer sehr gefragt sein. Tester/innen bieten eine kritische Perspektive; wie Laveena sagte: "Entwickler/innen können nicht ihre eigene Arbeit testen... das führt zu einer massiven Verzerrung." Tester stellen Fragen, die andere vielleicht nicht bedacht haben.
Software-Tester sind mehr als nur Türsteher - sie sind Vermittler, Kollaborateure und Akteure des Wandels. Egal, ob es darum geht, Teamdynamiken zu steuern, Silos aufzubrechen oder neue Technologien zu integrieren - Tester, die mitdenken, helfen ihren Unternehmen, nicht nur bessere Software, sondern auch eine bessere Kultur zu schaffen.