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Software-Testen in der Zukunft - Interview mit Armin Metzger

Die Zukunft des Software-Testens verlangt ein starkes Bewusstsein für Qualität und agile Methoden. Erfahre mehr über Testing-Strategien.

Aktualisiert: 5 Min. Lesezeit
Blaupausen-Zeichnung eines Kreisrings aus sieben Knoten, verbunden durch durchgezogene und gepunktete Bögen, in einem Knoten eine Satellitenschüssel.

Dr. Armin Metzger hat über 25 Jahre Erfahrung in Softwareentwicklung und -test in Industrie- und Forschungsprojekten und internationalen Gremien. Seit 2018 ist er Geschäftsführer des German Testing Board e.V. (GTB).

Welchen Herausforderungen muss sich Software Testing in der Zukunft stellen?

Veränderungen der technologischen Plattformen sind wir seit jeher gewohnt. Damit werden wir gut zurechtkommen, wenn wir am Ball bleiben. Größere Herausforderungen sehe ich in der zunehmenden Abhängigkeit von Software und deren Durchdringung bis hin in unserem Alltag. Das verschiebt die Prioritäten der zu testenden Qualitätsmerkmale. Man denke nur an Gebrauchstauglichkeit und IT-Sicherheit, welche immer noch oft zu wenig Beachtung finden. Zudem wandelt sich das Testen als Folge der agilen Transformation zunehmend von einer unabhängigen und selbständigen Funktion mit eigenen Organisationseinheiten hin zu einer integralen Aufgabe der Entwicklungsteams.

Welche Ideen oder Lösungen könnten diese Herausforderungen adressieren?

Natürlich werden sich mit den technologischen Entwicklungen auch die Testmethoden verbessern und neue Techniken werden entstehen. Aber vor allem müssen wir vor dem Hintergrund der genannten Herausforderungen das Bewusstsein für die Qualität als Schlüsselfaktor für den Projekt- und Produkterfolg und damit die Akzeptanz und Management-Unterstützung für das Testen stärken. Und natürlich müssen wir dafür Sorge tragen, dass die für einen professionellen und systematischen Test benötigten Expertisen auch in der Organisation vollständig vorhanden und passend zum jeweiligen Prozessmodell adäquat personell verteilt sind.

Wie sieht Future Testing aus? Wie werden wir testen?

Wir entwickeln für zunehmend vernetzte und volatile Anwendungsumgebungen. Die Systeme werden sich daher auch zunehmend selbständig an die volatile Umgebung anpassen müssen. Das statische und deterministische Testszenario im Labor wird dafür immer weniger geeignet sein. Bisher eher am Rande oder nur in bestimmten Branchen genutzte Konzepte wie Simulation oder Produktzertifizierung sind Startpunkte für mögliche (zusätzliche) Lösungsansätze und die Qualitätssicherung muss sich bis in die Produktivumgebung verschieben. Die nichtfunktionalen Qualitätsmerkmale wie IT-Sicherheit werden an Bedeutung gewinnen und auch ethische Fragestellungen müssen Betrachtung finden.

Wie können sich Tester und Testmanager heute bereits darauf vorbereiten?

Die Maßnahmen ergeben sich aus den Herausforderungen. Es gilt, das Testen als Voraussetzung für den Projekterfolg in den agilen Teams und im Management kontinuierlich weiter zu etablieren. Marketing für das Testen selbst. Und es gilt, gerade in den agilen Teams, die dafür benötigten Skills zu stärken und zu verbessern, eventuell auch erst aufzubauen. Akzeptanz, Budgets und Skills haben sich in den letzten Jahren eher verschlechtert, wie unter anderem die Softwaretest Umfrage 2020 und der World Quality Report 2020-21 aufzeigen. Bauen Sie eine ausgeprägte Kultur einer Qualitätssicherungs-Community auf. Und schulen Sie die Teams entlang der Veränderung der technischen und prozessoralen Anforderungen. Nicht ganz uneigennützig möchte ich hier natürlich auf das weltweit etablierte Standardschema für Schulungen zum Thema Testen hinweisen, den ISTQB Certified Tester.

Häufig gestellte Fragen

Welche Qualitätsmerkmale kommen beim Testen häufig zu kurz?

Gebrauchstauglichkeit und IT-Sicherheit finden nach dieser Einschätzung noch zu wenig Beachtung. Der Grund liegt in der wachsenden Abhängigkeit von Software und ihrer Durchdringung bis in den Alltag: Je mehr Menschen ein System täglich nutzen, desto stärker verschieben sich die Prioritäten der zu testenden Qualitätsmerkmale weg von rein funktionalen Aspekten hin zu nichtfunktionalen.

Verändert die agile Transformation die organisatorische Stellung des Testens?

Ja. Das Testen wandelt sich von einer unabhängigen, selbständigen Funktion mit eigenen Organisationseinheiten hin zu einer integralen Aufgabe der Entwicklungsteams. Damit verschiebt sich auch die Frage nach den Kompetenzen: Die für einen professionellen und systematischen Test benötigten Expertisen müssen in der Organisation vollständig vorhanden und passend zum jeweiligen Prozessmodell personell verteilt sein.

Reicht es aus, Testmethoden technisch weiterzuentwickeln?

Nein. Neue Techniken entstehen ohnehin mit der technologischen Entwicklung, aber sie lösen das Grundproblem nicht. Nötig ist zusätzlich ein Bewusstsein für Qualität als Schlüsselfaktor für Projekt- und Produkterfolg, damit Testen Akzeptanz und Management-Unterstützung erhält. Ohne diese Rückendeckung fehlen die Voraussetzungen, um Methoden überhaupt sinnvoll einzusetzen.

Warum verliert das Testen im Labor an Aussagekraft?

Anwendungsumgebungen werden zunehmend vernetzt und volatil, und Systeme müssen sich selbständig an diese Umgebung anpassen. Ein statisches, deterministisches Testszenario im Labor kann solches Verhalten immer weniger abbilden. Die Konsequenz: Qualitätssicherung muss sich bis in die Produktivumgebung verschieben, statt vor dem Rollout abgeschlossen zu sein.

Welche Rolle können Simulation und Produktzertifizierung im Test spielen?

Beide Konzepte wurden bislang eher am Rande oder nur in bestimmten Branchen genutzt. Sie taugen als Startpunkte für zusätzliche Lösungsansätze, wenn Systeme in volatilen, vernetzten Umgebungen arbeiten und klassische Laborszenarien nicht mehr ausreichen. Hinzu kommt, dass neben nichtfunktionalen Merkmalen wie IT-Sicherheit auch ethische Fragestellungen betrachtet werden müssen.

Haben sich Budgets und Akzeptanz für Software Testing verbessert?

Nein, im Gegenteil. Akzeptanz, Budgets und Skills hatten sich in den Jahren vor 2022 eher verschlechtert. Als Belege nannte der Artikel die Softwaretest-Umfrage 2020 und den World Quality Report 2020-21. Daraus folgt die Empfehlung, Testen als Voraussetzung für den Projekterfolg in agilen Teams und im Management kontinuierlich weiter zu etablieren, also Marketing für das Testen selbst zu machen.

Wie lässt sich Testkompetenz in agilen Teams aufbauen?

Über drei Wege: benötigte Skills gezielt stärken, verbessern oder erst aufbauen, eine ausgeprägte Kultur einer Qualitätssicherungs-Community etablieren und die Teams entlang der Veränderung der technischen und prozessualen Anforderungen schulen. Als weltweit etabliertes Standardschema für Testschulungen nannte der Artikel 2022 den ISTQB Certified Tester.

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