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Software-Testen in der Zukunft - Interview mit Florian Fieber

In der Zukunft des Software-Testens wird der Fokus auf Testmanagement und nicht-funktionalen Anforderungen liegen. Entdecke mehr über agile Methoden!

Aktualisiert: 7 Min. Lesezeit
Patentzeichnung eines Anforderungsdokuments und eines Zahnrads, die ineinandergreifen und sich zu einer Sprechblase öffnen.

Florian Fieber ist Gründer und Geschäftsführer der QualityDojo IT-Consulting GmbH in Berlin und seit knapp 20 Jahren als Berater und Trainer im Bereich der Qualitätssicherung von Softwaresystemen tätig. Seine Schwerpunkte liegen dabei im Testmanagement, der Verbesserung von Testprozessen sowie der Businessanalyse von Enterprise-Anwendungen. Gemäß der Unternehmensvision “Zufriedene Anwender durch bessere Software” unterstützt er seine Kunden durch strategische Beratung und operative Projektunterstützung sowie bei der Qualifizierung von Mitarbeitern und Teams. er engagiert sich außerdem ehrenamtlich im German Testing Board e.V. für die Weiterentwicklung des “ISTQB Certified Tester”-Schemas und ist aktuell Vorsitzender des GTB.

Welchen Herausforderungen muss sich Software Testing in der Zukunft stellen?

Wenn ich in die Zukunft unserer Profession blicken soll, blicke ich zunächst auf unsere Vergangenheit und meine persönlichen Erfahrungen zurück und versuche daraus Ableitungen für die Zukunft vorzunehmen. Ich gehe daher davon aus, dass sich unsere (technologische) Welt immer schneller und disruptiver ändern wird und wir in immer kürzeren Zeiträumen mit bedeutenden neuen Herausforderungen konfrontiert sein werden.
Ich weiß nicht, was konkret kommen wird. Ich weiß aber, dass sich die Dinge weiterentwickeln und verändern werden. Zum Beispiel haben wir heute einen gewissen “Common Sense”, wie man Projekte sinnvollerweise organisieren sollte. Das sah vor zwanzig Jahren noch ziemlich anders aus und wird sich in zwanzig Jahren wahrscheinlich ebenso stark von heute unterscheiden. Das gleiche gilt für die von dir erwähnten Schlagwörter wie KI, AR oder Blockchain. Dies alles sind für uns als Softwaretester Randbedingungen, welche wir nicht direkt beeinflussen, mit denen wir aber umgehen können müssen. Selbst beeinflussen können wir hingegen die Art und Weise, wie wir als Softwaretester arbeiten.

Welche Ideen oder Lösungen könnten diese Herausforderungen adressieren?

Ich sehe somit zwei große Herausforderungen, denen wir uns als Softwaretester stellen müssen: Zum einen muss ich mit den eben beschriebenen technologischen Veränderungen Schritt halten. Ich muss mein theoretisches und praktisches Wissen kontinuierlich ausbauen und mich mit den Themen, die sich am Horizont abzeichnen, frühzeitig und ernsthaft beschäftigen. Das ist der Teil, den wir typischerweise unter “lebenslanges Lernen” verbuchen und der erstmal gar nicht so spezifisch für Software Testing ist.

Zum anderen – und das empfinde ich aus Softwaretester-Sicht den wichtigeren Aspekt – sollte ich mein Handwerk insbesondere so beherrschen, dass es robust für die Zukunft ist, dass es nicht nur heute funktioniert, sondern wahrscheinlich auch in Zukunft funktionieren wird. Die grundlegenden Prinzipien, Methoden und Denkweisen eines Softwaretesters sind idealerweise unabhängig von konkreten Domänen, Systemen, Vorgehensweisen oder Werkzeugen und haben insbesondere eine wesentlich längere Haltbarkeit.

Ich weiß also nicht, was in zwanzig Jahren der “Common Sense” bei der Organisation von Projekten sein wird und mit welcher konkreten technologischen Disruption wir es dann zu tun haben werden – ich versuche aber, die grundlegenden Prinzipien des Softwaretester-Handwerks heute so zu beherrschen, dass es wahrscheinlich auch in zwanzig Jahren noch Gültigkeit haben wird und ich es “nur” noch an die dann gültigen Randbedingungen anpassen muss.

Zum Beispiel ist es nett, wenn ich heute ein konkretes Testmanagementwerkzeug beherrsche, es hilft aber nichts für die Zukunft, wenn ich die zugrundeliegenden Testmanagementmethoden nicht verstehe. Es ist heute gut, wenn ich eine bestimmte Testautomatisierungsplattform bedienen kann, hilft mir aber in der Zukunft nicht, wenn ich die grundlegenden Prinzipien der Testautomatisierung nicht beherrsche. Umgekehrt bin ich aber für die kommenden Testmanagementwerkzeuge und Testautomatisierungsplattformen gerüstet, wenn ich bereits heute die zugrundeliegenden Prinzipien und Methoden beherrsche.

Wie sieht Future Testing aus? Wie werden wir testen?

Wie beschrieben, müssen wir das Testing der Zukunft prinzipiell nicht komplett neu erfinden. Trotzdem gibt es nicht das “eine” Testing, so wenig wie es das eine “Today Testing” gibt, wird es das eine “Future Testing” geben. Testing wird sich weiterentwickeln und bestimmte Trends und Schwerpunkte werden zukünftig sicher eine noch größere Rolle spielen.

Testen hat heute schon eine starke Akzeptanz, ich denke, dass sich das weiter festigen wird und Testen noch besser mit den anderen Entwicklungsaktivitäten verzahnt werden wird und sich vor allem in den frühen Phasen der Softwareentwicklung immer weiter etablieren wird. Außerdem wird sich der Fokus weiter auf den Test von Qualitätsanforderungen und nicht-funktionalen Aspekten richten, insbesondere in den Bereichen IT-Security, Usability und Interoperabilität. Und nicht zuletzt haben wir in den vergangenen zwei Jahren große Veränderungen bei den Möglichkeiten der virtuellen und verteilten Zusammenarbeit erlebt und erlernt. Das Pendel wird sicherlich nicht wieder von 100% Remote zu 100% On-Site zurückschwingen. Wir haben aber gesehen, dass Remote funktionieren kann und müssen uns daher noch stärker mit den technischen und sozialen Herausforderungen bei verteiltem Testen auseinandersetzen, um die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen und zu erhalten.

Wie können sich Tester und Testmanager heute bereits darauf vorbereiten?

Neben dem lebenslangen Lernen, einer richtigen Denkweise und dem Beherrschen der richtigen Prinzipien und Methoden hilft es uns in der Community vielleicht, wenn wir uns manchmal weniger mit Rollen, als mit Aufgaben beschäftigen würden. Bspw. ist es aus meiner Sicht müßig und energieraubend sich mit der Frage zu beschäftigen, ob “man heutzutage noch eine/n Testmanager/in braucht”. Wir sollten uns dabei von der Frage nach der richtigen Rollenbezeichnung lösen und uns damit beschäftigen, welche Aufgaben wichtig sind und wie wir diese Aufgaben bestmöglich und nachhaltig in unserem spezifischen Projektkontext abbilden können. Es wird auch in Zukunft klassische Organisationsformen geben, in denen Projekte hierarchisch organisiert sind und “man eine/n Testmanager/in braucht” – ob man das persönlich gut oder schlecht findet, spielt dabei überhaupt keine Rolle. Und gleichzeitig wird es daneben holokratische Organisationsformen geben, die völlig anders funktionieren werden. In beiden Formen müssen wir jedoch Software Testing adäquat abbilden und es würde jeder Seite helfen, den eigenen Arbeitsalltag weniger dogmatisch zu betrachten.

Häufig gestellte Fragen

Warum lässt sich Software-Testing kaum auf konkrete künftige Technologien vorbereiten?

Weil niemand weiß, welche Disruption als nächste kommt. Sicher ist nur, dass sich die technologische Welt weiter verändert, und zwar in immer kürzeren Abständen. Für Softwaretester sind diese Veränderungen Randbedingungen, die sie nicht direkt beeinflussen, mit denen sie aber umgehen müssen. Beeinflussbar ist dagegen die Art und Weise, wie Tester selbst arbeiten. Genau dort lohnt der Aufwand.

Wie sollten Tester mit Trendthemen wie KI, Augmented Reality oder Blockchain umgehen?

Als Rahmenbedingungen, nicht als eigenes Fachgebiet, das man vorhersagen könnte. Solche Themen ändern den Kontext des Testens, nicht dessen Grundlagen. Wichtiger ist, sich mit Themen, die sich am Horizont abzeichnen, früh und ernsthaft zu beschäftigen und das eigene theoretische wie praktische Wissen laufend auszubauen. Das entspricht dem, was gewöhnlich unter lebenslangem Lernen läuft, und ist nicht testspezifisch.

Lohnt es sich, vor allem ein konkretes Testmanagement- oder Testautomatisierungswerkzeug zu lernen?

Nur begrenzt. Ein Werkzeug zu beherrschen ist nett, hilft aber nichts, wenn die zugrundeliegenden Testmanagementmethoden oder die Prinzipien der Testautomatisierung fehlen. Umgekehrt gilt: Wer Prinzipien und Methoden beherrscht, ist auch für kommende Werkzeuge und Plattformen gerüstet. Die Werkzeugkenntnis veraltet, das methodische Fundament trägt länger.

Was macht Testwissen langlebig?

Langlebig sind die grundlegenden Prinzipien, Methoden und Denkweisen des Handwerks, sofern sie unabhängig von konkreten Domänen, Systemen, Vorgehensweisen und Werkzeugen formuliert sind. Diese Basis hat eine deutlich längere Haltbarkeit als Werkzeugwissen. Sie muss dann nur noch an die jeweils gültigen Randbedingungen angepasst werden, statt bei jedem Technologiewechsel neu erlernt zu werden.

Welche Testschwerpunkte gewinnen an Gewicht?

Der Fokus verschiebt sich auf Qualitätsanforderungen und nicht-funktionale Aspekte, besonders IT-Security, Usability und Interoperabilität. So schätzte es der Artikel 2022 ein. Dazu kommt eine engere Verzahnung des Testens mit den übrigen Entwicklungsaktivitäten und seine weitere Etablierung in den frühen Phasen der Softwareentwicklung. Testen muss dafür nicht neu erfunden werden.

Braucht man in modernen Organisationsformen überhaupt noch Testmanager?

Die Frage nach der Rollenbezeichnung führt in die Irre und kostet Energie. Sinnvoller ist es zu klären, welche Aufgaben wichtig sind und wie sie im spezifischen Projektkontext nachhaltig abgebildet werden. Es wird weiter hierarchisch organisierte Projekte geben, in denen eine Testmanagerin gebraucht wird, und daneben holokratische Formen, die anders funktionieren. Beide müssen Testing adäquat abbilden.

Funktioniert verteiltes Testen aus der Ferne?

Ja, die Erfahrungen mit virtueller Zusammenarbeit ab 2020 haben gezeigt, dass Remote-Arbeit funktionieren kann. Ein Zurückschwingen von 100 Prozent Remote auf 100 Prozent On-Site war schon 2022 nicht zu erwarten. Umso wichtiger wird die Auseinandersetzung mit den technischen und den sozialen Herausforderungen verteilten Testens, damit die passenden Rahmenbedingungen entstehen und erhalten bleiben.

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