Ein Barcamp ist ein offenes Konferenzformat, bei dem die Teilnehmer selbst die Themen einbringen und bestimmen. Statt fester Vortragender gibt es einen Marktplatz, auf dem jeder einen Slot vorschlagen kann. Das QS Barcamp Hamburg ist das einzige deutschsprachige Barcamp für Softwaretesten und Qualitätssicherung und feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Barcamp strukturiert den informellen Austausch, der auf klassischen Konferenzen an der Kaffeemaschine stattfindet, gezielt als ganztägiges Format mit parallelen Sessions und freier Themenwahl durch die Teilnehmenden.
- Das QS Barcamp ist das einzige deutschsprachige Barcamp im Bereich Testen und Qualitätssicherung und zieht Teilnehmende aus dem gesamten deutschsprachigen Raum an, darunter Entwickler, Tester, HRler, Hochschulprofessoren und Quereinsteiger aus anderen Branchen.
- Die Community hat die Teilnehmerzahl bewusst auf 80 Personen begrenzt, um das familiäre Flair zu erhalten, das anonyme Großveranstaltungen nicht bieten können.
- Das Gesetz der Füße erlaubt es Teilnehmenden ausdrücklich, eine laufende Session zu verlassen und zu wechseln, weil mitgebrachtes Wissen aus einem Slot die Diskussion im nächsten Slot bereichert.
- Der Einstiegspreis liegt seit dem ersten Barcamp bei 49 Euro, Studierende zahlen nichts, weil das Event als Community-Veranstaltung bewusst für alle zugänglich bleiben soll.
Was ist ein Barcamp und worin liegt der Unterschied zur klassischen Konferenz
Ein Barcamp ist ein Format, bei dem die Teilnehmer das Programm selbst gestalten. Es gibt keinen festen Vortragsplan und keinen Speaker, der von vorne sendet, während alle anderen zuhören. Stattdessen bringen die Anwesenden ihre Themen mit, und daraus entstehen die Sessions.
Die Idee geht auf eine simple Beobachtung zurück: Die wertvollsten Gespräche auf Konferenzen passieren oft an der Kaffeemaschine, nicht im Vortragssaal. Ein Barcamp dreht dieses Verhältnis um. Es macht den Austausch zur Hauptsache und organisiert ihn durch.
“Man kann sich das vorstellen wie eine langgezogene, durchorganisierte Konferenzpause. Weil man auf den Konferenzpausen immer die interessantesten Gespräche hat.” – Georg Haupt
Das QS Barcamp in Hamburg beschreibt sich als das einzige größtenteils deutschsprachige Barcamp im Bereich Testen und Qualitätssicherung. 2024 begeht es sein zehnjähriges Jubiläum. Entstanden ist es aus der Software User Group Hamburg, die das Format bis heute mitträgt.
Wie ein Barcamp-Tag konkret abläuft
Der Tag startet mit dem Marktplatz. Jeder, der ein Thema einbringen will, schreibt es auf einen Zettel, stellt es kurz vor und sucht sich einen freien Slot im Zeitplan. Wer um 11 Uhr über Testautomatisierung an der Oberfläche reden will, kündigt das an, und alle Interessierten kommen vorbei.
Es gibt zwei Arten von Sessions. In Push-Sessions verteilt jemand Wissen, das er mitbringt. In Pull-Sessions stellt jemand eine offene Frage in den Raum, etwa wie man sinnvoll über die Oberfläche automatisiert, und sammelt die Antworten der anderen ein.
Beim QS Barcamp laufen vier Slots parallel. Ein Slot dauert 45 Minuten, danach folgen 15 Minuten Pause. Das Programm ist eingebettet in ein gemeinsames Frühstück, eine Mittagspause am großen Buffet und Verpflegung über den ganzen Tag.
Eine ungeschriebene Regel prägt das Format: das Gesetz der Füße. Wer das Gefühl hat, nichts mehr beitragen oder mitnehmen zu können, steht auf und wechselt in eine andere Session. Das ist ausdrücklich erwünscht, kein Affront.
Der Themenwechsel mitten in der Session ist ein Feature, kein Fehler
“Whatever happens, happens” lautet eine der Leitregeln. Eine Session, die mit einer Frage zu explorativem Testen beginnt, kann bei der Frage enden, wie man einen Raum als funktionierende Testumgebung ausstattet. Das gilt nicht als Abschweifen, sondern als gelungener Verlauf.
Auch der Wechsel zwischen parallelen Slots erzeugt Mehrwert. Wer von Slot A nach Slot B geht, trägt die Gedanken aus dem ersten Gespräch ins zweite. So wandert Wissen zwischen den Räumen, statt in einzelnen Sessions eingeschlossen zu bleiben.
Eine zweite Regel begrenzt die Slot-Länge nach Bedarf: Ein Slot dauert so lange, wie er braucht. Wer mit seinem Thema nicht fertig ist, gibt den Raum für die nächste Gruppe frei und zieht mit den Interessierten in eine Sofa-Ecke weiter.
Warum der Freitagabend den Samstag erst stark macht
Das QS Barcamp beginnt nicht mit dem Open Space am Samstagmorgen, sondern bereits am Freitagabend. Den Auftakt bildet ein Vortrag zu einem ausgewählten Thema, parallel dazu wird auf der Dachterrasse gegrillt. Danach folgt ein langer Grillabend, der schon mal bis halb zwei in der Nacht geht.
Der Effekt am nächsten Morgen ist deutlich: Viele Teilnehmer kennen sich bereits, haben Gespräche geführt und Ideen gesammelt. Diese Ideen fließen direkt in die Session-Vorschläge auf dem Marktplatz.
Die Vortragsthemen am Freitag werden bewusst so gewählt, dass sie Fragen offenlassen. Ein abgeschlossenes Thema liefert keine Diskussionspunkte. Offene Enden dagegen tragen sich in die Sessions des Folgetags.
Die Mischung der Teilnehmer macht den Wert aus
Auf dem QS Barcamp treffen Rollen aufeinander, die sich sonst selten austauschen. Tester, Testmanager, Entwickler, Studierende, Hochschulprofessoren und Menschen aus dem HR-Bereich sitzen am selben Tisch. Eine Teilnehmerin kam aus der Lebensmittelbranche und macht Qualitätssicherung für Food.
Auch fachlich ist die Spannweite groß. Es gibt Profis mit echten Deep-Dive-Themen und Newcomer, die wissen wollen, welche Skills sie für den Einstieg brauchen. Klassischer Kontext trifft auf agilen, Banken-Software auf die Steuerungssoftware eines Gabelstaplers.
Genau diese Reibung erzeugt die spannenden Gespräche. Wer im Embedded-Bereich arbeitet, testet anders als jemand mit einer Web-Anwendung im Rücken. Der Austausch über diese Grenzen hinweg bringt Perspektiven, die man im eigenen Umfeld nicht findet.
Zwei Beispiele zeigen, was dabei entsteht. Eine HR-Mitarbeiterin sollte eine Testrolle ausschreiben, ohne die Aufgabe zu kennen, und reichte die Session “Beschreibt mir mal die ideale Testerin, den idealen Tester” ein. In einer anderen Session begann eine Sammlung der wichtigsten Test-Tools an der Wand. Über mehrere Sessions hinweg wuchs daraus eine sortierte Wissensdatenbank, von Automatisierung über Testanalyse bis zu Daten-Werkzeugen.
Klein bleiben ist eine bewusste Entscheidung
Das QS Barcamp zählt 60 bis 80 Teilnehmer. Diese Grenze hat die Community selbst gesetzt, obwohl die Plätze schnell ausgebucht sind. Mehr Menschen würden das familiäre Flair zerstören.
Ein fester Kern von 40 bis 45 Personen kommt regelmäßig, manche zum zehnten Mal. Daneben sind jedes Jahr Erstbesucher dabei. Wer es nicht weiß, merkt den Unterschied nicht, weil die Integration neuer Teilnehmer reibungslos funktioniert.
Die Größe schützt das Format vor Anonymität. Bei 500 oder 5000 Teilnehmern kippt das Klima ins Unpersönliche. Bei 80 kennt man sich, kommt leichter in Gespräche und findet schneller Anschluss. Diese Skalierung will die Hamburger Community ausdrücklich nicht überschreiten.
Das QS Barcamp als Startrampe für Methoden
Das Format dient im deutschsprachigen Raum immer wieder als erste öffentliche Bühne für Methoden und Werkzeuge. Manches existiert vorher schon, wird hier aber zum ersten Mal in die Community getragen.
Riskstorming trat in dieser Blase erstmals richtig in Erscheinung und blieb danach hängen. Auch Quality Storming wurde hier zum ersten Mal öffentlich durchgespielt. Teilnehmer erleben Premieren oft, ohne im Moment zu wissen, dass sie dabei sind. Erst im Nachhinein wird klar, dass man bei etwas Neuem war.
Praktische Eckdaten zum QS Barcamp
Der Termin liegt traditionell am ersten vollen Wochenende im September. Es startet am Freitagabend mit Abend-Quilott und Grill-Event, am Samstag folgt um 8:30 Uhr das gemeinsame Frühstück, danach Marktplatz und Sessions.
| Punkt | Detail |
|---|---|
| Teilnehmerzahl | 60 bis 80, bewusst begrenzt |
| Parallele Slots | 4, je 45 Minuten plus 15 Minuten Pause |
| Ticketpreis | 49 Euro, seit dem ersten Tag unverändert |
| Studierende | kostenlos |
| Verpflegung | Frühstück, großes Mittagsbuffet, Getränke, Grillabend |
Der Preis von 49 Euro deckt im Wesentlichen das Essen, das Mittagsbuffet kostet eher mehr. Höher soll er nicht werden, denn das Barcamp versteht sich als zugängliches Community-Event. Für Studierende ist die Teilnahme kostenfrei.
Beim Essen achtet das Team auf eine vollwertige vegane Option. Statt die Veganer auf Beilagen zu verweisen, gibt es eine eigene Hauptkomponente, alle Beilagen sind ebenfalls rein pflanzlich.
Getragen wird das Event von Menschen aus vier verschiedenen Firmen, nicht von einem einzelnen Unternehmen. OSE stellt die Räumlichkeiten, weil das Anmieten passender Räume sonst zu teuer wäre. Ohne Sponsoren ließe sich das Format zum aktuellen Preis nicht halten, niemand verdient daran. Wer das Jubiläum mit einer Idee oder als Sponsor unterstützen will, kann sich beim Organisationsteam melden.


