Fehler im Produktivbetrieb sind teuer, Software-Testen jedoch auch. Deshalb kommt der Effizienz des Softwaretests im Projekt eine besondere Bedeutung zu. Diese Effizienz hängt von verschiedenen Faktoren ab, u.a.:
- Optimaler Testtiefe und Teststrategie
- Wiederverwendbarkeit von Ressourcen
- Zielgerichteter Regressionstests
Unsere Projekterfahrung zeigt jedoch, dass diese Möglichkeiten in vielen Unternehmen nicht ausreichend wahrgenommen werden. Testprojekte laufen verteilt über das Unternehmen und Testprozesse werden jedes Mal neu aufgesetzt. Vorhandene Werkzeuge werden nicht genutzt, eine sinnvolle Automatisierung nicht angewandt.
Von einem effizienten Software-Test kann also nicht die Rede sein.
Eine Möglichkeit, diesen Problemen zu begegnen und die Effizienz im Software-Test und sogar für alle Projekte im Unternehmen zu steigern, ist die Zusammenführung der Testaktivitäten in einem internen oder externen Testcenter. Dabei werden im Allgemeinen folgende Ziele verfolgt:
- Die Unterstützung der Projektleitung durch eine nachvollziehbare Darstellung der Qualität
- Eine unabhängige Qualitätsprüfung
- Der Ausbau und die Bündelung von Test-Know-How
Erfolgsfaktoren
Für die erfolgreiche Einführung eines Testcenters sind die Analyse des Unternehmensumfelds und eine sorgfältige Planung zwingende Voraussetzungen. Vier Faktoren haben besonders starken Einfluss auf den Erfolg des Testcenters:
Die Kompetenz
Die Entwicklung und Bündelung testrelevanter Kompetenzen, wie Testmethodik, Werkzeugpraxis, Risikomanagement und Testprozessverbesserung, ergänzt um relevantes Know-How aus dem Fachbereich, bildet die Grundlage für den Entwurf effektiver Tests.
Die Besetzung
Sowohl die Einbeziehung aller Beteiligten (Key User, Betrieb, Fachexperten, etc.) als auch die Bereitstellung von ausreichenden Informationen für die Projektverantwortlichen (Projektleitung, Auftraggeber, etc.) sind essentiell für die Akzeptanz der Aktivitäten des Testcenters im Unternehmen.
Die Infrastruktur
Neben Arbeitsplätzen, deren Ausstattung und den Testumgebungen sind Kommunikationsmittel und “Wohlfühlfaktoren” wichtige Aspekte bei der Konzeption eines Testcenters.
Die Integration
Der Erfolg eines Testcenters hängt maßgeblich an der Integration der Aktivitäten in die Entwicklungsprozesse aber auch in die Gesamtorganisation (Konfigurations-, Change-, und Fehlermanagement, Anforderungsanalyse, etc.). Schnittstellen müssen klar definiert sein. Zusätzlich müssen auch die Aktivitäten und Ergebnisse des Testcenters für alle im Projekt bzw. der Organisation transparent und nachvollziehbar sein.
Fazit
Die erfolgreiche Etablierung eines Testcenters macht Testen nicht nur effizienter, sondern bringt mit den standardisierten Prozessen allen Projektbeteiligten Nutzen:
- Für das Projektmanagement sind Testprojekte einfacher zu planen und aufzusetzen sowie transparenter zu verfolgen. Testen ist kostengünstiger, da Werkzeuge, Erfahrung, Prozesse und Infrastruktur nicht jedes Mal neu bereitgestellt werden müssen. Qualität wird planbar.
- Der Betrieb übernimmt ein sicheres, zuverlässiges und stabiles System, da dieses nach vereinbarten Standards hinsichtlich der Zielplattform getestet wurde.
- Der Fachbereich und die Key User werden frühzeitig in die Entwicklung einbezogen und erhalten daher Software, die alle benötigten Funktionalitäten bereitstellt und die be nutzbar und performant ist. Als Teil des Testteams kennen die Anwender das neue System bereits vor der Einführung.
Häufig gestellte Fragen
Warum arbeiten Testaktivitäten in Unternehmen häufig ineffizient?
Weil Testprojekte verteilt über das Unternehmen laufen und die Testprozesse jedes Mal neu aufgesetzt werden. Die Projekterfahrung, die der Artikel 2009 schilderte, zeigte zudem: Vorhandene Werkzeuge blieben ungenutzt, und eine sinnvolle Automatisierung wurde nicht angewandt. Damit geht Wissen verloren, das bereits im Haus vorhanden ist, und jedes Projekt zahlt den Aufbau erneut.
Welche Faktoren bestimmen, ob Softwaretests wirtschaftlich sind?
Drei Hebel entscheiden: eine optimale Testtiefe samt passender Teststrategie, die Wiederverwendbarkeit von Ressourcen und zielgerichtete Regressionstests. Der Hintergrund ist einfach: Fehler im Produktivbetrieb sind teuer, Testen selbst aber ebenfalls. Die Effizienz entscheidet also darüber, ob sich der Aufwand gegenüber dem vermiedenen Schaden rechnet.
Was soll ein Testcenter im Unternehmen leisten?
Ein Testcenter bündelt die Testaktivitäten intern oder extern und verfolgt dabei drei Ziele: Es unterstützt die Projektleitung durch eine nachvollziehbare Darstellung der Qualität, liefert eine vom Projekt unabhängige Qualitätsprüfung und baut Test-Know-how aus, statt es über einzelne Projekte zu verstreuen.
Was muss vor dem Aufbau eines Testcenters geklärt sein?
Die Analyse des Unternehmensumfelds und eine sorgfältige Planung sind Voraussetzung, nicht Kür. Vier Bereiche beeinflussen den Erfolg besonders stark: die gebündelte Kompetenz, die Besetzung mit den richtigen Beteiligten, die Infrastruktur und die Integration in die bestehenden Prozesse. Zur Infrastruktur zählen neben Arbeitsplätzen und Testumgebungen auch Kommunikationsmittel und Wohlfühlfaktoren.
Welche Kompetenzen braucht ein zentrales Testteam?
Testmethodik, Werkzeugpraxis, Risikomanagement und Testprozessverbesserung bilden den fachlichen Kern. Entscheidend ist die Ergänzung um Know-how aus dem Fachbereich: Erst die Verbindung von Testwissen und Anwendungswissen erlaubt es, wirklich effektive Tests zu entwerfen. Reine Methodenkenntnis ohne Verständnis der Fachlichkeit reicht dafür nicht.
Wer sollte an der Arbeit eines Testcenters beteiligt werden?
Key User, Betrieb und Fachexperten gehören einbezogen, Projektleitung und Auftraggeber müssen ausreichend informiert werden. Beides zielt auf dasselbe: die Akzeptanz der Testaktivitäten in der Organisation. Ein Testcenter, das ohne diese Beteiligung arbeitet, wird als Fremdkörper wahrgenommen, unabhängig von der Qualität seiner Ergebnisse.
Reicht es, ein Testcenter organisatorisch aufzustellen und arbeiten zu lassen?
Nein. Der Erfolg hängt maßgeblich davon ab, wie gut die Aktivitäten in die Entwicklungsprozesse und in die Gesamtorganisation eingebunden sind, etwa in Konfigurations-, Change- und Fehlermanagement sowie in die Anforderungsanalyse. Die Schnittstellen müssen klar definiert sein. Zusätzlich müssen Aktivitäten und Ergebnisse für alle im Projekt transparent und nachvollziehbar bleiben.
Was haben Betrieb und Fachbereich von standardisierten Testprozessen?
Der Betrieb übernimmt ein System, das nach vereinbarten Standards gegen die Zielplattform getestet wurde, also stabiler und zuverlässiger läuft. Fachbereich und Key User werden früh in die Entwicklung einbezogen und erhalten Software, die die benötigten Funktionen bietet, benutzbar und performant ist. Als Teil des Testteams kennen die Anwender das System bereits vor der Einführung.


