Blog über Software, Mensch und Persönlicher Entwicklung

Effektives Testreporting ohne Overhead - Richard Seidl

Geschrieben von Richard Seidl | 17.03.2026

Wenn Projekte in stürmische Gewässer geraten, entscheidet die Qualität des Testreportings darüber, ob du blind durch den Nebel steuerst oder deine Position genau kennst. Eine 3x3-Matrix aus Testvorbereitung, Testausführung und Fehlermanagement reicht aus, um den Testfortschritt überwachen zu können – vorausgesetzt, du automatisierst die Datenbasis und misst gleichzeitig ihre Qualität. Das Testmanagement Dashboard wird so vom Zahlenfriedhof zum echten Führungsinstrument, das nicht nur zeigt, wo du stehst, sondern auch prognostiziert, wann du wirklich ankommst.

Podcast Episode: Effektives Testreporting ohne Overhead

In dieser Episode spreche ich mit Matthias Gross über ein Thema, das viele als trocken empfinden, aber in Projekten überlebenswichtig ist: Testreporting. Matthias zeigt seine 3x3-Matrix-Methode, mit der er Testfortschritt überwachen kann – von der Vorbereitung über die Ausführung bis zum Fehlermanagement. Er automatisiert nicht nur sein Testmanagement Dashboard, sondern überwacht auch die Datenqualität seiner Metriken mit einem internen Kontrollsystem. Statt 1000 Kennzahlen liefert sein Ansatz genau die neun Felder, die wirklich zählen – und er erklärt, warum gutes Testreporting wie Navigation auf hoher See funktioniert.

„Testreporting ist ein Führungswerkzeug." - Matthias Gross

Matthias Groß ist Partner der TestGilde GmbH und seit 2007 als Berater für Softwarequalitätssicherung und Testmanagement tätig. Seine Schwerpunkte liegen im operativen Testmanagement, der Einführung und Weiterentwicklung von Testmanagementstrukturen sowie der Betreuung kundenspezifischer Testservices. Er engagiert sich zudem an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, ist Mitgründer der Testcommunity The TestLänd und Mitglied des Programmkomitees des QS-Tags.

Highlights der Episode

  • Testreporting braucht eine 3x3-Matrix: Vorbereitung, Ausführung, Fehler – jeweils Ist, Verlauf, Datenqualität.
  • Ohne Prognose auf Basis historischer Daten steuerst du blind ins Go-Live.
  • Datenqualität automatisiert überwachen – sonst kommunizierst du die falsche Position nach außen.
  • Ein Dashboard mit neun gefüllten Feldern reicht in 95% aller Projekte völlig aus.
  • Testreporting ist kein Statusbericht, sondern ein Führungswerkzeug zum Gegensteuern.

Wie Testreporting Klarheit ins Softwareprojekt bringt

Wer kennt es nicht? Die tägliche Kaffeemaschine, Streitereien in Meetings oder Ausreden, wenn es darum geht, den wahren Stand eines Projekts zu kommunizieren. Im Softwaretest und Testmanagement sind klare Fakten wichtiger denn je. In der Podcast-Folge mit Matthias Groß und Host Richie geht es um ein Testreporting-Framework, das nicht prahlt, sondern führt. Matthias zeigt, wie er mit einer klaren Struktur, automatisierten Auswertungen und Fokus auf das Wesentliche echte Orientierung schafft.

Das Bild der Schiffsfahrt

Statt einer Flut aus Zahlen setzt Matthias auf das Bild einer Schiffsreise. Im Projekt kann das Wetter gut oder turbulent sein – manchmal ist die Fahrt ruhig, manchmal toben Wellen. Gerade bei rauen Bedingungen braucht es ein gutes Reporting. Nur so weiß das Team, wo das Schiff steht, wohin es steuert und ob man vom Kurs abkommt. Diese Metapher macht sofort klar: Ein Testreporting soll nicht nur informieren, sondern auch den Weg weisen.

Die 5‑Punkte‑Struktur

Matthias’ Ansatz besteht aus fünf Schritten, die jeder nachvollziehen kann.

  1. Ziel kennen: Zuerst muss klar sein: Wohin soll die Reise gehen? Im Testing ist das nicht nur die Produktionsfreigabe, sondern auch, wie viel Fehlerfreiheit und Testabdeckung gewünscht wird. Dabei bleibt man realistisch; 100 Prozent gibt es selten. Das Ziel steckt das Team gemeinsam ab – es entscheidet, was Qualität bedeutet.

  2. Position bestimmen: Wo steht das Projekt gerade? Zur Antwort nutzt Matthias eine 3x3-Matrix. Drei Spalten: Vorbereitung, Durchführung, Fehler. Drei Zeilen: aktueller Stand, Verlauf, Datenkontrolle. Mit dieser Matrix gelingt der Überblick schnell und klar.

  3. Prognose berechnen Wer die Historie kennt, kann abschätzen, wie der weitere Weg aussieht. Mit den Daten der letzten Wochen und dem Expertenwissen schätzt Matthias: Wann erreichen wir das Ziel? Stimmen Zeitplan und Fortschritt? Wenn nicht, gibt es verschiedene Optionen – Kurs ändern, Team verstärken oder Abstriche beim Ziel machen.

  4. Datenqualität sichern: Oft denkt man, Daten seien korrekt, doch das stimmt nur selten. Matthias prüft mit einem internen Kontrollsystem (IKS) die Qualität seiner Reportings. Gibt es Felder, die nicht sauber gepflegt sind, etwa das Teilprojekt? Dann wird automatisch gemeldet, und das Team muss nachbessern. So stimmt der Stand im Reporting mit der echten Lage überein.

  5. Automatisierung Ist die Struktur einmal festgelegt, sorgt Automatisierung für Entlastung. Bei Matthias werden die Daten aus Jira mit Python gesammelt, verdichtet und in Excel visualisiert. Pivot-Tabellen liefern flexible Auswertungen. Das Management erhält ein Dashboard als PDF, technisch affine Stakeholder nutzen das Excel für Details – jeder bekommt die Infos, die er benötigt.

Feedback und Erweiterungen

Die Resonanz auf diesen Ansatz ist durchweg positiv. Viele im Projektumfeld schätzen die Übersicht, den Fokus auf das Wichtige und die Möglichkeit, in Details zu zoomen. Wer die Matrix einmal aufgebaut hat, kann verschiedene Sichten wählen, etwa nach Teilprojekt oder Abteilung. Die Herausforderung? Alle neun Felder müssen mit Daten gefüllt werden – das erfordert etwas Aufwand, lohnt sich aber.

Experiment: KI im Reporting

Neuerdings experimentiert Matthias auch mit KI. Die klassischen Reportings bleiben stabil, während die KI dazu dient, per Chat mit den Projekt‑Daten zu kommunizieren. Das bringt Flexibilität und neue Blickwinkel, ersetzt das strukturierte Reporting aber nicht.

Testreporting muss nicht kompliziert sein. Wer das Ziel klar kommuniziert, den Stand ehrlich präsentiert und die Datenqualität sichert, führt das Team sicher durch stürmische Zeiten. Matthias zeigt, wie Struktur und Automatisierung dabei helfen, Unklarheiten zu vermeiden und echte Orientierung zu geben. Ein Reporting, das wirklich genutzt wird und nicht nur die Schublade füllt, ist Gold wert – für jedes Projekt.